Ultraleichte Regenröcke nähen

Regenrock statt Regenhose

Auf die Geschichte mit den Regenröcken bin ich schon vor etwas längerer Zeit gestoßen, als ich ein Buch gelesen habe. In ihrem Buch „Weite Wege wandern“ berichtet die Autorin Christine Thürmer, dass sie einen Regenrock verwendet. Im Notfall schlingt sie sich einfach eine aufgeschnitte Mülltüte um die Beine. Eine Mülltüte soll’s für uns jetzt gerade nicht sein, daher recherchiere ich ein bisschen und lande bei einem Produkt aus den USA, das gerademal 52 g wiegt. Als Bezugsquelle tun wir einen Outdoorladen in Krefeld auf, der auf ultraleichte Ausrüstung spezialisiert ist. Als wir dort jedoch noch vor dem Schluchtensteig aufschlagen, ist der Mitarbeiter, dedr die Beratung durchführt nicht da und wir ziehen unverrichteter Dinge wieder ab. Außerdem sollte der Regenrock über EUR 120,- kosten. Das ist viel Geld. Also recherchiere ich weiter.

Regenröcke sollen unstreitbare Vorteile beim Wandern haben.

  • Sie sind schnell angezogen. Man schlingt sich einfach um die Hüfte. Man muss nicht durchsteigen oder Schuhe ausziehen.
  • Man kann sie aus extrem leichten Materialien machen. Denn sie sind von sich aus gut belüftet, so dass die Oberschenkel nicht so schwitzen.
  • Man kann sie schnell selbst herstellen und muss eigentlich nicht einen Haufen Geld für neue Ausrüstung ausgeben.

Ich stoße auf den Blog von Bergreif. Hier gibt es nicht nur eine Nähanleitung, sondern auch einen Tipp, wo man entsprechende Stoffe bestellen kann. Die Stoffproben, die ich mir aussuche, sind innerhalb von zwei Tagen da. Ich bestelle daher zwei Stoffe mit je einen Meter Länge. Jule möchte das teure Dyneema, während ich mich für sehr günstiges Tyvek entscheide. War der Laden beim Versand der Proben superschnell, so lange warte ich nun auf meine Bestellung. Der Schluchtensteig rückt immer näher. Erst einen Tag vor unsere Abfahrt trifft das Paket mit den Stoffen und dem Nähzubehör endlich ein. Direkt nach meiner Arbeit verschwinde ich also im Nähzimmer.

Regenrock aus Tyvek im Schnelldurchlauf

Ich entscheide mit dem günstigen Tyvek und damit bei mir anzufangen. Wenn ich hier was falsch mache, verschneide ich nicht gleich einen Stoff, der 40,-/m kostet. Und ich kann notfalls meine Regenhose mitnehmen.

Der Zuschnitt bei mir ist denkbar einfach. Ich messe meinen Hüftumfang, addiere 35 cm für das Überlappen und 3 cm für die Naht und scheide den überflüssigen Teil ab. Die Länge von 1 m lasse ich einfach so. Abschneiden werde ich den unteren Saum erst, wenn er obenrum fertig ist und ich ihn direkt am Körper abmessen kann.

Die Seiten versäubere ich einfach. Ich schlage nur einmal um und fixiere die Kante mit einem abgewandelten Zickzackstich. Tyvek lässt sich falten wie Papier. Ich brauche beim Nähen nicht mal Nadeln.

Den oberen Saum schlage ich zweimal statt einmal um und nähe hier mit einem Geradstich, so dass sich ein Tunnel bildet. Unterhalb des Tunnel nähe ich an der Ecke die raue Seite eines Klettstreifen an. Er kommt auf die Außenseite und zeigt vom Körper weg. Dann schlinge ich den Rock das erste Mal um mich und markiere direkt auf dem Stoff, wo das Gegenstück des Klett sitzen muss. Die Länge des Kletts habe ich übrigens ganz einfach bestimmt. Ich hatte noch ein Reststück, dass ich in der Mitte durchgeschnitten habe. Das passte so ganz gut. Für die genauen unter euch: Der Klettstreifen ist etwas 7 cm lang. Im Anschluss nähe ich den weichen Teil an der anderen Ecke fest. Der zeigt dieses Mal zum Körper hin und befindet sich auf der Innenseite. Auch hier tarriere ich mittels Anprobe aus, wo das Gegenstück hin muss.

Jetzt kommt ein dünnes Gummiband, dass ich direkt mitbestellt habe, in den Tunnel. In der Mitte schneide ich einen Loch in den Tunnel. Hier ziehe ich einen Schlaufe des Gummis raus. Der Schnitt muss nicht versäubert werden, Tyvek franst nicht aus. Die Enden des Gummis fixiere ich an den Enden des Tunnel mit engem Zickzackstich. In die Schlaufe führte ich einen Feststeller ein.

Mein Rock ist damit fast fertig. Ich ziehe ihn an und markiere die Länge kurz unterhalb des Knies. Hier säume ich wieder einfach mit Zickzackstich und fertig ist das Teil.

Aus den Resten nähe ich noch schnell einen Beutel. Die Anleitung dazu findet man ebenfalls bei Bergreif.de am Ende der Regenrock-Anleitung.

Der Rock wiegt jetzt einen Bruchteil meiner Regenhose und verpackt nimmt er gerademal einen Viertel des Platzes ein.

Regenrock Nr. 2 – Arbeit mit Dyneema

Bei Jule gehe ich nach dem gleichen Muster vor. Da Jules Hüftumfang größer ist als meiner, passt die Stoffbreite von 140 cm ziemlich gut. Ich muss nur die Webkante wegschneiden, dann passt das schon.

Beim Schneiden merke ich allerdings sofort, warum man beim Arbeiten mit diesem Material andere Scheren als gewöhnliche Stoffscheren empfiehlt. Schneiden geht gar nicht. Die Fasern lassen sich nicht durchtrennen. Stattdessen gleite ich an der Webkante entlang und bin froh, dass ich kein Schnittmuster mit Kurven habe.

Das Umknicken und Nähen ist ebenfalls deutlicher flutschiger als mit Tyvek, aber meine Maschine und ich kriegen das hin. Zum Anpassen der Klettverschlüsse muss mir Jule allerdings Modell stehen, was sie brav tut.

Weiter geht es mir dem Einziehen des Gummi, dem Schlitz (den muss ich mehrmals nachschneiden), dem Fixieren der Enden und dem Einsetzen des Feststellers.

Nachdem ich Jules Rock auf Länge gebracht habe, bekommt dieser noch ein Special Feature. In einem Forum hatte ich den Tipp gelesen, Ösen an die Ecken zu Nähen, so kann man den Rock im Notfall aufspannen und als Unterstand verwenden oder Ausrüstung darunter trocken lagern und am Boden fixieren.

Mit den Ösen kämpfe ich allerdings. Es dauert eine Weile bis ich raus habe, wie ich die Ösen am besten lege und nähe. Die angenähten Schlauche schütze ich mit einem Dreieck aus doppelt gelegtem Stoff, den ich über die jeweilige Ecke nähe. Am Ende sieht das so aus:

Ganz zum Schluss bekommt auch Jule noch ein Packsäckchen genäht. Das ganze wiegt dann 37 g inkl. Beutel. Pro Rock ohne Ösen habe ich jeweils eine gute Stunde gebraucht.

Und so sehen wir zwei dann aus:

Okay, die Röcke sehen trotzdem aus wie Mülltüten, haben aber durch Klett und Gummiband doch etwas mehr Komfort. Wir haben die beiden Röcke ausgiebig auf dem Schluchtensteig getestet. Das passende Wetter dazu hatten (leider). Den Bericht zum Praxistest gibt es später.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: