Neanderlandsteig – Etappe 1

Wir haben uns für dieses Jahr vorgenommen, den Neanderlandsteig vom Start an zu laufen. Alle 17 Etappen. Zwar kennen wir schon zwei oder drei Etappen, die wir an verschiedenen Wochenenden gelaufen sind, aber Christin hat sich das als „Jahresziel“ gesetzt. Ob wir das schaffen?

Fakten zu Etappe 1: Von Haan-Gruiten bis Wülfrath-Düssel

Die offiziellen Angaben:

  • Länge: 16,7 km
  • Dauer: 5-5,5 Stunden
  • Schwierigkeit: mittel
  • Höhendifferenz: 154 m Anstieg, 162 m Abstieg

Unsere Angaben:

  • Gelaufen am: 18.04.2021
  • Länge mit allem drum und dran: 19,5 km
  • reine Gehzeit: 3:45 h
  • gesamte Dauer: 5:12 h

Unsere Wanderung

Eigentlich beginnt unsere Wanderung vor dem Start. Denn wir entscheiden uns, die Etappe mit zwei Autos zu machen. In Wülfrath-Düssel fährt zwar ein Bus, aber gerade an einem Sonntag ist die Verbindug nicht gerade optimal. Im schlimmsten Fall wartet man eine Stunde und muss sogar noch in Wuppertal-Vohwinkel in die S-Bahn umsteigen. Das wollen wir uns nicht antun. Also lassen wir Christins Auto am Endpunkt in Düssel stehen. Den Wanderparkplatz zu finden ist eine Katastrophe. Er ist nicht ausgeschildert und entpuppt sich als eine Schotterfläche mit Müllcontainern. Aber egal, mit Julias Auto geht es zurück zum Startpunkt zum Bahnhof Haan-Gruiten. Hier sollte parken kein Problem sein.

Die ersten 4 km ab dem Bahnhof bis Gruiten Dorf geht es entlang der Düssel. Den Teil kennen wir schon, aber in umgekehrter Reihenfolge. Wir sind ihn auf der Entdeckerschleife „Kalkspuren“ bereits gelaufen. Eigentlich wollten wir gleich einen Geocache-Multi beginnen. Aber hier laufen 3 Multis parallel am Neanderlandsteig. Wir entscheiden uns, uns erst warm zu laufen und die Caches irgendwann mal mit dem Fahrrad zu machen. Und warm laufen wir uns. Es ist wärmer als wir erwartet haben. Nach nur 2 km ist Ausziehen angesagt. Kurz vor Gruiten-Dorf beginnt der Multi. Er führt uns kurz vom Neanderlandsteig weg zum „Doktorhaus“. Hier zeigt Gruiten seine ganze Fachwerk-Schönheit. Es ist zauberhaft. Die „Geologische Ausstellung“ am Doktorhaus ist toll.

Nebenbei sollte ich vielleicht erwähnen, dass es wettermäßig ein Hammertag ist. Es ist sonnig und fast frühlingshaft warm. Daher gibt es an der Wassertretstelle unsere Frühstückspause (viel länger als sonst), kalte Füße sowie nette Gespräche mit der Wandergruppe auf der Bank nebenan.

Durch Gruiten geht es mit viel Fachwerk drumrum weiter zum Naturschutzgebiet Grube 7, einem Kalksteinbruch. Wir folgen dem Neanderlandsteig und einem Geocache durch den Wald immer am Steinbruchrand entlang.

Wir kommen an einem seltsamen Relikt aus der Steinbruchzeit vorbei: ein Steinbrecher. Es kommt einem vor, wie die Stütze einer Autobahnbrücke, die hierher teleportiert wurde. Genaueres über das Ding im Wald könnt ihr hier lesen.

Oberhalb des Steinbruchs finden wir das Final des Multis, dass uns einen kleinen Umweg bescherrt. Aber es lohnt sich. Ist ein tolles Versteck und wir haben dafür auch genug gerätselt und gerechnet.

Dieses Wildgehege mit Damwild, Schafen und Gänsen entdecken wir duch Zufall. Der Neanderlandsteig führt mittendurch. Eine Frau mit Kind gibt uns Birnenstücke zum Füttern ab. Eingie sind gierig. Andere halten Mittagsschlaf. Hinterher sind unsere Hände vollgesabbert. Aber sind alle sooo flauschig!

Weiter auf dem Neanderlandsteig geht es zu einer Landstraße und plötzlich stehen wir vor diesem Bushaltestellenschild:

Doch tatsächlich sind wir hier richtig. Das heißt hier wirklich so!

Ab hier führt uns der Weg eher durch Felder und nur noch leichte Steigungen sind zu bewältigen. Die zweite Hälfte der Wanderung läuft einfach super. Irgendwann sind wir ganz allein für uns und so sehr ins Gespräch vertieft, dass wir an einem weiteren Cache einfach vorbeilaufen, ohne es zu merken.

Die Düssel bringt uns nach Düssel. Wir probieren heute mal aus, direkt aus einem Bach zu trinken, natürlich mit einem Filtersystem. An dieser natürlichen Brücke füllen wir unsere Trinkflache auf. Es schmeckt herrlich und ist wunderbar kühl.

Da wir erst eher spät aufgebrochen waren, sind wir erst gegen 18:20 Uhr wir in Düssel am Auto. Jetzt können wir einsteigen und auf die Suche nach einem Döner machen, das Julia bereits in ihren Träumen schmecken kann. Aber mein Autoschlüssel ist nicht da. Der ist schön an seinem Platz: In Jules Auto in der Mittelkonsole in Gruiten am Bahnhof!

Bleibt also doch der Bus. Der fährt zum Glück auch sonntags. Wir gehen also die paar Schritte zur Bushaltestelle und schauen auf den Plan. Abfahrt 18:20 Uhr! Der muss also gerade an uns vorbeigefahren sein. Der nächste kommt erst um 19:20 Uhr. Eine Stunde warten. Genau, was wir vermeiden wollten. Mist! Wir nutzen die Sitzgelegenheit in der Bushaltestelle, um unsere Reste zu essen. Denn wir haben Hunger Jule nimmt es mit Humor, ich ärgere mich über mich selbst. Aber es hilft ja nichts. Leider wird es kalt und wir ziehen unserer Klamotten vom Vormittag wieder an. In der Nähe gibt es noch eine geologische Sehenswürdigkeit: Der Timmendorfer Sattel. Den Earth-Cache lassen wir sein, nachdem wir das Listing gelesen haben. Ist uns für heute zu kompliziert. Also traben wir zurück ins Dorf. Dort ist ein Café, das leider gerade zugemacht hat.

Wir laufen ein bisschen die Hauptstraße entlang. Düssel ist wirklich schön. Nach ein paar Ecken treffen wir auf die Katholische Kirche. Ich glaube es nicht, aber dort ist die Tür auf! Also gehen wir in die Kirche. In der Nähe des Altars finden wir ein Körbchen mit Schokolade, an dem wir uns bedienen. Naschen, sitzen, beten, still sein.

Ich schließe Frieden mit meinem Autoschlüssel und denke daran, dass Gott viel Humor mit mir hat. Ohne meine Dummheit, hätten wir die Kirche nicht gefunden, keine Schokolade gegessen… Es ist ein perferkter Tag. Trotzalledem oder genau deshalb?

Im Bus sind wir ganz allein. Wir genießen die 30 min Fahrt zurück nach Haan, kreuzen mehrmals unseren heutigen Weg und sehen in Wuppertal sogar einen Döner-Laden, den wir gleich überfallen wollen.

Bis zu dem Döner kommen wir aber gar nicht. Auf der Rückfahrt kommen wir an einem griechischen Restaurant vorbei, das Jule bereits von einem Kollegen sehr empfohlen wurde. Gerade kommt der Wirt raus und bringt Teller zu einem auf dem Parkplatz stehenden Wohnmobil. Kurzerhand halten wir an und ich darf sogar die Toilette benutzen. Im Auto fallen wir über unsere Gyrosteller her, die auch wir gebracht bekommen. Besteck haben wir ja zum Glück dabei.

Bis wir in Düssel an meinem Auto sind, ist es fast dunkel. Zuhause schmeißen wir noch die Rucksäcke in die Ecke und schlüpfen ins Bett.

Was für eine Etappe. Was für ein Auftakt für einen Fernwanderweg! Ob wir auf den nächsten Etappen auch so viel erleben? Keine Ahnung, jedenfalls haben bereits eine Lehre gezogen: Die nächsten Etappen machen wir mit Öffis!

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