Fahrradurlaub in Lüdinghausen – Tag 2

12.07.2021

Kleeblatt-Tour 2

Zu den Wäldern bei Nordkirchen

Vorbemerkung zu den Kleeblatt-Touren

Auf die Kleeblatt-Touren rund um Lüdinghausen bin ich durch den Reiseführer „52 kleine & große Eskapaden im Münsterland“ von Katrin Jäger gekommen. Hier wurden diese Touren sehr empfohlen. Bei den Kleeblättern handelt es sich um vier Fahrrad-Touren, die sich wie ein vierblättriges Kleeblatt um Lüdinghausen entfalten und jeweils in der Innenstadt an der Tourist-Info starten. Die Beschreibungen gibt es bei den Tourvorschlägen des ADFC Lüdinghausen. Hier kann man sich auch die GPS-Tracks herunterladen. Zu jeder Tour gibt es auch einen Flyer, entweder dort in digitaler Form zum Download oder in gedruckter Form vor Ort im Lüdinghaus bei der Tourist-Info.

Hier eine kurze Übersicht über die vier Touren:

  • Kleeblatt-Tour 1 – Zum Venner Moor und in die Davert, ca. 43 km lang, im Nordosten gelegen
  • Kleeblatt-Tour 2 – Zu den Wäldern bei Nordkirchen, ca. 57 km lang, im Südosten gelegen
  • Kleeblatt-Tour 3 – In die Olfener Stever und Lippeauen, 26 oder 38 km lang, im Südwesten gelegen
  • Kleeblatt-Tour 4 – Zu den Borkenbergen, 51 km lang, im Nordwesten gelegen

Alle Touren haben keine oder nur eine geringe Steigung. Für den ersten Tag hatten wir uns die längste, also die Nr. 2, vorgenommen. Denn es sollte der wettermäßig schönste Tag unseres Urlaubs werden.

Der Übersichtkeit halber teile ich 57 km in drei Abschnitte ein.

Von Lüdinghausen nach Ascheberg

Um 8 Uhr treffen wir uns am Frühstückstisch. Dank Corona gibt es nur 3 Frühstücksuhrzeiten, um 7 Uhr, 8 Uhr und 9 Uhr. Meine Mutter hätte gern das Frühstück um 7 Uhr genommen. Sie steht auch zuhause jeden Tag um 6 Uhr auf, obwohl sie seit ein paar Jahren Rentnerin ist. Aber Jule und ich haben Urlaub und sehen es nicht ein, im Urlaub früher aufzustehen als an einem Werktag. Also einigen wir uns auf 8 Uhr.

Dank des frühen Frühstück treffen wir uns um 9:30 Uhr bereits in der Hotel-Tiefgarage an unseren Rädern. Hier gibt es eine E-Bike-Ladestation.

Wir starten mit unserer Tour um 9:41 Uhr. Doch kaum aus der Hotelgarage raus, ist nach wenigen hundert Metern schon der erste Stopp angesagt. Denn ich will noch schnell unser Rätsel von gestern in der Touristeninfo abgeben. Wieder wenige hundert Meter später stehen wir bereits zum zweiten Mal, denn obwohl wir noch nicht mal wirklich losgefahren sind, habe ich schon die Orientierung verloren. Es ist wie beim Wandern, auf den ersten Metern klemmt es. Man muss sich erst an die Beschilderung und die Navigation gewöhnen. An der Ecke, wo wir stehen, teilt sich der Weg. Ich muss erst schauen, ob wir die Tour heute im oder gegen den Uhrzeigersinn fahren.

Die Kleeblatt-Tour 2 führt zunächst zum Klutensee und weiter nach Aschenberg. Hier haben wir eine Pause eingeplant. Dann soll es durch das Naturschutzgebiet Ichterloh und nach Capelle und weiter zum Schloss Nordkirchen gehen. Dann geht es zurück nach Lüdinghausen. Also, es geht im Uhrzeigersinn!

Nach dieser kurzen Phase der Orientierung habe ich sowohl meinen GPS als auch die Beschilderung im Griff und wir können endlich richtig losfahren. Zunächst fahren wir in die Bürgergärten hinein, die wir bereits in unserer gestrigen Tour kennen. Bis zu unserem eigentlichen ersten Stopp am Klutensee haben wir uns auch auf Kommandos und Handzeichen geeinigt. Das ist auch nötig, da wir meist hintereinander fahren. Eine offene Stelle eröffnet uns den Blick auf den Klutensee.

Diesen verlassen wir aber und radeln kurze Zeit später am Tor des Biologischen Zentrums Kreis Coesfeld vorbei. Ich hatte mir dazu einen Flyer angeschaut. Spontan entscheiden wir mit den Rädern hineinzufahren. Einer der Gärtner erklärt uns das Feld mit den amerikanischen Nutzpflanzen, darunter Riesensonnenblumen. Mein Papa sieht gegen die aus wie ein Zwerg.

Wir radeln kurz an einer Straße entlang und schon taucht die Burg Vischering vor uns auf. Die Kleeblatt-Tour hat uns ganz schön im Kreis um Lüdinghausen geführt. Doch an der Burg fahren wir heute nur vorbei. Diese hatten wir gestern bereits ausgiebig genossen. An einem Neubaugbiet und einer alten, fügellosen Windmühle geht es jetzt raus aufs freie Feld. Die Straße ist von einer Ahornallee gesäumt. Allerdings erkennen wir im Vorbeifahren auch Eichen, die sich dazwischen gemogelt haben.

Am Ende der Allee entdecken wir ein Schild zu einem Hofverkauf. Am Rand eines großen Bauernhofes steht ein offenes Gartenhäuschen mit Verkauf. Auch Sitzgelegenheiten und ein Klohäuschen gibt es. Meine Eltern decken sich mit Getränken ein, bedaueren es allerdings, dass es kein Kaffee gibt. Wir sind ja auch schon eine halbe Stunde unterwegs und der Kaffeedurst ist bereits groß. Die Besitzerin gesellt sich zu uns. Sie erzählt uns ein bisschen von ihren Plänen mit der Verkaufshütte. Dann verabschieden wir uns und fahren weiter Richtung Ascheberg.

Hier draußen zwischen den Felder sind dei Kleeblatt-Touren meist nur die durch die klassischen rot-weißen-Fahradweg-Schilder markiert. Aber dank meines GPS komme ich mit dem rechts, links, hier abbiegen ganz gut zurecht. Ohne hätte ich mich allerdings sicher verfahren.

Allerdings müssen wir Fahrt nochmals kurz unterbrechen. Jule heult auf. Ihr ist ein Stechvieh unter die Brille geflogen und hat sie aufs Jochbein gestochen. Zur Kühlung nehmen die Apfelsaftschorleflaschen, die meine Eltern gerade aus dem Kühlschrank am Bauernhof genommen haben. Und ich habe zum Glück unseren Stichheiler dabei. Das tut zwar auch weh, hilft aber schnell. So können wir die Fahrt fortsetzen.

Bis Aschenberg läuft es jetzt. Allerdings müssen wir an einem Pferdehof kurz anhalten. Hier tollt nämlich ein Fohlen würde die Wiese. Einfach sooo niedlich. Da kann man nicht einfach dran vorbeifahren.

Kurz vor Ascheberg ist eine Umleitung beschildert, welcher wir auch brav folgen. Ohne die und einem Geocache, der uns den Weg wies, hätten wir diese Hütte am Wegesrand nicht gefunden.

Wir nutzen „Naober’s Eck“ für eine kurze Pause. Den Geocache holen wir uns. Aber alle außer mir plagt der Kaffeedurst. Mich nicht, ich bin Teetrinker. Aber Hunger verspüre ich auch. Zeit, dass wir nach Ascheberg kommen. Dort finden wir auch eine zauberhafte Bäckerei mit Außensitzplätzen, wir lassen es uns richtig gutgehen lassen. Hier gibt es einen alten Brunnen mit Schwengel. Leider ist der abgestellt, aber die Bäckerei bietet die Möglichkeit, unsere Wasserflaschen aufzufüllen. Vielen Dank an dieser Stelle dafür!

Als wir loswollen, fahre ich erstmal in die falsche Richtung. Der richtige Weg führt uns an der sehenswerten Kirche des Ortes vorbei. Durch ein Wohngebiet geht es raus aus Ascheberg.

Von Ascheberg nach Nordkirchen

Mit Kuchen im Bauch, läuft der Fahrradmotor wieder. Zum ersten Mal an diesem Tag kommen wir durch ein Waldstück. Es ist ein sonniger, schwüler Tag, da freuen wir uns über etwas Schatten. Bisher hat uns der Weg mit geteerten Straßen geradezu verwöhnt. Die meisten davon waren ganz normale öffentliche Straßen, wie wir das bereits aus unserer ersten Fahrradtour rund um die Dingdener Heide kennengelernt haben. Jetzt allerdings geht es durch das Naturschutz Ichterloh und wir haben es daher zum ersten Mal mit Schotter zu tun. Sogar einen kurzen Trampelpfad, den Jule und ich normalerweise erwandern würden, fahren wir entlang. Außerdem geht es zum ersten Mal am heutigen Tag tatsächlich bergauf. Wobei „bergauf“ hier etwas übertrieben erscheint. Es ist eine leichte Steigung zu nehmen, aber obwohl Jule als einzige von uns keinen Motor unter den Pedalen hat, schafft sie diesen Anstieg locker.

Bald sehen wir eine Art altes Tor, das uns auf eine Allee führt. Dies ist bereits die Einfahrt zum Schloss Nordkirchen. Als wir dann vor dem Schloss stehen, staunen wir nicht schlecht: Schloss Nordkirchen wird nicht umsonst als das „Westfälisches Versailles“ bezeichnet.

Wer alles über das Schloss und seine heutige Verwendung wissen möchte, kann dies gern bei wikipedia. de, auf der Seite des NRW-Tourismus oder direkt beim Schloss Nordkirchen nachlesen. Kurz nachlesen könnt ihr aber ein paar Informationen hier auf der Info-Tafel:

Zunächst müssen wir uns von dem Anblick erholen und unseren Kameras bzw. Handys freien Lauf lassen. Es ist jetzt mittlerweile ziemlich sonnig und gerade zu heiß auf der freien Fläche. Außerdem ist es insgesamt ziemlich schwül und wir sind ordentlich am Schwitzen. Wir betreten den Schlosshof. Das einzige, was das Bild stört, sind die parkenden Autos. Allerdings konnten wir der Informationstafel entnehmen, dass hier heute die Hochschule für Finanzen untergebracht ist. Von daher ist klar, dass es sich nicht um einen Museum handelt und man hier tatsächlich parken darf. Zunächst erkunden daher wir die Vorderseite des imposanten Gebäudes von außen. Hier würde ich auch mal eine Ausbildung zum Finanzbeamten machen.

Natürlich haben wir mal wieder (oder schon wieder?) Hunger. Leider hat dieses Restaurant montags und dienstags Ruhetag. Wir kennen das schon von anderen, die wir abtelefoniert haben. War schwer genug für heute Abend was leckeres zu finden. Das scheint in dieser Region üblich zu sein.

Später erfahren wir von einem Reiseführer, dass dies hier keineswegs in der Region üblich ist, sondern auf die Kappe von Corona geht. Die Restaurants haben kein Personal, so dass sie gezwungen sind, montags und/oder dienstags ein bzw. zwei Ruhetage einzulegen. Aber zum Glück ist meine Mama auf alle Eventualitäten eingestellt. So plündern wir ihre Vorratstasche, die mit Müsliriegel und kleinen Süßigkeiten gut gefüllt ist. Jedenfalls bis wir darüber hergefallen sind. Danach machen wir uns auf den Weg zur Rückseite des Schlosses.

Wir landen im Barockgarten. Hier kommen wir mal wieder aus dem Staunen kaum raus. Die kleinen Buchsbaumhecken werden gerade von fleißigen Gärtnern zurechtgestutzt und bilden ein fantastisches Ornament, das man von hier unten allerdings gar nicht richtig sehen kann. Ein gutes Luftbild von der Venusinsel findet man hier. Trotzdem kommen wir aus dem Fotografieren kaum raus. Viel Spaß haben wir mit einer Familie Nilgänse. Das Pärchen hat acht Küken, die immer sehr dicht zusammenbleiben als sie vom Ufer ins Wasser gleiten. Die Kleinen sind einfach zu niedlich. Am liebsten würde man sie in die Tasche stecken.

So langsam beenden wir unseren Rundgang um das Schloss und streben den Fahrrädern zu. Es wird Zeit sich auf die letzten Kilometer zurück nach Lüdinghausen zu begeben. Aber einen letzten Fotostopp legen wir noch auf der Rückseite des Gartens ein. Hier gönnen wir uns noch ein paar letzte Blicke und Bilder. Auch euch lasse ich jetzt erstmal einen ausgiebigen Blick in die Garten-Galerie von Schloss Nordkirchen werfen.

Von Nordkirchen zurück nach Lüdinghausen

Der Weg zurück nach Lüdinghausen ist keine Herausforderung. Es geht weiter über Felder und gut ausgebaute Straßen. Wir nehmen jedoch noch ein paar Geocaches mit. Meine Mutter hat beim Cachen noch nie mitgemacht und versucht sich an einer Brücke. Allerdings ist es dann doch Jule, die das Versteck findet.

Da wir am Schloss Nordkirchen Mamas Vorratstasche geplündert haben, müssen wir jetzt schnell noch was einkaufen. Meine Eltern hatten bereits am Anreisetag bei dem örtlichen Lebensmittelhändler gestoppt, aber leider findet mein Papa diesen nicht auf Anhieb wieder, so dass wir eine ganze Weile im Kreis fahren. Aber so bekommt man auch noch ein paar Kilometer auf die Uhr. Am Ende sind es insgesamt 64 km. Meine Mama und ich warten draußen bei den Rädern. Wir haben keine Lust auf Einkaufen. Was die zwei anderen allerdings solange in dem Laden wollen, verstehen wir nicht. Es dauert und dauert. Wir sind müde und wollen eigentlich gerne zurück ins Hotel. Doch es hilft nichts: Wir müssen hier draußen warten. Irgendwann haben es die beiden dann aber doch durch die Kasse geschafft und kommen vollgepackt zurück zu den Rädern. Ich habe in der Zwischenzeit den Rückweg recherchiert und der ist viel, viel, viel kürzer als unser umständlicher Hinweg. Allerdings nur wenn man entgegen der Verkehrsregeln gegen eine Einbahnstraße fährt, was wir natürlich nicht tun. Stattdessen blüht uns der nächste Umweg. Den nehmen wir durch die Fußgängerzone, aber Fahrradfahren ist hier erlaubt. Schlussendlich schaffen wir es doch die Räder in die Tiefgarage zu bringen und fallen in unseren Hotelzimmern verschwitzt und müde auf unsere Betten.

Zum Abendessen haben wir zum Glück ein Restaurant aufgetrieben, das keinen Ruhetag hat. Es ist das Burger-Restaurant schräg gegenüber vom Hotel bei der alten Wassermühle. Wir ergattern einen Tisch mit Blick auf das Mühlrad auf der Terrasse. Dieser biegt sich unter dem ganzen Essen und wir haben Mühe alles weg zu putzen. Am Ende schaffen wir das tatsächlich nicht. So klingt unser erster Fahrradtag satt und erschöpft aus.

Wie gewohnt gibt es von mir noch eine Tages-Zusammenfassung in der Übersicht.

Zusammenfassung

  • gefahrene Kilometer: 59,8 km (mit Einkaufen: 64 km)
  • gefahrene Höhenmeter: 444 Hm (222 Hm Aufstieg/222 Hm Abstieg)
  • reine Fahrzeit: 3:30 h
  • gesamte Dauer: 6:20 h
  • gefundene Geocaches: 4

Weiter geht es morgen mit einer kürzeren Tour. Es ist Regen am Morgen angesagt, da werden wir abwarten, wie es wird.

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