Trekking auf dem Soonwaldsteig – Etappe 5

Vorbemerkung zu Etappe 5

Dies ist unsere letzte Etappe auf dem Soonwaldsteig. Sie besteht aus dem Rest von Etappe 5 und der ganzen 6. Etappe. Den meisten Anstieg der 5. Etappe hatten wir gestern mit dem Aufstieg zum Ohligsberg hinter uns gebracht. Die zweite Hälfte geht eigentlich nur runter. Auch wenn wir erst den Salzkopf mit seinen 628 Hm NN bezwingen müssen. Dann geht’s abwärts durch Morgenbachtal. Bis zum Schlusspunkt in der Nähe des Jägerhauses sollten es nur rund 6,5 km sein.

Im Morgenbachtal am Eingang zur Steckeschlääferklamm beginnt ganz offiziell der letzter Teil dieser Wanderung. Die letzte Etappe ist mit knapp 12 km kurz. Viel Aufstieg ist nicht mehr zubewältigen („nur“ 340 Hm, dachten wir), dafür geht es bis zum Bahnhof Bingen runter: Abstieg 550 Hm. Nach insgesamt 18 km heute und insgesamt 5 Wandertagen würden wir den Soonwaldsteig geschafft hatten.

09.06.2021: Von der Lauschhütte bis zum Bahnhof Bingen

Guten Morgen! Mal wieder war ich vor dem Wecker wach. Es war früher Morgen und ich war 40. Sehr viel anders wie gestern Abend fühlte ich mich nicht. Ich würde mich anders fühlen, sobald ich mich in der großzügigen Behindertentoilette der Lauschhütte ausgiebig geputzt haben würen. Da es ein schöner sonniger Tag zu werden versprach, wackelte ich also los. Ein Frühstück im Bett kam nicht in Frage. Als ich aus dem „Bad“ kam, waren Sabrina und Franziska schon unten an der Feuerstelle beim Frühstück. Obwohl sie mir Geburtstagsgrüße entgegenwarfen, war mir nicht danach, mich zu ihnen zu gesellen. Ich bin morgens generell nicht sehr gesprächig und habe gern meine Ruhe. Daher zog ich unsere Bank neben dem Zelt vor. Jule lag wie immer noch im Schlafsack. Die Fünfte im Bunde der Zeltenden sah und hörte man nicht. Sie packte einfach ihr Zeug zusammen und zog weiter. Auch von den Bauwagenbewohnern im Wald sah ich keinen.

Da die Sonne bereits alles gab, brauchte ich zum ersten Mal auf dieser Wanderung meine Sonnencreme. Zur Sicherheits packte ich noch eine Schicht Zeckenzeug an den Beinen obendrüber. Ich lernte ja dazu, auch noch mit 40.

Heute waren wir nicht ganz so fix. Naja, 9:08 Uhr war immer noch früh genug für einen Aufbruch. Wir hatten ja nichts versäumen. Jule hatte überlegt, ob wir zur Feier meines Geburtstags und des hoffentlich erfolgreichen Abschlusses des Soonwaldssteigs in Bingen noch was Essen gehen wollten. Ich hingegen wollte gern wieder Bonn zurückfahren und die Sache mit der kaputten Isomatte bei Globetrotter klären. Das konnten wir entscheiden, wenn wir in Bingen am Auto wären. Sabrina und Franziska waren vor ca. 20 min weg. Da die sich ein bisschen beeilen mussten, es galt einen Zug um 15 Uhr zu kriegen, würden wir die zwei wohl nicht mehr einholen.

Wir sind noch nicht weit gegangen, da blieb Jule stehen und fragte: „Wo ist eigentlich mein Handy?“ Sie klopfte auf ihre Beintasche, doch da war es nicht.

„Schau doch mal in Ruhe in deinem Rucksack nach“, sagte ich. Aber auch in Deckeltasche war nichts. „Wo würdest du es denn normalerweise hinstecken?“, fragte ich. „In die Beintasche!“, antwortete Jule. Na ja, da war’s nicht. Da wird noch nicht so weit gegangen waren und wir denselben Tagesanfang vor uns hatten wie in den letzten Tagen (Aufstieg zu einer Anhöhe, jetzt wieder mit Aussichtsturm, dafür aber kein Geocache), meinte Jule, dass ich schon mal mit dem Aufstieg beginnen sollte. Sie wollte zurück zum Zeltplatz und sich nochmals umschauen. „Wir treffen uns dann am Salzkopfturm.“

Ich kam nach einem harmlosen Anstieg auf dem Salzkopf an. Da die Sonne schien und ich ausgeruht war, entschied ich mich, den Turm zu besteigen. Von Jule war noch nichts zu sehen. Als ich oben ankam und gerade mein Handy für Fotos zückte, sagte jemand: „Bitte nicht erschrecken.“

Das war der Moment, wo ich fast mein Handy fallen ließ. Natürlich hatte ich mich furchtbar erschrocken. Ich war ja nichts davon, dass hier auf der obersten Plattform jemand saß. Es schien ein Handwerker auf der Walz zu sein. Jedenfalls trug er die typische Kleidung, jedoch nicht in Schwarz wie die Zimmermänner, sondern in Grau. Nach dem Schreck ich machte ein paar Fotos. Doch schon bald stieg ich wieder ab, denn nach zwei Tee zog es mich in die Büsche. Von Jule war immer noch nichts zu sehen. Ich hatte die Hoffnung gehabt, sie von oben sehen zu können und ihr zuzurufen. Doch war bisher sie nicht aufgetaucht, also war ich sehr aufmerksam, als ich hinter einem Busch verschwand.

Zwar kamen in diesem Moment Leute, jedoch nicht meine Frau. Insgesamt wartete ich schon seit 20 Minuten auf sie. Irgendwas war komisch. Also zog ich mein Handy und versuchte sie anzurufen. Ich dachte, sie wäre bereits an mir vorbeigelaufen und hätte den Abzweig zum Turm gar nicht genommen. Etwas in der Art ist uns schon mal auf dem Rheinsteig passiert. Auch da war ich zuerst aufgestiegen. Ich setzte mich in die Hütte am Aussichtspunkt. Während ich die Aussicht genoss, lief Jule hinter der Hütte vorbei. In der Annahme, ich hätte nicht auf sie gewartet, lief sie schnell den Hang hinuter in dem Versuch, mich einzuholen. An dem Tag hatten wir beide die Handys griffbereit und dank dieser Errungenschaft der Technik fanden wir uns schnell wieder.

In der Annahme, wir hätten uns verpasst, ging ich zurück zum Soonwaldsteig und nahm den Weg recht zügig in Angriff. Kurz hinter dem Trampelpfad durch den Nadelwald tauchte ein Picknickplatz auf. Hier konnte ich immerhin unseren Müll entsorgen. Ich schrieb eine Whatsapp mit der Angabe, wo ich war. Aber die kam nicht durch. Ab jetzt behielt ich mein Handy im Blick, nachdem ich es auf laut gestellt hatte. Alle paar Minuten versuchte ich anzurufen, aber es tat sich nichts. Zum Glück handelte es sich bei dem Weg um einen breiten geschotterten Forstweg und keine anspruchsvolle Kletterpartie. Dafür hätte ich gerade keinen Sinn gehabt, denn höchst beunruhigt ging ich weiter, bis ich wieder in die Büsche musste. Anscheinend reagierte ich auf den unerwarteten Stress. Ich hockte mich gerade hin, da tauchte Jule weiter oben am Weg auf.

Sie war ziemlich fertig – mit den Nerven und mit dem Weg. Sie hatte sich furchtbar beeilt, um mich einzuholen. Am Lagerplatz war keine Spur von ihrem Handy, auch nicht am Grillplatz oder auf dem Klo.

Sollte es jemand gefunden und eingesteckt oder abgegeben haben? Oder war es woanders verlorenen gegangen? Aber am Morgen hatte Jule es noch im Zelt gesehen. Eine Theorie war, dass ich es aus Versehen eingesteckt hatte. Konnte ich mir zwar nicht vorstellen, aber da Jule ihren Rucksack bereits auf der Lauschhütte geleert hatte, räumte ich meinen Rucksack hier auf dem Weg aus. Auf jedem einzelnen Packbeutel drückte herum, aber ich fand das Handy nicht. Problem war, dass Jule ihr Handy auch als Portemonnaie nutzte: Führerschein, Personalausweis, EC-Karte, alles drin.

Ich schlug vor, dass wir den Weg jetzt erst einmal fortsetzten. Denn zurücklaufen brachte nichts. Ich rief daher sowohl auf dem Festnetz als auch auf dem Handy des Lauschhütten-Besitzers an und hinterließ eine Nachricht. Vielleicht hatte jemand das Handy gefunden, während wir auf dem Klo waren und vor die Tür gelegt. Keine Ahnung… jede Theorie war so abwegig wie die andere. Von Bingen aus könnten wir noch mal zurück zur Lauschhütte fahren, denn diese ließ sich über eine normale Straße ohne Probleme mit dem Auto erreichen. Jule hielt aber an der Theorie fest, dass ich das Handy eingesteckt hatte. Also schlug ich vor, dass ich, sobald wir einen richtigen Picknickplatz mit großen Tischen finden würden (eine trockene Bank wäre auch okay) noch einmal alles Gepäck komplett auszuräumen würde. Im Geiste schickte ich ein Stoßgebet zu Gott und bat für einen wunderbaren Picknickplatz mit Tisch und am besten in der Sonne. Keine 200 m später, direkt an der Spitzkehrte, stand nicht nur ein Tisch, sondern gleich zwei. Jeder bekam einen Tisch.

Jeder räumte seinen kompletten Rucksack aus. Jeder räumte jeden Packsack aus. Als letztes war mein Schlafsack dran. Und tatsächlich! Man glaubt es kaum! Als ich ihn aus dem Packsack gezogen und bis zur Fußbox ausgerollt hatte, spürte ich etwas Schweres, Hartes: Jules Handy!

Ich hatte es eingesteckt, aus Versehen in den Schlafsack gerollt. Jule hüpfte auf und ab und rief: „Da ist mein Handy! Da ist mein Handy!“ Ich dagegen fing an zu heulen und rief „Es tut mir leid! Es tut mir leid!“ Jeder geht halt anders mit Stress um.

Konnten wir diese Etappe einfach noch mal von vorne beginnen? Wir hatten gerade mal 2,5 km hinter uns gebracht. Die ganze Aktion hatte uns sicher eine Stunde gekostet, aber egal. Das Handy war wieder da. Die Sonne schien. Ich hatte Geburtstag. Und den ersten Geocache ein paar Hundert Meter weiter fanden wir auf Anhieb. Außerdem ging es über einfachen Schotterweg gemütlich bergab. Wir sahen auf dem Weg sogar noch eine Blindschleiche. War es nicht ein perfekter Tag?

Tatsächlich begann jetzt ein sehr schöner Teil der Wanderung. Wir stiegen ins Obere Morgenbachtal ein. Bis zum Ende der Etappe hatten wir den munteren Bach auf der rechten Seite. Nach weniger als einer Stunde hatten wir den Eingang zur Steckeschlääferklamm und damit das Ende von Etappe 5 erreicht. Hier stand die vorerst letzte Wandertafel. 6,6 km mit etwa 420 Hm (davon 360 Hm runter) hatten wir hinter uns. Über die kleine Brücke führte der Weg zur Gaststätte Jägerhaus.

Ich nutzte die Gelegenheit den Rucksack für ein paar Minuten los zu sein, denn seit der Aus- und Einpackaktion hatte ich einen Knubbel im Rücken.

Hier an der Wandertafel zweigte der Wanderweg „Steckeschlääferklamm“ ab. Wenn ich ehrlich bin, hatte ich den Einstieg in die Klamm gar nicht wahrgenommen, so sehr war ich mit der Wandertafel und meinem Knubbel beschäftigt. Ein paar der Baumgeister. die diesen Weg markieren, hat Jule aber abgelichtet.

Ich hatte mich völlig auf die Wandertafel und das Höhenprofil konzentriert und auf die vor uns liegenden Anstiege. Die letzte Etappe des Soonwaldsteig ist 11,9 km lang. Sie hat immer noch einen Gesamtaufstieg von 340 Hm. Da warteten auf jeden Fall noch die ein oder andere fiese Zacke auf uns. Wir würden noch den Damianskopf besteigen müssen. Der Eselspfad würde uns auf die Rheinhöhen bringen. Aber wir mussten ja auch wieder runter an den Rhein. Es sollte 550 Hm runter gehen.

Wir ließen die Steckeschlääferklamm also rechts liegen und folgten stattdessen dem Morgenbach weiter bergab. Das Morgenbachtal veränderte sich nun. Während wir die letzten 3 Kilometer einfach einem Bach durch einen Wald gefolgt waren, kamen nun die Felswände merklich auf uns zu. Der Weg wurde ebenfalls immer schmaler.

Wir hatten die Wandertafel noch nicht lange hinter uns gelassen, da trafen wir auf ein Flatterband, das quer über den Weg gespannt war. „Hangabrutsch“ hieß es auf dem Schild. Hier an der Schutzhütte Morgenbach zweigte ein Weg bergan ab. Aber wir hatten keine Ahnung, wo der hinführen würde. Kurzerhand ignorierten wir die Sperrung und folgten den Schildern des Soonwaldsteigs.

Kurz darauf trafen wir einen Wanderer, der so aussah, als wenn er wie wir auf dem Soonwaldsteig unterwegs war, nur eben in Gegenrichtung. Den jungen Mann befragten wir nach dem Steinschlag oder Erdrutsch. Er meinte allerdings, dass da nichts gewesen wäre und er problemlos durchgekommen sei. Von einer Sperrung wusste er nichts. Es hätten nur an einer Stelle einen paar größere Steine gelegen. Auch als wir kurze Zeit später ein Pärchen trafen, das auf dem Rheinburgenweg unterwegs und ebenfalls vom Jägerhaus hinunter gekommen war, meinte die beiden, es hätte einen schwereren Erdrutsch gegeben. Der wäre aber nicht hier im Morgenbachtal gewesen. Wir waren etwas verwirrt und liefen also einfach weiter. Wir genossen das Morgenbachtal in seiner ganzen Länge. Zum dritten Mal trafen wir auf eine Wandergruppe und das war genau an der Stelle, wo ein paar Steine auf dem Weg lagen. Sollte das der ganze Erdrutsch gewesen sein? Na ja, dann war es eher ein „Rütschchen“ gewesen. Dass hier allerdings gelegentlich bei starken Regenfälle mal was abrutscht, wunderte uns nicht. Im Bachbett entdeckten wir zahlreiche große Steine.

An dieser Stelle meldete sich der Hunger. Die nächste Bank gehörte uns. Die stand an einem kleinen Wasserfall. Wir legten also eine gemütliche Pause ein.

Vielleicht war es gut, dass wir hier die Pause gemacht hatten, denn kurz nach der Rast war das Morgenbachtal zu Ende. Hier, am zweittiefsten Punkt der Etappe, stand eine ehemalige Mühle, die offensichtlich bewohnt war. Cooler Platz! Der Soonwaldsteig verließ hier das Morgenbachtal und wir standen vor dem Aufstieg zum Reichensteinblick. Als ich den Geröllpfad sah, schwahnte mir Böses. Der Aufstieg war auch wirklich knackig. Aber bis zum Aussichtspunkt war es nur ein kurzes Stück und damit die Hälfte geschafft.

Ab jetzt ging es am Rhein entlang bzw. über die Rheinhöhen. Damit hatten wir die nächsten Anzeichen von Zivilisation zu verbuchen. Wir hörten das Tuckern der Schiffe auf dem Rhein. Das Geräusch würde uns jetzt bis nach Bingen begleiten.

Über ein ziemliches Auf und ein wenig Ab ging es etwa 1,5 km bis zur nächsten Burg. Auf diese konnte wir aber nicht nur hinuntergucken, sondern wir wurden direkt hinter den historischen Mauern vorbeigeleitet und erreichten nach Burg Rheinstein mit 106 Hm NN den tiefsten Einschnitt.

Ab hier begann der Eselspfad. Die Hufe eines Esels zu haben, hätte uns sicher sehr geholfen. Denn jetzt war ein letztes Mal Trittsicherheit von Nöten. Der Eselpfad führt als steiler und schmaler Trampelpfad zunächst zum Schweizerhaus, einer Ausflugsgaststätte. Dabei überwindet er etwa 100 Hm auf etwa 550 m Wegstrecke. Es geht also ganz schön hoch.

Das Gasthaus Schweizerhaus zeigte uns, dass wir uns langsam unserem Ziel Bingen näherten. Die Rheinhöhen rund um Bingen sind für Wanderer und andere Ausflügler gut touristisch ausgebaut. Diese Etappe ist entsprechend urbaner als die vorangegangenen. Am Schweizerhaus ging es auch daher kurz über eine Asphaltstraße durch die sengende Sonne, bevor der Steig Gnade mit uns hatte und uns zurück in den Wald führte. Der Weg stieg zwar weiter an, von der Wandertafel wusste ich, dass wir noch den Damianskopf erreichen mussten, es war aber nicht mehr so steil. Trotzdem ließ ich mir Zeit mit dem Anstieg. So hatte ich Muße, ab und zu rüber nach Assmannshausen zu gucken und in Erinnerungen an den Rheinsteig zu schwelgen. Über einen geschotterten Wanderweg erreichten wir schließlich den Damianskopf. Ab Schweizerhaus waren es zwar ebenfalls etwa 100 Hm Aufstieg gewesen. Aber wir fast 2 km Weg gehabt, um diese zu überbrücken. Mit 308 Hm NN hatten wir den „Höhe“punkt dieser Etappe erreicht.

Wir konnten bereits den Bahnhof in Bingen von oben sehen. Auf der gegenüberliegenden Seite erahnten wir das Niederwalddenkmal. Auf dem Rheinsteig hatten wir uns den Anstieg von Assmannshausen erspart und waren mit dem Sessellift gefahren. Einen Sessellift würden wir heute nicht mehr brauchen. Denn ab jetzt ging es eigentlich nur noch runter. Bis zur Gaststätte Heilighaus ging es nun sanft bergab. An der Raststätte stand ich dann überrascht vor einem steilen Anstieg. Der war so aber nicht auf dem Höhenprofil eingezeichnet. Drei Leute kamen uns entgegen. Sie meinten, der Anstieg wäre nur kurz, vielleicht bräuchte man 5 Minuten. Wir brauchten nicht mal eine ganze Minute. Kein Wunder also, dass das Stück nicht eingezeichnet war. Der Anstieg diente bloß dazu, das Ausflugslokal mit dem Wanderweg zu verbinden. Eigentlich hätten wir auch gleich der Zufahrtsstraße folgen können, denn der Wanderweg lief jetzt die 1,8 km bis zum Prinzenkopf parallel zur Straße.

Wir dachten schon, wir würden mit dieser Verkehrsstraße unseren Einlauf nach Bingen nehmen. Aber der Soonwaldsteig gab jetzt nochmals alles. Am Dammelstein ging es plötzlich einen steilen Pfad runter. Gerade in diesem Moment hatten wir uns entschieden, noch einen Energieriegel einzuschieben. Blöde Idee. Denn wir mussten uns nochmals voll auf den Weg konzentrieren, der im Zickzack zur Jugendherberge steil hinab führte.

Dann sahen wir einen Schuppen vor uns auftauchen. Und ich betrat das erstes „das Tor zur Zivilisation“.

Da waren wir aufeinmal wieder in Bingen. Zum Bahnhof waren es jetzt nur noch 600 m durchs Wohngebiet. Am Ende führte der Soonwaldsteig über eine Treppe zur Hauptverkehrsstraße. Direkt gegenüber dieser Treppe stand unser Auto. Bei unseren Ankunft war uns diese Treppe gar nicht aufgefallen.

Jule wollte sich es mit diesem Zieleinlauf nicht zufrieden geben. Sie wollte unbedingt noch die Wanderbox finden. Am Bahnhof hatten wir etwas entsprechendes nicht gesehen. Doch auf dem Wegweiser war vom „Park am Mäuseturm“ die Rede gewesen. Also überquerten wir den Bahnhof über die Fußgängerbrücke und blickten auf den Park, der direkt hinter dem Bahnhof lag. Auch hier war erst nichts zu sehen. Plötzlich entdeckte ich aber einen Wanderwegweiser. Und der steckte tatsächlich in der Box. Hier gab es das große Abschlussfoto. Wir hatten den Weg wirklich geschafft.

Eigentlich waren wir sogar 200 m über das Ziel hinausgeschossen, denn der offizielle Endpunkt war tatsächlich der Bahnhof Bingen. Daher waren es am Ende 20,5 km an diesem Tag gewesen.

Jetzt konnten wir beruhigt zurück zum Auto gehen. Dort luden wir erstmal die Rucksäcke ab. Immerhin hatten wir heute noch was vor. Tatsächlich verzichteten wir auf ein Essen in Bingen, sondern fuhren zurück nach Bonn zu Globetrotter, wo ich eine neue, dieses Mal dichte Isomatte erhielt.

Auf der Rückfahrt kamen wir an der Ausfahrt zum Autohof Rheinböllen vorbei, sahen die Tankstelle, wo ich Wasser geholt hatte. Wir passierten in einer Baustelle genau die Brücke, die wir gerade gestern noch unten durchquert hatten. Wir sahen die Windräder und riefen: „Da, da oben waren wir!“ Es war ein sehr komisches Gefühl, einen Teil des Weges nochmals so zu sehen.

Das war er also gewesen, unser Soonwaldsteig. 5 Tage in der Wildnis des Hünsrücks, unser erster Trek, unser erster, echter Thruhike. Was bleibt übrig von der Wanderwoche? Natürlich wie immer die Tageszusammenfassung. – Und ein großes Fazit! Aber das gibt’s erst morgen!

Zusammenfassung Tag 5

  • Gelaufen am: 09.06.2021
  • Länge laut GPS: 20,5 km
  • Geschätzte Höhenmeter: 1.315 Hm (Aufstieg 400 Hm, Abstieg 915 Hm)
  • reine Gehzeit: 4:36 h
  • gesamte Dauer: 6:29 h
  • Charakteristik: Schöner Talspaziergang, kombiniert mit dem z.T. steilen und steinigen Eselspfad. Dank vieler Ausflugslokale verhungert und verdurstete man auf diesem Abschnitt nicht. Breite Forstwege, aber auch Naturpfade bilden eine gute Abwechslung. Die Wege selbst sind nicht so anspruchsvoll. Den letzten Anstieg sollte man nicht unterschätzen. Aber eine Etappe mit vielen Ausblicken.
  • gefundene Geocaches: 3
  • Fazit: Zum Schluss gibt der Soonwaldsteig nochmal alles und bietet viel Abwechslung. Eine Etappe zum Genießen, auch wenn man nochmals kurz die Zähne zusammenbeißen muss. Die Ausblicke sind die Anstrengung wert. Der perfekte Abschluss für eine perfekte Trekking-Wanderung.
  • Erkenntnis des Tages von Christin: Schlafsack vor dem Einpacken ausschütteln.
  • Erkenntnis des Tages von Jule: Handy morgens als erstes an den richtigen Platz packen.

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