Auf dem Schluchtensteig – Tag 5

Mittowch, 04.08.2021

Etappe 6

Von Todtmoos nach Wehr


Vorbemerkung zu Tag 5

Die letzte Etappe des Schluchtensteigs geht offiziell von Todtmoos nach Wehr, wo dieser Wanderweg am Alten Schloss bzw. am Busbahnhof endet. Sie ist 23 km lang und es sind 1.421 hm zu bewältigen. Allerdings geht es davon mit 937 hm die meiste Zeit runter.

Da wir unser Lager am Ende von Todtmoos linksseitig der Wehra aufgeschlagen, der Schluchtensteig vom Kurpark aus aber auf der rechten Seite der Wehra entlangläuft, werden wir bis Todtmoos-Au der gelben Raute des Wehratalwegs folgen. Wir hätten sonst 2 km zurück zum Kurpark laufen müssen. Kurz vor Au treffen wir aber wieder auf den Schluchtensteig, der uns dann in die Wehraschlucht und weiter zum Wehrastausee bis zu unserem Ziel führt.

Ob wir dann direkt mit Bus und Bahn zurück nach Stühlingen und von dort noch an diesem Tag nach Hause fahren, werden wir noch sehen.


Die Dusche danach

Jule und ich machen beide seit vielen Jahren Mittelalter, heißt, wir lagern auf Mittelaltermärkten. Viele Leute fragen uns immer, was denn das Beste an diesem Hobby sei. Die Antwort:

„Das Beste am Mittelalter ist die Dusche danach“

Die Mittelalter-Szene

Die ganze Zeit war der Mittwoch als schlechtester Tag der Woche prognostiziert worden: viel Regen! Allerdings sind wir jetzt einen Tag schneller und damit liegen schon in einer anderen Wetterzone. Gestern sind wir bereits in das Regengebiet reingelaufen, dass wir heute erwartet hätten. Und viel schlechter als gestern kann es ja kaum werden.

Nach dem Aufwachen führt mich mein erster Weg wie immer zur Toilette und meiner erste Blick gilt der Wetter-App auf meinem Handy. Als ich heute Morgen aus dem Zelt krabble, ist es tatsächlich trocken, naja, trockener als die vorangegangenen Tage. Die Wiese und die Zelthaut sind natürlich nass, aber ich kriege von oben mal ausnahmsweise keine Tropfen ab. Meine App verspricht, dass es erst gegen Mittag etwas regnen soll, die Menge soll jedoch kein Verhältnis zu dem stehen, was gestern runter gekommen ist. Ich denke, wir werden also weiterlaufen. Plan C, der lautete, dass wir hier heute abbrechen und direkt mit dem Bus zurück zu unserem Auto fahren, wird wohl nicht umgesetzt.

Auf dem Weg zur Toilette habe ich bereits meinen Waschbeutel mit dabei. Ich will mich gleich frisch machen. Ich schaue mir daher die wirklich sehr hübsche Dusche an. Kurz liebäugle ich damit, zu duschen. Allerdings habe ich kein Handtuch, das liegt im Zelt. Da fällt mein Blick auf den Duschvorleger, der aus dickem Frottee ist und über einer Stange hängt. Ich überlege kurz, aber die Versuchung ist zu groß: ich werde tatsächlich mich heiß abduschen! Den Duschvorleger werde ich als Handtuch benutzen. Auf einer Wanderung dieser Art muss man improvisieren. Duschgel steht vor der Tür in einem Regal, wo ich mich bedienen kann. Die Dusche ist das Beste, das Schönste, das wahnsinnig Geilste, was ich jemals erlebt habe. Nachdem ich mich grob mit dem Durchvorleger abgetrocknet habe, fühle ich mich wie ein neuer Mensch.

Ja, es kann weitergehen! Definitiv! Ja, wir werden diese letzte Etappe schaffen! Da bin ich mir ganz sicher.

Auf dem Rückweg fülle ich eben noch die Wasserflaschen auf, sodass ich zurück am Zelt für uns Tee und Kaffee kochen kann. Auch Jule schält sich langsam aus dem Schlafsack. Wir könnten jetzt frühstücken, allerdings hat Jule gestern Abend vergessen, ihre Over Night Oats vorzubereiten. Da sie eine Art Porridge isst, sind ihre Haferflocken uneingeweicht für sie ungenießbar. Daher entscheidet sie sich das Frühstück später einzunehmen und zunächst ebenfalls duschen zu gehen. Ich muss also allein frühstücken. Heute morgen ist es zwar von oben trocken, jedoch nicht so trocken als dass wir die Picknickbank nebenan nutzen könnten. Die Bänke sind noch klatschnass. Während wir allerdings unsere Sachen packen, trocknen auch diese langsam ab, so dass wir dort unsere Rucksäcke parken können. Durch den Wind trocknet sogar das Zelt von außen etwas ab. Frisch geduscht und frohen Mutes setzen wir unseren Weg auf dem Schluchtensteig fort.

Eine gemütliche Wegalternative

Wir folgen dem Rat unserer Gastwirtin und bleiben auf dieser Seite der Wehra. Statt Richtung Kurpark zurückzugehen und auf die andere Seite des Flusses zu wechseln, folgen wir einem neuen Wanderzeichen: der gelben Raute vom Wehratalweg. Sie bringt uns auf eine Teerstraße, die direkt neben dem Campingplatz beginnt, hinunter Richtung Glashütte. Hier sehen wir richtige Schwarzwaldhäuschen und ein süßes Kirchlein und machen ein paar Fotos.

Der Weg führt leicht bergab über Teer oder Schotter, so dass wir uns heute morgen ein wenig entspannen können. Und wider Erwarten ist es wirklich trocken, wenn auch der Himmel ziemlich bewölkt ist. Die Regenklamotten bleiben im Rucksack. Mal sehen, wie lange.

Bald treffen wir auf eine Sägerei. Todtmoos-Au muss gleich kommen. Zum Glück gibt es an der Einmündung auf die Straße eine Baustelle, sonst hätten wir den Einstieg zurück auf den Schluchtensteig wohl verpasst. Die gelbe Raute möchte uns an der Straße entlang führen. Der Schluchtensteig kommt aber von der Straße zu uns rüber. Wir gehen also gar wie erwartet an der Straße entlang, sondern nehmen unsere erste Steigung des Tages in den Wald hoch. Nachdem wir das kleine Dörfchen Au durchquert haben, treffen wir auf ein weiteres Wanderpärchen, die sich gerade auf eine Bank setzen. Die sind allerdings mit leichtem Tagesgepäck unterwegs, was wir an den Rucksäcken erkennen.

Nach einer Steigung machen wir auf einer Bank ebenfalls unsere Frühstückspause. Jetzt werden wir wiederum überholt. Das geht heute bestimmt noch öfters so. Die werden wir sicher später nochmal sehen. Sehen tun wir aber noch etwas anderes. Einen sehr großen Laufkäfer. Nach meiner Recherche handelt es sich um einen Carabus violaceus purpurascens, einen Käfer, der in seiner Färbung nur hier im Südschwarzwald vorkommt.

Während wir den Morgen auf breiten Schotterwaldwegen verbracht haben, kommen wir nach unsere Mittagpause in den erste Teil der Wehraschlucht. Vor dem Einstieg bietet sich allerdings eine kleine Hütte am Wegesrand als Ort für eine längere Pause an. Das Paar ist kurz hinter uns und folgt uns promt. Allerdings geht unser Wanderweg über ein Pfad in die Schlucht, während die Hütte etwas oberhalb steht. Wir weisen die beiden daher höflich daraufhin, dass sie gerade den Abzweig verpasst haben. Nach unsere Pause folgen wir den beiden ebenfalls in den ersten Abschnitt der Wehraschlucht.

Links der Wehra

Die linke Seite der Wehraschlucht ist ein ähnlicher Weg wie die Wutachflühen. Er geht nämlich nicht unten in der Schlucht entlang, sondern oben im Hang. Allerdings ist der Schwierigkeitsgrad bei weitem nicht so hoch. Es ist eher ein schmaler Waldweg, der sich am Hang entlangschlängelt, nicht wirklich schwer zu laufen und auch nicht so matschig. Man muss trotzdem ein bisschen aufpassen, wo man hintritt. Denn es gibt einige wenige spektakuläre Felsen, um die man herumgeht.

Ansonsten geht’s immer am Hang entlang. Von dem geht es allerdings ziemlich steil runter. Auf dieser Strecke wird eine Wanderin seit September 2020 vermisst. Wir können uns leider nur zu gut vorstellen, was passiert ist. Wenn man hier an einigen Stellen abrutscht und den Hang hinunterfällt, wird keiner einen finden. Von der Wehra selbst sehen wir daher auch kaum etwas. Nur manchmal blitzt die Straße, die unten in der Schlucht entlang führt, durch die Bäume.

Trotzdem wird zwischendurch der Schwierigkeitsgrad etwas erhöht. Denn ein Baum liegt quer über dem Weg. Leider bleibt Jule mehrmals mit dem Rucksack hängen, so dass sie fast auf allen vieren kriechen muss, um unter dem Hinternis durchzukommen.

Irgendwann geht es über einen Trampelpfad deutlich bergab. Wir folgen dem Sägebach über seine kleine Schlucht hinter zur Steinbrücke über die Wehra.

Dieser kleine Bach möchte der Wehra selbst wohl Konkurrenz machen, denn seine Mini-Schlucht erinnert uns deutlich an die Hohwehraschlucht von gestern. Nur ist heute das Wetter besser, so dass ich den munter fließenden Bach und seine hohen Felsen fotografieren kann.

Allerdings quält mich seit einiger Zeit meine Blase. Hier in der Schlucht kann ich mich allerdings schlecht hinter einen Busch setzen. Es fehlt ein entsprechender Busch. Vielleicht finde ich unten an der Steinbrücke einen geschützten Winkel. Als wir dort ankommen, finden wir jedoch eine Gruppe junger Leute vor, die dort Pause machen. Keine Erleichterung für mich. Und das Wanderpärchen ist mal wieder kurz hinter uns. Also überqueren wir die Straße. Hier wartet der Schluchtensteig mit einer Überraschung auf uns: Es geht steil bergauf!

Rechts der Wehra

Eigentlich dachte ich, es geht heute nur bergab. Diese fiese Zacke hier muss ich im Höhenprofil übersehehen haben. Inzwischen tröpfelt es auch leicht, so dass wir unsere Regenjacken angezogen haben. Auf diese Weise könnte ich beim Ansteig wohl mein Problem rausschwitzen. Stattdessen lasse ich unsere Verfolger durch und hocke mich hin. Das war dringend. Jetzt, wo das erledigt ist, kann ich den Anstieg in Angriff nehmen. Allerdings geht es ziemlich langsam voran, so dass ich die pinke Regenjacke meiner Frau bald aus den Augen verliere. Sollte kein Problem sein, es gibt nur ein Weg hier hoch. Als es endlich etwas flacher wird, hole ich sie ein.

Dass diese Seite der Schlucht etwas gefährlicher ist, merken wir allein daran, dass diese wieder wie die Wutachschlucht in Rettungssektoren eingeteilt ist. Schilder weisen darauf hin und dienen uns ein bisschen zur Orientierung. Auch der Weg wird deutlich schwerer als auf der linken Seite. Es geht immer wieder hoch und runter, wir überqueren kleine Brücken, die über Bäche führen, die sich hinterunter in die Wehraschlucht ergießen. Das ganze bei leichtem Nieselregen, der allerdings kaum durch die Bäume kommt. In den nächsten 1,5-Stunden zeigt uns der Schluchtensteig nochmals, dass er ein wahrer Steig ist.

An einem kleinen Rastplatz mit Picknickbank rüsten wir auf und ziehen unsere Regenröcke an, denn der Wald wird lichter und wir sehen, dass es durch Büsche gleich bergab geht. Wir denken schon, dass wir es jetzt bald geschafft haben und dass jetzt der Teil kommt, wo es nur noch bergab geht. Allerdings haben wir uns getäuscht. Es geht zwar kurz bergab, aber gleich auch wieder rauf. Dann setzt sich sich der Weg am Hang, die Brücken und das ständige Auf und Ab fort. Allerdings sehen wir von oben, dass sich die Wehra verbreitert. Das muss schon der Anfang vom Wehrastausee sein. Und tatsächlich kommt nun endlich der steile Abstieg.

Ein schmerzhafter Abstieg

Jule bleibt jedoch immer weiter zurück, während ich über Wurzeln den schmalen Trampfelpfad hinuntergehe. Bei jedem Schritt hat sie stechende Schmerzen im Knie. Helfen kann ich ihr leider nicht. Doch die Stöcke sind eine gute Gehhilfe. Also geht es langsam voran bis wir irgendwann aus dem Wald auf einen breiten Forstweg kommen. Hier kann Jule durchatmen und wir hoffen einfach, dass der Weg nun nicht mehr so steil hinunter geht. Knieprobleme sind für Jule nichts neues. Aber so schlimm war es lange nicht. Vor nicht allzu langer Zeit war etwas am Meniskus und Jule hat große Angst, dass es den wieder erwischt hat. Leider haben wir nach Wehra noch ein paar Kilometer vor uns. Doch der Regen hat etwas nachgelassen. Wir könnten uns langsam aus unseren Regenklamotten pellen, riskieren heute aber besser nichts mehr.

Zum Glück hat der Weg Gnade mit Jules Knie und es geht eher geradeaus als steil bergab. Nach nur wenigen 100 Metern treffen wir auf eine Umleitung. Eigentlich führt der Schluchtensteig hinuter zur Staumauer des Wehrastausees. Hier sind allerdings größere Bauarbeiten im Gange und der Weg daher gesperrt. Es steht extra dran, dass man die Bauarbeiten nicht umgehen kann und der Weg wirklich unpassierbar ist. Es gibt jedoch eine gut ausgeschilderte Umleitung, der wir dieses Mal brav folgen. Es ist kein großer Umweg. Allerdings werden wir so den Stausee verpassen. Vielleicht ist diese Umleitung aber auch unser Glück. Denn der Weg bleibt flach und einfach. Wir gehen auf einer breiten Forststraße hinunter Richtung Wehr. So kommt auch Jules Knie irgendwie mit dem Weg klar. Wir treffen noch ein paar entgegenkommende Wanderer und halten einen kurzen Schwatz. Auch gönnen wir uns auf einer Bank noch ein kleines Päuschen und je einen Energie-Riegel zur Stärkung. Wir liegen gut in der Zeit.

Noch immer haben zwei Möglichkeiten, die wir diskutieren. Wir könnten versuchen, doch noch in einem Hotel unterzukommen und morgen früh nach Hause fahren. Oder wir ziehen das durch und fahren zurück nach Stühlingen und weiter nach Hause. Irgendwie ist uns klar, dass wir das durchziehen. Ich weiß, dass wir jede Stunde vom Busbahnhof nach Stühlingen kommen. Allerdings werden wir nicht hetzen, denn wir könnten gerade so einen Bus kriegen, wenn wir uns bemühen. Aber wir werden versuchen, in Wehr zunächst etwas zu essen, denn die Rückfahrt wird lang. Erst 2 Stunden in Bus und Bahn, dann 5-6 Stunden auf der Autobahn.

Als wir aus dem Wald auf freies Feld kommen, können wir die ersten Wohnhäuser von Wehr bereits sehen. Uns kommt ein netter Mann mit einem Welpen entgegen, den wir fragen, ob und wo wir in Wehr etwas zu essen bekommen. Wir unterhalten uns kurz, dürfen den Welpen knuddeln, müssen dann aber doch weiterlaufen.

Entgegen der Aussagen des Mannes führt uns der Schluchtensteig nicht an der Hauptstraße, wo sich ein Dönerladen findet, entlang, sondern folgt weiter der Wehra in den Ort hinein. Daher verpassen wir daher leider den versprochenen Dönerladen. Das Hotel passieren wir allerdings, gehen aber einfach dran vorbei, ohne nach einem Zimmer zu fragen. Damit ist die Entscheidung endgültig gefallen.

Nachdem wir die Wehra verlassen und eine Brücke überquert haben, stehen wir mitten in Wehra am Neuem Schloss und gegenüber der Stadtbibliothek. Hier frage ich nochmal nach einem Restaurant. Man empfiehlt mir eine Pizzaria, die sich die Straße runter Richtung Busbahnhof befinden soll. Allerdings treffen wir vorher auf das Wanderportal vor dem Alten Schloss. Wir haben es geschafft! Wirklich! In 5 Tagen!

Nach einem ausgiebigen Fotoshooting will ich gegenüber in die Touristeninfo und dort einen kleinen Wanderführer als Andenken und als Unterstützung zum Blogschreiben kaufen. Die haben leider vor ein paar Minuten zu gemacht. Ein Mitarbeiter schließt gerade von außen ab. Allerdings hat die junge Dame, die noch drinnen ist, Mitleid mit uns und lässt mich trotzdem noch rein. So kann ich meinen Reiseführer doch kaufen, auch wenn sie dafür extra nochmals die Kasse öffnen muss.

Als ich schon wieder zur Tür raus bin, ruft sie mich nochmals vom Fenster aus zurück. Sie gibt mir noch zwei Schlüsselanhänger als Belohnung, dass wir den Steig geschafft haben. Eine Wanderurkunde konnte sie mir nicht geben, denn wir haben dafür keine Stempel gesammelt. Ich hoffe jedoch, dass dieser Blog Beweis genug ist, dass wir den Weg wirklich vollständig gelaufen sind. Der Schlüsselanhänger ziert seitdem meinen Autoschlüssel. Vielen, vielen Dank dafür!

Der Tipp mit der Pizzeria war wirklich gut. Doch leider hat diese noch zu. Doch am Busbahnhof scheint direkt ein Bistro zu sein. Wir setzen uns gerade auf die Terrasse, als „unser“ Bus abfährt. Das war genauso eingeplant. Jetzt haben wir eine Stunde Zeit, um uns ein bisschen zu erholen und uns zu stärken. Es gibt zwar weder Döner noch Pizza, aber dafür gibt es hier die am dick belegtesten Brötchen, die ich jemals gesehen habe. Diese Belohnung haben wir uns wirklich verdient.

Zusammenfassung Tag 5

  • Gelaufen am: Mittwoch, 04.08.2021
  • Länge laut GPS: 23,1 km
  • Geschätzte Höhenmeter: 1.495 Hm (Aufstieg 559 Hm, Abstieg 936 Hm)
  • reine Gehzeit: 5:59 h
  • gesamte Dauer: 7:05 h
  • Charakteristik: Eine überraschende Etappe. Die Wehraschlucht bietet nochmals einen Weg im Hang. Die Charakteristik ähnelnd der ersten Etappe in den Wutachflühen. Leichte Forstwege am Beginn und am Ende rahmen eine mittelschwer zu gehende Schlucht ein, die erstaunliche viele kleine und größerer Anstiege bietet.

Eine lange Rückreise

Wenige Minuten bevor unser Bus um kurz nach 17:30 Uhr abfährt, begeben wir uns an die Haltestelle. In gut zwei Stunden werden wir am Auto sein und wenn’s gut läuft gegen 2 Uhr zuhause. Hier steht noch ein Paar mit Wanderrucksäcken. Sofort kommen wir ins Gespräch, denn wir haben (fast) denselben Weg. Die Beiden sind jedoch hier aus der Nähe und fahren nun direkt nach Hause. Sie haben zwar noch ein paar Tage Urlaub, diesen werden sie jedoch in einer Ferienwohnung in der Nähe des Feldbergs verbringen, wie wir auf der Fahrt erfahren. Wir reden über dies und das, natürlich über den Schluchtensteig, übers Wandern allgemein, über die Nähe zur Schweiz und und und. So ist die Fahrt mit dem Bus zum Bahnhof schnell vorbei.

Hier haben wir noch etwas Aufenthalt, so dass wir das Gespräch fortsetzen können. Jule fällt aber auf, dass die Züge hier sich hier ganz schön ins Zeug bzw. zur Seite legen, wenn sie durch den Bahnhof fahren.

Als endlich unser Zug kommt, ist der leider ganz schön voll. Doch ich genieße das Gespräch und die Aussicht, bis die beiden in Waldshut aussteigen müssen. Wir bleiben bis Lauchringen sitzen, wo wir nochmals in einen Bus umsteigen müssen.

Den richtigen Bus kriegen wir nur mit Hilfe. Eine junge Dame, die ich anspreche, weist uns den Weg zum richtigen Bussteig. Doch wir sind nicht die einzigen, die von der Beschriftung der Busse verwirrt sind. Ein weiterer Wanderer hechtet zum anderen Bussteig als ein Bus einfährt, während uns die junge Frau gerade noch von einem Sprint auf die andere Seite abhalten kann. Schließlich sitzen wir aber alle im richtigen Bus Richtung Stühlingen.

Während der Busfahrt rätsel ich die ganze Zeit, wo genau in Stühlingen wir aussteigen müssen. Es gibt eine Haltestelle „Katholische Kirche“. Meiner Meinung nach war dort das Wanderportal. Wir werden also dort aussteigen. Es ist fast dämmrig, als wir nach Stühlingen kommen. Da spricht uns der Wanderer an, ob wir ebenfalls zu seiner Wandergruppe gehören. Wir erzählen, dass wir mit dem Schluchtensteig gerade fertig geworden und deshalb auf dem Rückweg sind. Ob wir ein bestimmtes Hotel in Stühlingen kennen würden. Auch hier müssen wir verneinen, empfehlen ihm aber, mit uns im Ortskern auszusteigen. Sein Handy hat keinen Empfang und er weiß deshalb nicht, wo er raus muss. Gerade als der Bus am Rathaus hält, sehe ich genau das Hotel und schubse ihn gerade noch rechtzeitig aus dem Bus. Das war sein Glück. Wäre er unserem Rat gefolgt, hätte er seine Wanderung heute abend noch begonnen. Denn das Hotel liegt am Ortseingang ganz oben am Hang. Wir dagegen sind mit der Bushaltestelle „Katholische Kirche“ goldrichtig und steigen genau dort aus, wo wir unsere Wanderung vor 5 Tagen begonnen haben.

Der Weg zum Auto ist schnell zurückgelegt. Eigentlich wollte ich mich noch umziehen, aber inzwischen ist mir so kalt, dass ich einfach in meinen schmuddeligen Wanderklamotten bleibe und wir sofort losfahren. Es ist noch keine 20 Uhr. Ich hatte vorgeschlagen, die erste Runde zu fahren. Ich fahre nicht gern in der Dunkelheit und will möglichst viele Kilometer im Hellen zurücklegen. Obwohl es noch gar nicht so spät ist, schläft Jule noch vor der Autobahnauffahrt ein.

Im Gegensatz zur Hinfahrt sind die Straßen heute Abend wir leergefegt. Gerade als ich gegen 22:15 Uhr müde werde, kommt ein kleiner Stau, so dass ich abbremsen muss und Jule aufwacht. Am Horizont habe ich allerdings längst die erlösenden goldenen Bögen einer Fast-Food-Kette gesehen, so dass ich eh hier abgefahren wäre.

Mit Burger und Pommes gönnen wir uns fast eine ganze Stunde Pause. Ich fülle noch unsere Wasserflasche auf. Dann mache ich es mir auf der Rückbank gemütlich. Laut Jule muss ich zwei Stunden festgeschlafen habe, denn als ich wach werde, sind wir bei Bonn und Jule möchte nochmals tauschen. Das erklärt aber auch meine schmerzende Hüfte. Zwar haben wir nur noch etwa 30 min Fahrt vor uns, es hilft aber nichts, wenn diese Fahrt in der Leitplanke endet. Für die letzte halbe Stunde bin ich zum Glück fit genug. Um kurz vor 2 Uhr stelle ich das Auto ab. Ohne Stopp hätten wir die Rückfahrt wohl in 5 Stunden geschafft. 9 Stunden waren es auf der Hinfahrt! Es war die absolut richtige Entscheidung nachts noch zurückzufahren. Wir greifen nur unsere Rucksäcke und fallen sofort ins Bett.

Am nächsten Morgen: Ausblick auf …

  • erstaunlich wenig Wäsche (wer nicht viel mitnimmt, muss auch nur wenig waschen)
  • erstaunlich wenig übrig gebleibenes Essen (ein Tag kürzer gelaufen, deshalb sind nur etwas Müsli und ein paar Energie-Riegel übrig geblieben)
  • erstaunlich wenig Muskelkater (wir sind wohl ziemlich gut im Training)
  • viele nasse Sachen (was nicht gewaschen werden muss, muss getrocknet werden)
  • ein kaputtes Knie (Jule kümmert sich direkt um einen Arzttermin, bekommt allerdings nur einen für Ende des Monats)

Damit war’s das dann in diesem Jahr wohl mit Wandern. Zumindest Jule sollte sich jetzt erstmal schonen. Die ein oder anderes Tageswanderung wird wohl noch drin sein. Aber nach zwei Streckenwanderungen in diesem Sommer muss es reichen – leider.

Doch ich könnte direkt wieder los. Wohin? Wie bald? Wie lange? Mal sehen…

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