Fahrradurlaub in Lüdinghausen – Tag 5

15.07.2021

Kleeblatt-Tour 4

Zu den Borkenbergen

Vorbemerkung zu den Kleeblatt-Touren

Auf die Kleeblatt-Touren rund um Lüdinghausen bin ich durch den Reiseführer „52 kleine & große Eskapaden im Münsterland“ von Katrin Jäger gekommen. Hier wurden diese Touren sehr empfohlen. Bei den Kleeblättern handelt es sich um vier Fahrrad-Touren, die sich wie ein vierblättriges Kleeblatt um Lüdinghausen entfalten und jeweils in der Innenstadt an der Tourist-Info starten. Die Beschreibungen gibt es bei den Tourvorschlägen des ADFC Lüdinghausen. Hier kann man sich auch die GPS-Tracks herunterladen. Zu jeder Tour gibt es auch einen Flyer, entweder dort in digitaler Form zum Download oder in gedruckter Form vor Ort im Lüdinghaus bei der Tourist-Info.

Hier eine kurze Übersicht über die vier Touren:

  • Kleeblatt-Tour 1 – Zum Venner Moor und in die Davert, ca. 43 km lang, im Nordosten gelegen
  • Kleeblatt-Tour 2 – Zu den Wäldern bei Nordkirchen, ca. 57 km lang, im Südosten gelegen
  • Kleeblatt-Tour 3 – In die Olfener Stever und Lippeauen, 26 oder 38 km lang, im Südwesten gelegen
  • Kleeblatt-Tour 4 – Zu den Borkenbergen, 51 km lang, im Nordwesten gelegen

Alle Touren haben keine oder nur eine geringe Steigung. Für den letzten Tag haben wir uns die zweitlängste Tour vorgenommen. Nach dem Auschecken aus dem Hotel packen wir die Autos und haben noch den ganzen Tag Zeit. Ich wollte unbedingt den Rosengarten in Seppenrade sehen. Dazu ist heute die Gelegenheit. Allerdings ist dies auch die Tour mit den meisten Steigungen. Für den Notfall haben wir für Jule ein Fahrradabschleppseil. Aber die 51 km sollte sie eigentlich schaffen.

Der Übersichtkeit halber teile ich meinen Bericht wie gewohnt in drei Abschnitte ein.

Für uns soll’s bunte Rosen regnen

Noch bis in den späten Abend hinein haben wir die Nachrichten aus dem Westen verfolgt. Von daher sind wir heute morgen beim Frühstück etwas verknittert. Außerdem haben wir bereits alles gepackt und das Auto vom Parkplatz direkt vors Hotel gefahren. Schließlich ist das unser letzter Urlaubstag. So können wir relativ schnell nach dem Frühstück gemeinsam starten. Vereinbart haben wir eine Abfahrt zwischen 9:45 Uhr und 10:00 Uhr. Tatsächlich sind meine Eltern bereits am Auto als wir mit unserem Gepäck runterkommen. Daher laden wir eben die Autos und fahren sie zurück zum Schotterparkplatz, der kostenfrei ist. Nach dem Auschecken an der Rezeption holen wir die Fahrräder aus der Tiefgarage und starten um 10:15 Uhr auf unsere letzte Kleeblatt-Tour.

Die Kleeblatt-Tour 4 führt uns heute zu den Borkenbergen, wobei ich noch keine Ahnung habe, wo sich hier im Münsterland Berge verstecken sollen. Aber angeblich gibt’s sie tatsächlich. Wir sind bereits vorgewarnt, dass es zum Rosendorf Seppenrade, unserem ersten Etappenziel, ziemlich bergauf gehen soll. Ich bin gespannt, ob ich Jule tatsächlich mit dem Abschleppseil diese gigantischen Steigungen hochziehen muss oder ob sie es aus eigener Kraft und ohne Unterstützung eines E-Motors schaffen kann. Zum ersten Mal starten wir unsere Tour nicht Richtung Klutensee, sondern verlassen Lüdinghausen in Richtung Süden. Die Route zeigt aber, dass wir hinter Seppenrade dafür den Hullerner Stausee entlang fahren und den Halterner Stausee touchieren werden. Dann werden wir dem Schloss Sythen einen kurzen Besuch abstatten und dann durch die Naturschutzgebiete Gagelbruch und Borkenberge fahren. Außerdem werden wir das Haus Visbeck sehen, aber davon ahne ich heute morgen noch nichts. Später geht es dann aber auf dem Rückweg doch wieder am Klutensee und damit am Café Indigo vorbei. Dass wir hier einen allerletzte Pause einlegen und auf unseren Abschied aus dem Münsterland anstoßen, ist schon verabredet.

Jetzt aber erstmal raus aus Lüdinghausen Richtung Süden. An der Bahnstrecke geht es nach rechts und schon wundert sich Jule, dass sie auf einmal einen Gang runterschalten muss. Die erste Erhebung ist jedoch keiner der versprochenen Berge, sonder einfach nur die Brücke über dem Dortmund-Ems-Kanal, dem wir an dieser Stelle ein „Guten Morgen“ zurufen.

Hinter dem Kanal geht es ständig rechts-links durch die Felder. Ich muss höllisch aufpassen, dass ich keine Abzweigung verpasse. Und es geht nicht nur links-rechts, sondern auch hoch und runter. Meine Jacke muss ich schon mal loswerden. Mann, wird mir warm. Nach dem letzten „links“ schaltet Jule erneut einen Gang runter. Wir kommen jetzt auf Seppenrade zu. Den Zaun vom Rosengarten können wir schon sehen, jetzt geht es tatsächlich richtig hoch. Aber Jule kämpft nach einem Schubs von mir tapfer und trifft nur Sekunden nach uns E-Bike-Fahrern beim Eingang vom Rosengarten ein. Hier begrüßen uns drei Ammoniten. Der weltgrößte Ammonit wurde hier in Seppenrade gefunden. Das Original steht im Museum für Naturkunde in Müster. Wir müssen uns mit einer Nachbildung zufrieden geben, die aber schon beeindruckt.

Da ich auf der Karte des Rosengarten einen weiteren Ausgang unten gesehen habe und dort auch unsere Fahrradtour weitergeht, entscheiden wir uns, die Fahrräder durch den Garten zu schieben statt sie hier oben am Eingang fest zu binden. Leider haben nicht nur die Westdeutschen Eifeldörfer durch den Regen gelitten, auch der Rosengarten hat durch den Starkregen ordentlich auf die Ohren bekommen. Er ist noch ganz schön nass. Viele Rosenblüten sind kaputt, aber das tut der Schönheit des Gartens keinen Abbruch. Dass dieses Kleinod tatsächlich auf einer Müllkippe entstanden ist, kann man sich kaum vorstellen. Ebenso dass dieser Garten von Freiwilligen angelegt und gepflegt wird. Aber so sagt es das Schild:

Wir lassen uns durch die Beete treiben. Mein Papa hat natürlich wieder mehr Augen für die Kois im Teich als für die Rosen. Es gibt sogar ein offenes Toilettenhäuschen, das meine Mama gern dazu nutzt, ihre lange Hose auszuziehen. Das Wetter ist deutlich besser als erwartet und wir haben uns mit unserer Klamottenwahl mal wieder ein bisschen verschätzt. In der prallen Sonne ist es bereits unglaublich warm. Wir laufen mit unseren Rädern einmal um den Rosengarten und da speziell ich einen Faible für Pflanzenfotografie habe, seht ihr hier die ausgiebige Galerie.

Am Ende unseres Spaziergangs stellt sich leider heraus, dass das untere Tor verschlossen ist und wir die Räder den Berg wieder hochschieben müssen. Pech! Nach dieser ausgiebigen Pause setzen wir unseren Weg fort. Dieser beginnt mit einer mit einer Schussfahrt runter zur Bundesstraße, zu der parallel unser Fahrradweg verläuft. Wir verlassen Seppenrade, vorbei an der Fundstelle des Ammoniten, von der aber heute nichts mehr zu sehen ist.

Zwei Stauseen und ein Kaffee

Unser nächstes Ziel sind zwei Stauseen, die hoffentlich nicht so voll gelaufen sind wie wir das von anderen Talsperren in den Nachrichten hören. Wir hoffen, dass wir die Wege am Rand entlang passieren können. Der erste ist der Hullerner Stausee, den wir nach etwa einer halben Stunde durch Felder erreichen.

Am See ist nichts los. Wir scheinen heute die einzigen auf der Schotterpiste zu sein, die durch einen Wald am See entlang führt. Der Weg führt eigentlich geradeaus etwas entfernt vom Ufer entlang. Statt diesem Weg geradeaus zu folgen, fahren wir dem ganz offiziellen Fahrradschild nach. Der Weg führt direkt am Ufer entlang. Einen Zugang zum Ufer gibt es auf dieser Seite nicht. Beim Hullerner Stausee handelt es sich um ein Trinkwasserreservoir, das entsprechend geschützt wird und eingezäunt ist. Auf der nördlichen Halbinsel finden wir allerdings einen kleinen Picknickplatz, den wir für eine Rast nutzen. Wir fallen über die aus dem Biohof-Automaten erbeuteten Vorräte vom Dienstag her, darunter leckere Würstchen und kalte Hundeschnauze. Natürlich fehlt der Kaffee. Die Kaffeesucht meiner Familie und dessen Befriedung zieht sich ja täglich durch unseren Fahrradurlaub. Doch am Halterner See sind zwei Gaststätten eingezeichnet, hoffentlich finden wir da was.

Und tatsächlich finden wir gleich zwei Hinweisschilder am Beginn des Sees. Das eine ist ein Kiosk am Campingplatzes. Der andere Wegweiser deutet auf ein Restaurant direkt am See hin. Für einen Kaffee reicht uns allerdings der Campingplatz-Kiosk. Ich verzichte wie immer auf dieses Getränk und nehme mir stattdessen ein Eis.

Hügel, die Berge sein wollen

Hinter unserem Kaffeestopp geht es eine breite Straße entlang, die allerdings wohl nicht mehr für Autoverkehr genutzt wird. Sie führt nach Sythen. Das Kleeblatt möchte nach rechts, weshalb ich dem Schild auch zunächst brav folge. Aber wir wollen uns noch das Schloss Sythen anschauen, weshalb wir umdrehen, und ins das Dorf hineinfahren.

Das Wasserschloss Sythen ist allerdings geschlossen. So können wir nur kurz von außen gucken. Das Anwesen befindet sich heute in Hand eines Fördervereins und kann für private Feiern genutzt werden. Für die Geschichte des Hauses lest unten die Infotafel oder folgt diesem Link.

Auf der anderen Seite der Straße steht eine historische Wassermühle. Das Mühlrad steht wegen des Hochwassers zwar, aber ihm gegenüber steht hinter einer Mauer auf einer Treppe ein Reiher, der hier auf vorschwimmendes Futter wartet. Und tatsächlich können wir den Lauerjäger beobachten, wie er sich einen Snack aus dem tosenden Wasser fischt.

Nach diesem kulturellen Stopp geht es jetzt auf einer ehemaligen, daher gut ausgebauten Militärstraße hinein ins Naturschutzgebiet Borkenberge. Dieses Gebiet ist kaum zugänglich. Die Schilder entlang der Straße weisen eindrucksvoll auf den Grund hin. Es handelt sich um einen ehemaligen Truppenübungsplatz der Briten. Damit ist zumindest sichergestellt, dass die Natur hier nicht gestört wird. Wir können also nur entlangradeln. Zwei kleine Zwischenstopp bieten sich jedoch an. Ein kleiner Drive-In-Geocache und ein Aussichtspunkt über das Gebiet. Hier sehe ich auch endlich die versprochenen Borkenberge. Für mich sind das eher Hügel. Die höchste Erhebung liegt 133 m NN. Niedlich!

Unser Weg führt uns raus aus dem Naturschutzgebiet und zum Flugplatz Borkenberge. Hier scheint gerade eine Veranstaltung im Gang zu sein, denn am Platz stehen einige Zelte. Nach einer Strecke über die Felder geht es nochmals durch ein Waldstück. Als wir am Wald um eine Ecke biegen, bremse ich abrupt.

Diese Ecke kenne ich! Die Kapelle! Da auf der Wiese, da waren die Falkner und da hinten stand unser Zelt! Das ist Haus Visbeck. Hier haben wir schon mal gelagert.

(Kurzer Einschub: Jule und ich sind seit ca. 20 Jahren in der Mittelalter-Szene aktiv und nehmen regelmäßig an Mittelaltermärkte als Darsteller teil. Alles zu unserer Darstellung findet ihr bei Kjersti Martinsdottir und den Bilicis.)

Normalerweise findet hier an Haus Visbeck jeden Herbst ein Mittelaltermarkt statt. Auch diese Jahr ist einer geplant. Noch wissen wir aber nicht, ob er stattfinden kann und wird. Also erzählen wir meinen Eltern ausführlich von unserem letzten Markt hier. Gern würden wir uns die Kapelle in Ruhe ansehen. Wenn man an einem Markt aktiv teilnimmt, kommt man in der Regel zu so was nicht. Aber auch uns ist heute das Glück in dieser Hinsicht nicht hold. Die Kapelle ist wegen Renovierung geschlossen. Jule und ich träumen derweil vom nächsten Markt. Seit Corona waren wir nur auf einem einzigem im letzten Jahr. Wir sind quasi nicht nur auf temporärem Kaffee-, sondern dauerhaftem Mittelalterentzug. Doch alles schwärmen und sehnen hilft nichts, nach einer Fotorunde, steigen wir wieder brav auf die Drahtesel und fahren weiter.

Auf der Rückfahrt entbrennt zwischen meinem Vater und mir so eine interessante Diskussion über die Mittelalter-Szene, dass ich prompt die erste Abzweigung falsch nehme und wir mal wieder umdrehen müssen. Zum Glück müssen wir nur noch einmal rechts abbiegen, dann geht es durch Felder und Wiesen nur geradeaus. Weiteres Verfahren ist für heute wohl ausgeschlossen, oder?!

Am Ende geht nochmals kurz hoch. Aber diese Stelle kennen wir schon. Es ist „nur“ eine Brücke über den Dortmund-Ems-Kanal. Jetzt kommt gleich wieder die Milchtankstelle mit dem Automaten, dann sind wir schon beim Café Indigo. Allerdings kommen wir ohne Stopp an der Milchtankstelle nicht vorbei. Jule will unbedingt frische Milch kaufen. Und tatsächlich zapft sie brav einen ganzen Liter. Jetzt haben wir uns alle unser Stück Kuchen im Café verdient. Dieses Mal müssen wir uns nicht an die Hauswand quetschen. Das Wetter ist schön und draußen sind alle Tische eindeckt.

Da ich der Meinung bin, ab jetzt kenne ich den Weg auswendig, mache ich das GPS aus und will den Schildern folgen. Prompt biege ich ein letztes Mal falsch und wir landen alle auf einem Schulhof und müssen umdrehen. Das hat mir wenigstens noch ein paar Lacher von meiner Familie beschert. Am Ende landen wir aber doch auf dem Parkplatz bei unseren Autos. Wir verstauen gemütlich die Räder auf den Trägern. Gegen 16:30 Uhr verabschieden wir uns von meinen Eltern. Wir sind in zwei Stunden zuhause. Meine Eltern hingegen nehmen noch einen ordentlichen Stau mit und treffen erst gegen 20 Uhr zuhause ein. Der einzige Wehrmutstropfen bei diesem perfekten Tag.

Für mich war das heute tatsächlich die beste der bisher gefahrenen Kleeblatt-Touren. Sie war mit Sicherheit die abwechslungsreichste. Die Strecke hatte den meisten Waldanteil. Der Rosengarten war einfach nur schön. Die Stauseen boten nicht nur Blicke aufs Wasser, sondern auch einen netten Picknickplatz. Insgesamt haben wir mit allen Extras 54,4 km gefahren und 2:54 h Fahrzeit gebraucht. Eigentlich sind wir damit fast jeden Tag dieselbe Strecke bzw. denselben Schnitt gefahren. Ich bin positiv überrascht, wie gut Jule mit uns E-Bikern mithalten konnte und wie harmonisch wir insgesamt gefahren sind. Zum Schluss bekommt ihr noch die letztes Tages-Zusammenfassung für diesen Urlaub:

Zusammenfassung

  • gefahrene Kilometer: 54,4 km (inkl. alle Umwege)
  • gefahrene Höhenmeter: 368 Hm (184 Hm Aufstieg/184 Hm Abstieg)
  • reine Fahrzeit: 2:54 h
  • gesamte Dauer: 6:05 h (inkl. aller Stopps)
  • gefundene Geocaches: 1

Das war also unser Fahrradurlaub im Münsterland. Lüdinghausen ist wirklich schön. Ich kann dieses niedliche Städtchen als Ausgangspunkt die Fahrradtouren nur empfehlen. Und es hätte noch so viel mehr zu sehen gegeben. Ich kann mir also durchaus vorstellen, dass wir hier nochmals herkommen.

Unser diesjähriger Urlaubsmarathon geht aber schon wieder weiter. In der ersten Augustwoche geht es ganz in den Süden Deutschlands, wir gehen wandern auf den Schluchtensteig. Die Berichte gibt’s dann im August!

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