Auf dem Schluchtensteig – Tag 4.1

Dienstag, 03.08.2021

Etappe 4 + 5

Von Schluchsee über St. Blasien nach Todtmoos


Vorbemerkung zu Tag 4 – Teil 1

Die vierte Etappe geht offiziell von Fischbach, oberhalb vom Schluchsee, nach St. Blasien. Sie ist 20 km lang und es sind 1.055 hm zu bewältigen. Davon geht das meiste aber runter. Die fünfte Etappe startet in St. Blasien und geht bis nach Todtmoos. Sie ist 19 km lang und es sind 1.131 hm zu bewältigen.

Allerdings sind wir gestern schon bis hinunter zum Schluchsee gelaufen. Uns steht zunächst der Rest des Weges um den Schluchsee herum bis zum Unterkrummenhof bevor. Dann geht es hoch zum Krummenkreuz und weiter nach Muchenland. Hinter Blasiwald-Althütte geht hinein in die Windbergschlucht, die uns runter nach St. Blasien führt. Diesen Abschnitt will ich in diesem Bericht schildern.

Tatsächlich sind wir am vierten Tag bis Todtmoos gelaufen. Sogar noch ein kleines bisschen in die sechste Etappe hinein, um genau zu sein. Da das ein 12-h- und 36,6-km-Tag war, werde ich die Berichte aufsplitten. Den Teil, der die eigentliche fünfte Etappe darstellt, lest ihr später an dieser Stelle.


Ein früher Morgen am Schluchsee

Um 6 Uhr ist es hell und ich bin wach. Wie jeden Morgen bittet mich meine schwache Blase aus dem Schlafsack zu krabbeln. Ich tue ihr den Gefallen heute sehr gern, denn ich bin nicht nur wach, ich kann so schief auch nicht mehr liegen. Unser Zelt steht nicht nur abschüssig, sondern in der Mitte auf einer Erhöhung. Vermutlich hat sich hier mal ein Harvester oder ein Traktor durchgearbeitet und links und rechts tiefe Fahrspuren hinterlassen, die heute zugewuchert sind. Daher bin ich die ganze Nacht immer wieder in die Zeltwand gerutscht.

Bis Jule wach wird, fange ich wie immer schon mal mit dem Frühstück an. Aber Kaffee kochen werde ich hier nicht. Zu groß die Angst vor der Waldbrandgefahr, obwohl es so viel geregnet hat. Draußen ist alles nass und das Gras hoch, so dass ich den Brenner eh kaum richtig hinstellen kann. Aber ein kleiner Schluck Wasser aus meiner Trinkblase tut es auch. Großartig waschen fällt heute auch aus. Wir haben kaum noch Wasser. Während Jule langsam wach wird und ebenfalls ihr Müsli vertilgt, packe ich schon mal meinen Rucksack. Das Zelt ist außen zum Glück etwas abgetrocknet, scheint als hätte es heute Nacht nicht (viel) geregnet. Innen ist die Zeltwand vom Kondenswasser wie immer klatschnass. Bisher hatte sie auch keine Chance abzutrocknen. Aber heute morgen sieht es draußen ziemlich trocken von oben aus. Aber kalt war’s. Laut meiner Wetter-App hatten wir einstellige Nachttemperaturen. Daher ziehen wir heute morgen auch die dicken Klamotten bzw. keine anderen an, als wir gegen kurz nach halb 8 Uhr aufbrechen. Unsere größte Sorge ist, dass uns gerade ein Jogger oder jemand auf seiner Hunderunde auf dem Weg abpasst, wenn wir aus dem Wald hüpfen. Wir blicken noch einmal zurück, ob wir irgendwas am Lagerplatz vergessen haben, dann purzeln wir aus dem Wald.

Doch am See ist niemand. Also setzen wir unseren Weg am See entlang nach Unterkrummenhof fort, der auf einer großen Freifläche steht. Diese Vesperstube soll wirklich toll sein. Aber ein Werbeschild verrät uns, dass wir dort nicht frühstücken werden. Die Gaststube macht erst um 10 Uhr auf. Wir brauchen aber nur eine halbe Stunde bis zu dem Ausflugslokal, vor dessen Tür zum Glück ein Brunnen steht, an dem wir unsere Wasservorräte großzügig auffüllen. Es steht dran „Kein Trinkwasser“, daher werfen wir sicherheitshalber Chlortabletten in unsere Flaschen.

Ab hier beginnt der Aufstieg zum Krummenkreuz. An einem Aussichtspunkt finden wir Bänke mit einem Tisch und beschließen unser Frühstück nachzuholen. Ich packe Kocher und Kessel aus und mache erstmal Wasser heiß. Davon haben wir ja jetzt wieder reichlich an Bord. Nach zwei Kaffee und Tee, sowie einer kurzen Katzenwäsche inkl. Zähneputzen sind wir bereit, die Etappe wieder anzugehen. Mit einem letzten stimmungsvollen Blick auf den Schluchsee, setzen wir unseren Weg fort.

Auf dem breiten Schotterweg, der stetig bergauf führt, diskutieren wir, was wir heute machen. Zum Glück können wir unser Hotelzimmer in Wehr 24 h vorher noch kostenfrei stornieren. Wenn wir heute bis Todtmoos laufen, wären wir ja einen Tag früher mit dem Schluchtensteig fertig. Noch eine wilde Übernachtung möchte ich auf jeden Fall vermeiden. Aber ob das Hotel einen Tag früher was frei hat? Unsere Übernachtung in Todtmoos selbst um einen Tag nach vorne zu ziehen, dürfte kein Problem sein. Dort wollen wir auf einem Wohnmobilstellplatz mit Zeltwiese übernachten. Die waren im Kontakt per Mail sehr unkompliziert und haben für ein Zelt eigentlich immer was frei. Doch zunächst müssen wir mal hoch zum Krummenkreuz. Kurz hinter unserer Frühstückspause fängt es zwar an zu tröpfeln, aber es reicht nicht, um uns zu erschrecken. Es kühlt jedoch ab, weshalb ich meine leichte Windbreakerjacke raushole. Allerdings werde ich diese wegen des instabilen Wetters wohl noch zig mal an und wieder ausziehen.

Vom höchsten Punkt nach Muchenland

Dank des einfachen Weges erreichen wir gegen 10 Uhr den geographischen Höhepunkt des Schluchtensteigs, das Krummenkreuz mit 1147 m NN. Ich hatte mir hier mehr drunter vorgestellt. Hier oben ist eine Wiese mit abgeschlossener Hütte. Nur der Brunnen sprudelt munter vor sich. Aber Wasser haben wir noch genug. Das Highlight könnten die Fahrzeuge der Forstarbeiter sein, die hier gerade eintreffen. Das wäre wohl auch eine gute Rastmöglichkeit für eine Nacht gewesen. Aber bis hierher hätten wir es gestern auf keinen Fall mehr geschafft. Das wären locker noch 1,5 h mehr gewesen. Da es hier oben nichts zu sehen gibt, gibt es auch keine Bilder und wir laufen zügig weiter, vor allem, weil es jetzt bis Muchenland weitestgehend bergab geht.

Der Name der Siedlung, sie besteht aus einem Hochtal mit vier Höfen, geht auf die Familie Muchenberger zurück, die sich im 17. Jahrhundert hier ansiedelte. Der Weg hinunter ist angenehm. Wir bleiben auf breiten geschotterten Forstwegen. Nur sammle ich wieder ordentlich Steine in meinen Schuhen.

Hinter Muchenland verlassen wir allerdings die offene Fläche und den Schotter und tauchen auf einem Trampelpfad wieder in den Wald ein. Zunächst geht es etwas bergauf, gleich wieder etwas bergauf. Auf und ab wechseln sich ab, aber insgesamt steigen wir wieder auf. Vor der Wittemlehütte zweigt der Schluchtensteig scharf nach links ab und wir sehen die ersten Hinweisschilder auf die Hochweiden, die uns den ganzen Tag begleiten werden. Wir werden noch viel davon überqueren. Diese hier ist allerdings schon etwas besonderes. Sie erinnert uns an Heidefläche, nur ohne Heidekraut. Hier stehen vereinzelte Bäume sowie Heidelbeersträucher und Blaubeerbüsche. Nur Kühe sehen wir keine.

Für die Wanderer gibt es an den entsprechenden Stellen an den Zäunen Durchlässe. Manchmal muss man auch den Elektrozaun aushaken oder sich durch einen Knick quetschen. An dieser Stelle geht es durch ein kleines Drehkreuz runter nach Blasiwald-Althütte. An der kleinen Kirche des Ortes machen wir eine Rast. Ich schütte meine Schuhe aus und knete kurz die Zehen durch. Auch halte ich in der kleinen Kapelle kurz Andacht. Es ist schön, dass die Kirchen und Kapellen am Wegesrand immer offen sind.

Als wir nach der Pause gegen 11 Uhr, wir sind seit 3,5 h unterwegs, aus Althütte rauslaufen, sehen wir auf einmal einen Duschkopf an einer Weide. Zunächst erkennen wir nicht, was das soll. Beim näheren Hinsehen entpuppt sich das als „Trail Magic“. Freundliche Leute haben hier einen Brunnen zu einem Kühlschrank für Getränke und Snacks für Wanderer umfunktioniert. Wir können unser Glück nicht fassen! Gern nehmen wir eine Flasche mit einem isotonischen Getränk, die wir gleich vor Ort leeren, und kleine Süßigkeiten. Noch gerner haben wir etwas Kleingeld in den dafür vorgesehenen Schlitz geworfen. Für den Pfand gibt es sogar einen Fahrradkorb, der hier hängt. Die nächsten Kilometer laufen wir auf Wolken, obwohl der Weg hinter Althütte nochmals ansteigt. Das war ein richtiger Energieschub zur rechten Zeit. Vielen Dank an den, wer immer das aufgestellt hat!

Die nächste Schlucht und zwei Pizzen

Bis St. Blasien sind es laut einem Schild noch 4 km. Das deckt sich ungefähr mit einem GPS, das noch 4,5 km anzeigt. Allerdings zählt meins bis zum Endpunkt der Etappe, während das Schild vielleicht den Ortseingang meint. Egal wie, in ca. 1-1,5 h könnten wir in St. Blasien sein. Denn aus dem Höhenprofil wissen wir, ab jetzt geht es eigentlich nur noch runter. Wie stark, merken wir bald. Zwar bleiben wir auf einem breiten, geschotterten Forstweg, aber der ist ziemlich steil. Da Jules Knie in solchen Situationen gern zwickt, macht sie langsam, während ich fast wie eine Gemse den Weg hinunterspringe. Doch auch ich finde das anstregend und so laufen wir den flacheren Teil bald wieder Seite an Seite.

Wir näheren uns der Windbergschlucht. Irgendwo hier müsste ein verstecktes Trekkingcamp liegen, das leider ausgebucht war. Heute muss ich diesem Umstand dankbar sein, denn es ist noch vor 12 Uhr, als wir am Windbergwasserfall stehen. Was hätten wir um diese Uhrzeit in einem Trekkingcamp gewollt? Stattdessen wollen wir den Weg die Schlucht hinter gehen. Zum ersten Mal an diesem Tag treffen wir auf anderer Wanderer. Eine Gruppe aus vermutlich zwei Familien posiert gerade für Fotos vor dem Hintergrund des Wasserfalls.

Auch wir machen Fotos, schließen dann aber schnell zu der Gruppe auf, die uns dankenswerterweise durchlässt. Obwohl ich immer wieder stehen bleibe, um vom brodelten Wasser Fotos zu machen, holt uns der Trupp nicht mehr ein. Es geht über nasse Steine, mal über Geröll, mal über eine Steintreppe und mal wechseln wir über kleine Brücken die Seiten. Am Ende der eher kurzen Schlucht treffen wir noch auf eine weitere Familie. Die Dame hat gewaltige Probleme mit dem Weg. Wir sind solche glitschige Stellen ja mittlerweile gewöhnt und fliegen geradezu aus der Schlucht heraus und landen abrupt hinter den ersten Häusern von St. Blasien.

Am Ende der Schlucht steht ein Wegweiser, der 15,5 km bis Schluchsee-Aha ausweist. Da sind wir hergekommen. 1,0 km steht für St. Blasien-Mitte drauf. Da wollen wir jetzt hin. Todtmoos ist mit 19 km ausgeschildert. Da könnten wir heute noch hinlaufen.

Nur wenige Minuten später stehen wir an der Hauptstraße von St. Blasien. Genau gegenüber unserer Position befindet sich eine Pizzeria. Hier fallen wir ein wie hungrige Wölfe. Als wir um 12:15 Uhr auf der Terrasse über dem Fluss sitzen, müssen wir allerdings erstmal unsere Barschaft zählen. Denn das Restaurant akzeptiert keine EC-Zahlung. Da wir leider auch in der Schattenmühle bar zahlen mussten, gehen unsere Bargeld-Vorräte rapide zur Neige. 20,- haben wir noch. Also esse ich keine Civapcici, die sind eh aus, sondern Pizza. Außerdem müssen wir auf Getränke verzichten, aber wir haben genug Wasser in unseren Rucksäcken und unser besonderes Getränk hatten wir bereits in Althütte. Während wir auf die Pizzen warten, telefoniere ich mit dem Hotel in Wehr. Wir sagen die Übernachtung definitiv ab. Denn unsere Entscheidung ist gefallen. Leider haben sie einen Tag früher kein Zimmer frei, verweisen mich auf ein anderes Hotel im Ort und auf Übernachtungsmöglichkeiten in Bad Säckingen.

Allerdings sind wir uns gar nicht sicher, ob wir überhaupt noch in Wehr übernachten möchten oder ob wir direkt heimfahren werden. Damit wären wir rund 1,5 Tage früher wieder zuhause als geplant und würden uns den Freitagsverkehr auf den Straßen ersparen, indem wir am späten Abend bzw. in der Nacht fahren. Aber das ist noch lange hin. Auf eine weitere 9-Stunden-Tour könnte ich gut verzichten.

Jetzt muss ich erstmal den Zeltplatz in Todtmoos informieren, dass wir auf jeden Fall heute noch kommen, dass es aber spät werden kann. Ich rechne mit einer Ankunft zwischen 19:30 Uhr und 20:00 Uhr, je nachdem wir wie schnell wir hier aufbrechen und wie schwer die Etappe 5 ist. Wie schnell wir hier wegkommen, hängt leider ein bisschen an unserer Pizza. Die dauert ewig. Als sie endlich kommt, hauen wir rein. Wandern macht hungrig. Denn die vorläufige Bilanz des Tages bis hierher sieht folgendermaßen aus:

Zusammenfassung Tag 4.1

  • Gelaufen am: Dienstag, 03.08.2021
  • Länge laut GPS: 14,9 km
  • Geschätzte Höhenmeter: 746 Hm (Aufstieg 282 Hm, Abstieg 464 Hm)
  • reine Gehzeit: 3:25 h
  • gesamte Dauer: 4:37 h
  • Charakteristik: Dies war vermutlich die einfachste Etappe vom ganzen Schluchtensteig. Auch wenn wir 5,5 km schon einen Tag zuvor gelaufen sind. Allerdings braucht man für den langen Abstieg hinunter nach St. Blasien gesunde Knie. Die Wege sind größtenteils geschottert, die Anstiege eher mild. Eine eher gemütliche Etappe mit nicht zu viel Höhenmetern. Allerdings daher auch ohne viel Highlights. Die Windbergschlucht kann das nicht ganz wettmachen, dafür ist der Abschnitt einfach zu kurz.

Weiter geht’s zur zweiten Runde

Wir haben uns also entschieden, die fünfte Etappe heute noch komplett zu laufen. Für uns geht es weiter über den Lehenkopf und die Hochweiden bis nach Todtmoos. Ich hoffe, dass wir keinen Fehler mit dieser Entscheidung gemacht haben. Ob ich das schaffe oder ob wir irgendwo vor Erschöpfung aufgeben und eine weitere Nacht wild zelten müssen, werden wir sehen.

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