Trekking auf dem Soonwaldsteig – Etappe 1

Vorbemerkung zu den Etappen

Der Soonwaldsteig wird offiziell in 6 Etappen eingeteilt. Wir laufen aber nur fünf. Unsere Etappen sind also länger und anders geschnitten, daher ist es schwierig das mit den offiziellen Angaben zu den Etappen zu vergleichen. Einen Überblick über die 6 Etappen mit Angaben der Längen und Höhenmetern gibt es hier. Danach sind es 83,8 km und 2.650 Hm Ansteig und 2.770 Hm Abstieg, also schlappe 5.420 Höhenmeter. Der Soonwaldsteig verspricht ein „sanftes Abenteuer“. Wir sind nicht sicher, ob die zu bewältigenden Höhenmeter noch im sanften Bereich sind.

Wir werden folgendermaßen laufen:

  • Von Kirn zur Schmidtburg: ca. 17 km
  • Von der Schmidtburg zum Camp Alteburg: ca. 19 km
  • Vom Camp Alteburg zum Camp Ochsenbaumer Höhe: ca. 15 km
  • Vom Camp Ochsenbaumer Höhe zur Lauschhütte: ca. 15 km
  • Von der Lauschhütter nach Bingen (Bahnhof): ca. 18 km

05.06.2021: Von Kirn zur Schmidtburg

Die erste Etappe von Kirn bis zum Parkplatz an der Schinderhannestränke hat 14,8 km und eine Höhendifferenz von 1130 Höhenmetern (630 Hm Anstieg, 500 Hm Abstieg). Wir müssen aber bis zur Schmidtburg, da kommen nochmals 2-3 km oben drauf. Dieser erste Abschnitt gilt als der „urbanste“. Wir werden also noch Außenposten der Zivilisation durchqueren müssen. Dafür gibt es auch kein Wasserproblem. Die Karte verzeichnete mehrere „offene Wasserhähne“, daher haben wir nur Trinkwasser für unterwegs dabei.

Wir standen gegen 11:45 in Kirn am Bahnhof. Hier begann also der Soonwaldsteig … nicht. Zunächst mussten wir noch den Zuweg bis zum Marktplatz laufen. Erst hier trafen wir auf die Startbox.

Es war schwül heute. Wie in einer Waschküche. Auch wenn es noch nicht wirklich heiß war, wir hatten vielleicht 23-24°C, klebten wir eigentlich schon, als wir am Marktplatz starteten. Außerdem waren der Rucksack und ich noch keine Freunde. Es zwickte, es war schwer, es war alles doof. Doch wir liefen durch ein Wohngebiet aus Kirn heraus und standen am Ende einer Sackgasse an der erste Treppe. Ab jetzt ging’s hoch. Mitten in der Steigung hörten wir Leute hinter uns. Die vier Männer, die mit uns in Bingen am Bahnhof und in Kirn ausgestiegen waren, waren ebenfalls auf dem Soonwaldsteig und hatten uns eingeholt, während wir kurz durchschnauften.

Doch bereits am Ende der Steigung hatten wir den Männertrupp wieder eingeholt. Jetzt waren die mit Durchschnaufen dran. Hier erfuhren wir , dass sie ebenfalls auf der Schmidtburg übernachten würden. Wir hatten also den gleichen Weg. Vielleicht auch nicht, denn die Truppe bog an der nächsten Abzweigung prompt falsch ab und wurde von uns wieder auf Kurs gebracht.

An der Burgruine Steinkallenfels, am Ende des ersten Aufstiegs, hatten wir uns unserer Hosenbeine entledigt, der Aufstieg hatte uns ganz schön ins Schwitzen gebracht. Auf dem Weg durch Kallenfels fragten wir uns nicht nur, wie es die Leute von hunderten von Jahren geschafft hatten, auf dieser Felsnase eine Burg zu errichten, sondern auch, ob die Leute, die heute hier wohnten, besonders gute Handbremsen hatten. Es ging jetzt steil bergab.

Der Soonwaldsteig führte uns aber ziemlich raus in den Wald. An dem verwunschene Pfad, dem wir folgten, fanden wir Zwergenbehausungen, die Kinder gebaut hatten.

Der Weg umrundete eine kleine Schlucht. In der Spitzkehre war dankenswerterweise eine Bank, an der wir eine Pause einlegten. Leider hatte es sanft zu nieseln begonnen. Ein weiteres Mal zogen die Männer an uns vorbei. Aber wir fingen an, die zwei süßen Stückchen vom Vortag zu essen. Allerdings wurde der Regen stärker, so dass wir die Rucksäcke und uns regenfest machen mussten, bevor wir vorzeitig aufbrachen. Ich hätte gern noch ein bisschen gesessen. Aber der Regen triebt uns hoch. Nur ein paar Biegungen dem Pfad folgend, fanden wir an einem Teich eine sehr schöne Rastgelegenheit, aber da es mittlerweile ordentlich regnete, loggten wir nur schnell den Geocache, der hier versteckt war.

Der Weg brachte uns zu Schloss Wartenstein, das wir aber links liegen ließen. Wir sahen nur dessen Parkplatz, bevor wir einen steilen Pfad runter nach Hahnenbach nahmen, der vielen tollen Informationstafeln über den Wald gespickt war.

Nachdem wir ein paar Häuser von Hahnenbach passiert hatten, ging es auf einem Wald-Wiesen-Schottterweg wieder bergab. Es war Zeit, die Regenjacken aufzumachen, denn der Regen ließ langsam nach. Statt von außen wurden wir mehr von innen nass. So dauerte es keine 500 m bis ich Jule ziehen ließ und mich endgültig meiner Jacke entledigte. Der Weg selbst machte uns die Füße nass, denn das Gras stand hoch. Wir bogen in einen weiteren verwunschen Waldabschnitt ein, der jetzt steil nach oben führte.

Bis zum Aussichtspunkt gerieten wir gehörig ins Schwitzen. Aber der Weg lohnte sich. Am Ende wurden wir mit einer grandiosen Aussicht belohnt. Auch eine Bank hätte es gegeben, wo wir unsere Mittagspause hätten verbringen können. Aber es war alles nass, so dass wir weiterliefen, bald wieder durch eine Art Schlucht bergab.

Im Tal überquerte wir eine Straße. Jetzt wurde die Wegführung ein bisschen lustig. Der Soonwaldsteig geht hier an einer Flussaue entlang. Da war soweit ja kein Problem. Das Problem lag darin, dass das Gras etwa knie- bis hüfthoch stand und ein Trampelpfad durch diesen Dschungel kaum erkennbar war. Zum Glück hatte uns der Männertrupp überholt und uns den Weg bereitet. Die vier trafen wir nach diesem Dschungeltrail an einer Picknick-Bank. Die konnten wir gleich übernehmen. Die Gruppe lief nur dieses Wochenende. Sie wollten nur einmal übenachten und dann bis Ellerspring laufen. Die zweite Hälfte hatten sie bereits im letzten Jahr erledigt.

Bevor wir uns zum Essen niederließen, puhlten wir ein paar Zecken von unseren Beine. Die hatten sich noch nicht festgesaugt, vermutlich hatten wir die gerade erst eingesammelt. Frisch gestärkt ging es weiter. Wir tauchten fast direkt wieder in eine Wiese ein. Die nächsten Zecken wetzten bereits ihre Mundwerkzeuge.

Die letzten ca. 2 km bis zum Ende der ersten Etappe konnten wir uns nun ein bisschen erholen. Der Weg ging etwa parallel zur Höhenlinie, also (fast) geradeaus. Es war ein schöner Waldweg, der sich sehr gemütlich lief. Kurz vor dem Parkplatz trafen wir aber noch auf eine Highlight dieser Etappe, dem Felsentunnel Bundenbach, einem Zeugnis der früheren Bergbautätigkeit dieser Region.

Nur wenige 100 Meter später sahen wir zum ersten Mal unser Ziel für den heutigen Tag: die Schmidtburg. Rauchzeichen und eine grelle gelbe Kuppel verrieten uns, dass wir dort heute nicht die einzigen Gäste sein würden.

Nachdem wir nochmals kurz die Zähne zusammengebissen hatten (es ging hoch), purzelten wir aus dem Wald. Wir hatten den Parkplatz Schinderhannestränke erreicht. Etwa 15 km lagen hinter uns. 2-3 km langen noch vor uns.

Die 2. Etappe geht offiziell von diesem Parkplatz bis zur Simmerbachtalbrücke. Das sind 13,3 km und 450 Hm hoch und 520 Hm runter. Aber wir nehmen davon heute nur die ersten ca. 2 km noch mit. Den Rest heben wir uns für morgen auf.

Da wir schon ein bisschen müde waren, hielten wir uns nicht lange auf, sondern steigen gleich wieder durch einen Trampelpfad ein Stück ab. Auf unserem GPS sahen wir, dass wir nur noch das Hahnenbachtal rumrunden mussten, dann wären wir fertig für heute. Zum Glück hatten wir die meisten Höhenmeter für heute schon hinter uns. Noch zwei Highlights lagen auf dem Weg. Die Besuchergrube Herrenberg und die Keltensiedlung Altburg. Beide war natürlich schon geschlossen. Die Grube hatte erst vor einer halben Stunde zugemacht. Von der nachgebauten Keltensiedlung sahen wir leider nicht viel. Wir lugten nur durch die Palisade und konnten erahnen, wie groß das Gelände war. Wir waren ziemlich beeindruckt.

Jetzt war es nicht mehr weit. Eben noch den Hahnenbach überquerte, dann wieder ein Aufstieg und schon standen wir am Abzweig zur Schmidtburg. Wir verabschiedeten uns für heute vom Soonwaldsteig und stiegen die 300 m bis zu den Toren der Schmidtburg auf.

Der alte Torweg brachte uns zu unserem Lagerplatz, der fast am anderen Ende der Burganlage lag. Es war 18:15 Uhr.

Unser Männertrupp war eine halbe Stunde vor uns eingetroffen. Das erste Zelt stand. Das erste Bier auch – auf der Mauer.

Als wir an unserem Lagerplatz ankamen, dem Zwinger, mussten wir zunächst ein paar Abspannungen überwinden, denn eine Familie hatte sich direkt vor unserem Platz unter einem Sonnensegel breit gemacht. Uns war das egal, wir waren froh, dass wir den ersten Wandertag geschafft hatten. Außerdem hatten wir die Rollen ausgeteilt. Jule wollte sich um das Zelt kümmern und ich ums Essen. In einem Buch hatte ich gelesen, dass man essen soll, sobald man im Lager ist. Sonst fällt man beim Isomattenaufpusten statt vor Luftnot vor Hunger um. Während Jule also schaute, wo der Platz am geradesten war, fing ich am, auf der Mauer unsere Küche aufzubauen. Wasser hatten wir noch genug, so dass ich nicht erst zum Wasserhahn laufen musste.

Nach einer Viertel Stunde stand das Zelt und ich hatte schon unser Trekking-Futter aufgegossen, als der Niesel wieder einsetzte. Jule hatte sogar bereits die Isomatten aufgeblasen und sich Gedanken gemacht, wie wir unsere Rucksäcke in den Absiden trocken halten konnte, als der Regen immer stärker wurde. Gerade noch rechtzeitig zogen wir uns ins Zelt zurück, machten die Eingänge dicht und aßen unser Abendessen. Nach dem Abendessen machten wir es uns in unseren Schlafsäcken mit trockenen Klamotten gemütlich. Jule hatte ein Rätselheft und ich meinen E-Reader.

Ich hätte gern ein bisschen geschlafen, aber die Familie draußten machte einen Höllenlärm und übertönt den Regen mit Leichtigkeit. Irgendwann musste ich doch eingedöst sein, denn als ich das nächste Mal die Augen aufschlug war es draußen ruhig. Das galt für den Regen wie auch die Familie. Ich schlüpfte in eine Regenklamotten und machte mich auf die Suche nach dem Klo und der Wasserstelle.

Es war gegen 21:30 Uhr. Das Sonnensegel war verlassen. Anscheinend waren alle in ihren Zelten verschwunden. Zunächst suchte ich die Wasserstelle. Offiziell war das hier kein Trinkwasser. Aber mit einer Micropor-Tablette würde es gehen. Die beiden Kompostklos waren links und rechts außerhalb der Maueren aufgebaut. Der Weg ging steil runter und aufgrund des Regen war es sehr glitschig. Doch mit etwas Vorsicht ging es. Es war sogar Klopapier und Desinfektionsmittel da. Nachdem ich mich im Anschluss ums Wasser gekümmerte hatte, hatte ich keine Lust, direkt wieder im Zelt zu verschwinden. Von der Schmidtburg hatten wir nichts gesehen. Wir hatten uns eigentlich vorgenommen, die Burganlage nach dem Abendessen noch zu erkunden, aber da war der Regen dagegen gewesen. Ich wollte mir das aber nicht nehmen lassen.

Das war meine halbe Stunde. Ich streifte durch die Burg. Fast alle Lagerplätze waren belegt, nur die großen Gruppenplätze waren leer. Ich hatte mein Handy nicht dabei. Und unabhängig davon… Ich glaube, manche Momente muss man einfach so in sich aufnehmen, ohne dass man es durch eine Handykamera betrachtet. Ich stand auf der Burgmauer und atmte tief durch. Ich genoss einfach die Stille, die Einsamkeit, den Ausblick, die Schwere in meinen Beinen und die Schmerzen in meinen Schultern. Ich fühlte mich großartig.

Gute Bilder von der Ruine gibt es bei Wikipedia. Diese Tafel gab einen Eindruck, wie die Burg im 11. Jahrhundert ausgesehen hat.

Der erster Wandertag war vorbei. Wer sich noch für die harten Fakten interessiert, hier kommt noch die Zusammenfassung.

Zusammenfassung Tag 1

  • Gelaufen am: 05.06.2021
  • Länge laut GPS: 18,5 km
  • Geschätzte Höhenmeter: 1.360 Hm
  • reine Gehzeit: 5:00 h
  • gesamte Dauer: 6:29 h
  • Charakteristik: viel Wald, ein bisschen Wiesen, Trampelpfade, wenige Forstwege, ein bisschen Urbanität durch kleine Ortschaften, ordentlich hoch und runter
  • gefundene Geocaches: 1
  • Fazit: super Einstiegsetappe, wunderschöne Ausblicke, tolle Streckenführung, gerade nicht zu lang für unsere Kräfte, Schmidtburg als Übernachtungsplatz einfach etwas besonderes.
  • Erkenntnis des Tages von Christin: Trekking könnte doch was für mich sein.
  • Erkenntnis des Tages von Jule: Mein Rucksack war schwer.

Morgen würden wir nicht nur die längste Etappe angehen, sondern auch die schwerste. Ich genoss ein letztes Mal die Aussicht und rollte ein letztes Mal die Schultern und schlüpfte ins Bett.

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