Fahrradurlaub in Lüdinghausen – Tag 3

13.07.2021

Kleeblatt-Tour 1

Zum Venner Moor und in die Davert

Vorbemerkung zu den Kleeblatt-Touren

Auf die Kleeblatt-Touren rund um Lüdinghausen bin ich durch den Reiseführer „52 kleine & große Eskapaden im Münsterland“ von Katrin Jäger gekommen. Hier wurden diese Touren sehr empfohlen. Bei den Kleeblättern handelt es sich um vier Fahrrad-Touren, die sich wie ein vierblättriges Kleeblatt um Lüdinghausen entfalten und jeweils in der Innenstadt an der Tourist-Info starten. Die Beschreibungen gibt es bei den Tourvorschlägen des ADFC Lüdinghausen. Hier kann man sich auch die GPS-Tracks herunterladen. Zu jeder Tour gibt es auch einen Flyer, entweder dort in digitaler Form zum Download oder in gedruckter Form vor Ort im Lüdinghaus bei der Tourist-Info.

Hier eine kurze Übersicht über die vier Touren:

  • Kleeblatt-Tour 1 – Zum Venner Moor und in die Davert, ca. 43 km lang, im Nordosten gelegen
  • Kleeblatt-Tour 2 – Zu den Wäldern bei Nordkirchen, ca. 57 km lang, im Südosten gelegen
  • Kleeblatt-Tour 3 – In die Olfener Stever und Lippeauen, 26 oder 38 km lang, im Südwesten gelegen
  • Kleeblatt-Tour 4 – Zu den Borkenbergen, 51 km lang, im Nordwesten gelegen

Alle Touren haben keine oder nur eine geringe Steigung. Für den zweiten Tag hatten wir uns eine kürzere Tour vorgenommen, denn morgens sollte es regnen. Die Nr. 1 passte mit ihren 40 veranschlagten Kilometern am Besten.

Der Übersichtkeit halber teile ich meine Bericht in drei Abschnitte ein.

Vom Regen zu zwei Schlössern

Als ich um kurz nach 7 Uhr die Jalousie von unserem Hotelzimmer hochfahre, regnet es wie vorhergesagt. Der Plan für heute eine kurze Tour zu machen, scheint angemessen zu sein. Laut meiner Wetter-App soll es bis 10:55 Uhr regnen. Danach kann es immer wieder nieseln und ab 15 Uhr soll es wieder richtig regnen. Daher frühstücken wir gemütlich. Zwischen 10:30 und 11:00 Uhr wollen wir eine Entscheidung treffen. Also hauen Jule und ich uns nach dem Frühstück nochmals hin und schlafen prompt ein. Als ich aufwache, regnet es nicht mehr so stark. Um 11 Uhr hört es tatsächlich auf und wir springen in unsere Fahrradklamotten. Um 11:30 Uhr stehen wir in der Hotelgarage und schließen die Räder los.

Unsere Kleeblatt-Tour 1 soll uns heute zur Burg Kakesbeck und dem Schloss Senden führen. Außerdem streifen wir die Naturschutzgebiete Venner Moor und Davert und kreuzen die Alte Fahrt des Dortmund-Ems-Kanals. Auch der neue Kanal wird uns begleiten. Es geht wieder im Uhrzeigersinn.

Leider ist was mit Mamas Brille. Daher verzögert sich unsere eigentlich Abfahrt, da wir noch einen Schlenker am Marktplatz vorbeimachen, wo sich ein Optiker befindet. Das Problem lässt sich beheben. Allerdings fängt es wieder an zu regnen, während wir bei den Fahrrädern warten. Mein Papa streift sich die Regenjacke über. Kaum kommt meine Mutter mit reparierter Brille um die Ecke, hört es wieder auf. Allerdings ist es sehr schwül, weshalb mein Papa seine Jackenwahl schnell bereut und korrigiert. Endlich kann es losgehen.

Um 11:47 Uhr treten wir endlich in die Pedale und fahren wieder Richtung Klutensee. Die Strecke kennen wir schon von gestern. Wir kommen am Café Indigo vorbei. Das Café mit seinen hausgemachten Kuchen wurde mir ans Herz gelegt, aber dieses Mal ist es für einen Kaffee und ein Stück Kuchen wirklich zu früh. Außerdem hat das Café gerade erst die Tür aufgeschlossen.

Auf meiner Karte sind jede Menge Gaststätten eingezeichnet, da sollte heute die Kaffee-Versorgung wohl kein Problem werden. Dass es nämlich mehr als 40 km werden, ist mir klar, als ich den GPS-Track lade. Dieser zeigt bereits 43,5 km bis zum Ziel. Mit dem ein oder anderen Umweg könnten es wohl doch eher 50 als 40 km heute werden.

Nach rund 45 min In-die-Pedale-treten durch Felder und ein Waldstück erreichen wir die Burg Kakesbeck. Diese ist bewohnt und leider in keinem gute Zustand. Sie wird gerade renoviert. Der Zugang zum Burghof ist durch ein großes Tor versperrt, so dass uns nur ein kurzer Blick hinein und ein paar Fotos von Außen bleiben. Muss aber mal eine beeindruckende Anlage gewesen sein. Wer näheres zu der Burg erfahren möchte, liest bei wikipedia.de nach.

Auf dem Parkplatz greifen wir noch kurz in die Snacktasche und ziehen weitere Klamotten aus. Die Schwüle bringt uns um, sobald man stehenbleibt. Es regnet zwar nicht, aber nass sind wir trotzdem.

Kurz hinter Burg Kakesbeck ist eine Gaststätte eingezeichnet. Würde von der Uhrzeit perfekt für einen Kaffee-Stop passen. Aber dieser Landgasthof ist leider auf unbestimmte Zeit geschlossen. Vielleicht haben wir in Senden mehr Glück.

Bevor wir allerdings nach Senden kommen, überqueren wir die Alte Fahrt des Dortmund-Ems-Kanals. Die stillgelegte Fahrrinne scheint heute ein Naturparadies zu sein. Am eigentlichen Dortmund-Ems-Kanals, am Steverdüker, soll ein Geocache versteckt sein. Da meine Mutter mittlerweile auf den Geschmack gekommen ist, suchen wir zu dritt das ganze Bauwerk ab. Mein Papa interessiert sich derweil mehr für die Infotafel. Trotz intensiver Bemühungen finden wir aber nichts. Jetzt wollen wir schnell weiter. Hoffentlich gibt es in Senden eine Rastmöglichkeit, am besten mit Kaffee!

Zunächst treffen wir aber auf das Schloss Senden. Imposant ist die Anlage, aber ziemlich verfallen. Auch hier ist das Tor zu. Ich schaue mir eine ganze Weile den rechten Gebäudeteil an und lege immer wieder den Kopf schief. Aber es hilft nichts, das Haus ist wirklich schief. Und zwar erheblich!

Das Schloss Senden ist wie viele Schlösser und Burgen in Münster eine Wasserburg bzw. ein Wasserschloss. Den rechten Gebäudeteil hat man zwar nicht auf Sand gebaut, aber auf Tannenholz, das verrottet ist. Inzwischen ist das Haus zwar stabilisert, aber die Sanierung geht gerade erst los. Aber lest das selbst auf der Info-Tafel nach:

Hier noch ein paar Eindrücke vom Schloss, seinem Park und von uns. Denn mein Papa hat heute extra den Selfie-Stick eingepackt.

In Senden kommen wir leider an keiner Raststätte vorbei. Stattdessen fahren wir eine ganze Weile am Dortmund-Ems-Kanal entlang bis wir zum Wald des Naturschutzgebiets Venner Moor kommen.

Eine abenteurliche Umleitung

Schon an der Abzweigung, die uns den Dortmund-Ems-Kanal verlassen lässt, müssen wir uns an großen Baumaschinen vorbeiquetschen. Doch als wir vom Waldweg auf die Straße „Dorfbauernschaft“ einbiegen wollen, geht nichts mehr. Die Straße ist vollständig gesperrt. Eine Umleitung ist nicht ausgeschildert. Entweder sind wir in die Sperrung reingerasselt oder haben entsprechende Hinweise übersehen. Ich glaube jedoch an erstes. Nach einigem Hin und Her fahren wir ein Stück zum Wanderparkplatz im Wald zurück. Da habe ich einen Pfad in den Wald gesehen. Tatsächlich handelt es sich nur um eine Trampelpfad und wir fahren darauf direkt ins Moor. Überall steht Wasser, es spritzt, die Räder rutschen. Links und rechts steht das Wasser. Zwar wirklich kein Fahrradweg, aber irgendwie ist das auch cool. Der Weg macht genau ein „U“ um die Baustelle herum. Wir kommen nur wenige Meter hinter dem Bagger aus dem Wald. Die ganze Baustelle war vielleicht 20 m lang. Unsere „Umleitung“ dagegen deutlich länger. Aber auch ein kleines Abenteuer, das wir so schnell nicht vergessen werden. Außerdem haben wir endlich was von den ganzen Naturschutzgebieten gesehen, die wir sonst im Vorbeifliegen kaum wahrnehmen.

Weiter geht es auf der geterrten Straße. Doch kurz vorm Abzweig nach Venne ist schon wieder ein riesiges Loch in der Straße. So langsam reicht es uns mit Umleitungen und Baustellen. Dieses Mal fahren wir einfach über die Einfahrt des Bauernhofes, vorbei an den Baumaschinen und dem Loch in der Straße! Dahinter sehen wir auch die Umleitung für Autofahrer. Die Straße „Dorfbauerschaft“ ist bis Senden voll gesperrt. Na, das wissen wir jetzt auch.

Nach diesem Abenteuer geht es kurz über freies Feld, bevor wir wieder in ein Waldstück eintauchen. Hier handelt es sich um das Naturschutzgebiet Davert. Diese Wildniserlebniswälder werden nach und nach wieder an die Natur zurückgegeben und die forstwirtschaftliche Nutzung eingestellt. Zwar müssen wir aufgrund der Schotterstrecke das Tempo drosseln, trotzdem sehen wir nichts von den vielen wilden Bewohner, die hier (wieder) heimisch sind.

Der nächste Ort auf unserer Strecke ist Ottmarsbocholt. Hier ist wieder eine Gaststätte eingezeichnet. Leider finden wir nichts, was geöffnet hat. Die Pizzeria hier ist zu. Ihr erinnert euch? Dienstag = Ruhetag! Also beschließen wir am Ende der heutigen Fahrt nochmals zurück zum Café Indigo in nahe des Klutensees zu fahren und dort später unseren verdienten Kaffee zu trinken. Damit wir nicht wieder ganz Lüdinghausen umrunden müssen, schaue ich schon mal im GPS nach einer Abkürzung.

Eine letzte Pause und ein besonderer Geocache

Hinter Ottmarsbocholt kommt meinem Papa die Strecke aufeinmal bekannt vor. Ja, hier sind wir gestern gefahren. Als wir einen großen Landwirtschaftsbetrieb passieren, erinnern wir uns an den schönen Rastplatz mit den Blumen auf dem Tisch. Der taucht auch in der nächsten Biegung auf. Wir nehmen diese Einladung zur Rast an, obwohl wir unserem Tagesziel schon ziemlich nahe sind. Laut meines GPS sind es nur 8 km. Aber dann müssen wir ja noch ein Stück zu unserem Café. Also Pause!

Nicht nur wir gönnen uns einen Snack. Die Mücken sind uns da schon voraus. Wir sind alle ziemlich zerstochen. Mein Stichheiler kommt wieder zum Einsatz. Mein Vater kennt dieses Höllengerät noch nicht und weiß daher nicht, was auf ihn zukommt. Daher ist es nicht verwunderlich, dass er aufschreit, dann aber tapfer die Zähne zusammenbeißt.

Dieser Rastplatz hat noch einen weiteren Vorteil. Ganz in der Nähe ist ein Geocache versteckt. Das passt gut, denn meine Mama will endlich mal einen Geocache ganz allein finden. Der erste heute hat ja leider nicht geklappt. Nach unserer Pause parken wir die Räder also 50 m weiter am Waldrand und stiefeln durch die Büsche. Jule und ich erspähen das „Objekt“ ziemlich schnell. Es dauerte ein bisschen bis auch bei meiner Mama der Groschen fällt. Das ist schon ein ziemliches cooles Versteck. Leider kann ich euch kein Bild davon zeigen, damit würde ich das Spiel kaputtmachen.

Nach diesem tollen Fund geht es auf die Ahornallee. Die sind wir gestern in entgegengesetzter Richtung gefahren. Auch hier liegt noch ein Geocache. Den findet meine Mama dann auch tatsächlich ganz allein (auch wenn Jule und ich den natürlich vorher schon gesehen haben, aber wir lassen meine Mutter ganz in Ruhe allein suchen).

Am Ortseingang verlassen wir die Route und ich versuche eine Abkürzung zu unserem sehnsüchtig erwarteten Café zu finden. Nach einigem Gucken aufs GPS landen wir bei Burg Vischering. Hier führe ich uns eine Landstraße entlang und entdecke dank eines weiteren Radfahreres eine noch kürzere Strecke zwischen zwei Maisfeldern. Wenn wir jetzt noch einmal abbiegen fahren wir gegengesetzt zu unserer Strecke von heute morgen direkt darauf zu. Noch 800 m. Vor stoppen aber noch ein weiteres Mal. Hier am Hof Droste gibt es einen Selbstbedienungs-Hofladen und eine Milchtankstelle. Meine Mutter ist schon die ganze Woche heiß auf selbstgemachte Marmelade. Das ist bei ihr fast eine kleine Tradition. Früher hat meine Mutter auf jedem Urlaub Steine mitgebracht. Jetzt sammelt sie lokale Produkte, am liebsten Marmelade.

Tatsächlich gibt es in der Hütte zwei Automaten mit allen möglichen Leckereien. Auch Marmelade. Zum Glück nimmt der Automat nur Bargeld. Würde er EC nehmen, hätten wir wohl beide Automaten vollständig geplündert. So gehen wir mit gepackten Satteltaschen mit Würstchen, Brombeersaft, Kaltem Hund/Kalter Schnauze usw. und natürlich einem Glas Marmelade aus der Hütte. Es hätte sogar Erbsensuppe und eine Mirkowelle zum Warmmachen gegeben.

Nach 650 m erreichen wir endlich das Café Indigo. Hier gibt es sogar E-Bike-Ladestationen. Aber zumindest unsere Räder haben noch genug Saft an Bord. Da es heute immer wieder nach Regen aussieht, sind leider alle Stühle draußen hochgeklappt, aber an der Hauswand ist zum Glück noch ein Tisch frei. Sollte es tröpfeln, sitzen wir trocken, haben aber unsere Räder im Blick. Gegen 15 Uhr sollte wieder anfangen zu regnen. Jetzt ist es 16:08 Uhr und es ist trocken.

Mit einem Stück Kuche für jeden und einem Kakao für mich (der Rest trinkt natürlich seinen Kaffee) schaue ich auf meinen Fahrradcomputer. Bis hierher waren es bereits 51,5 km. Die Fahrzeit beträgt knapp drei Stunden. Insgesamt waren wir aber gute vier Stunden unterwegs. Und zurück zum Hotel müssen wir auch noch. Doch damit haben wir keine Eile.

Während wir hier sitzen, geht die Suche nach einem Restaurant für das Abendessen wieder los. Mein Vater würde gern nochmal in das Burger-Restaurant. Da erreiche ich aber niemanden. Vielleicht machen die erst ab 17 Uhr. Erst im Hotel stelle ich fest, dass dort natürlich auch heute Ruhetag ist. Zum Glück kann ich aber einen Tisch im Hotel-Restaurant ergattern. Der Abend ist also gerettet. Auf der Hotelterrasse direkt an der Stever lassen wir den Tag also ausklingen.

Das war wieder eine sehr schöne Tour durch Münsterland. Müsste ich eine Überschrift finden, lautete die: „Kaputte Burgen und die Jagd nach dem Kaffee/Café“.

Es sind dann fast übrigens 54 km gewesen. Wir wollten heute ja nur eine kurze Tour fahren. Selbst ohne unsere Umwege stimmt die Längenabgabe der Tour nicht. Wer die nachfährt, stellt sich lieber auf 45 km ein. Mit dem Wetter hatten wir dann doch ziemliches Glück gehabt. Selbst abends im Hotelgarten, bleibt alles trocken. Zwar war die Luftfeuchtigkeit bei über 90%, es war unglaublich schwühl, aber mit dem Fahrtwind war das auszuhalten, auch wenn ich am Ende des Tages überall klebe. Für diesen Tag fehlt jetzt nur noch die Tages-Zusammenfassung in der Übersicht. Die liefere ich hier:

Zusammenfassung

  • gefahrene Kilometer: 54,2 km (inkl. alle Umwege)
  • gefahrene Höhenmeter: 348 Hm (174 Hm Aufstieg/174 Hm Abstieg)
  • reine Fahrzeit: 3:01 h
  • gesamte Dauer: 5:08 h (inkl. aller Stopps)
  • gefundene Geocaches: 2

Morgen soll es den ganzen Tag regnen. Dazu haben wir aber zum Glück einen Plan R (Plan Regen) bzw. einen Plan M (Plan Münster). Statt uns wieder auf die Drahtesel zu schwingen, werden wir Münster unsicher machen.

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