Island 2018 – Tag 3

12.07.2018

Hraunfossar, weiter nach Snæfellsnes, Wanderung zur Eldborg, noch ein Wasserfall und ein Klippenspaziergang in Arnastapi

Oder: Wie viel Programm passt in einen Tag?

Unsere erste Nacht im Zelt lag hinter uns. Ich kann nicht mehr sagen, ob ich gut geschlafen habe. Ich weiß es nicht mehr. Aber Schlaf ist wie Zeit in Island relativ. Jedenfalls sah so unser „Zimmer“ für diesen Urlaub ziemlich gemütlich aus, dazu unser zuverlässiger Mietwagen.

Spaziergang in Húsafell

Am nächsten Morgen krabbelten wir etwas ungläubig aus dem Zelt: Es war sonnig und trocken. Wir konnten sogar draußen frühstücken und mussten nicht eingepfercht wie am Abend in der Hütte hocken. Danach entschieden wir uns für einen kurzen Spaziergang. Von dem Campingplatz aus führten zig Wege in die nähere und weitere Umgebung. Wir entschieden uns für einen flachen Rundweg, den Farmtrail, wobei man die Überreste einer alten Farm sehen konnte. Die Schlucht hätten wir zwar auch umrunden können, aber das wäre uns diesen Morgen zu viel gewesen. Uns, aber vor allem Jules Oberschenkel, steckte noch der Glymur in den Knochen.

Tatsächlich schafften wir es, uns auf dem Rundweg zu verlaufen. Jedenfalls sind wir nicht dem vorgeschriebenen Pfad gefolgt. Die Ruinen selbst waren hervorragend beschildert.

Mit viel Freude machten wir die ersten Bekanntschaften mit Schafen und Pferden.

Was von weitem aussah wie eine Hobbit-Tür, entpuppte sich von Nahem als das Refugium eines Bildhauers und Künstlers, der in der Umgebung auch Findlinge zu Kunstwerken umgestaltet hatte.

Am Flusslauf fanden wir vielfarbige Steine. Jule machte daraus ein ganz eines Kunstwerk. Am Ende des Spaziergangs zog es sich prompt wieder zu. Das Zelt hatten wir aber schon trocken einpackt.

Nebenbemerkung: Isländer mögen keine Steinmännchen. An vielen Stellen gibt es sogar Schilder, die es verbieten, welche zu errichten. Hier gab es kein solches Schild.

Hraunfossar und Barnafoss

Hatten wir noch nicht genug Wasserfälle? Nein, heute war ein neuer Tag, da braucht man mehr Wasserfälle! Kurz hinter Húsafell liegen die Hraunfossar und der Barnafoss. Was das genau ist, lest einfach das Schild:

Dieser Spot ist übrigens touristisch sehr gut ausgebaut. Hier gibt es einen Parkplatz, geschotterte, mit Leinen abgetrennte Wege, Aussichtsplattformen. Einige kritisieren das. Denn hier ist die Natur und das Erlebnis nicht mehr „unberührt“. Die Tendenz in Island ist, immer mehr seiner Spots auf diese Weise zu zähmen. Nachdem, was ich in den 18 Tagen gesehen habe, wird das einzige sein, was die „unberührte“ Natur zu retten vermag, damit sie halbwegs unberührt bleiben kann. Hinter der Absperrung. Bevor ich hier allerdings in eine politische Diskussion über nachhaltigen Tourismus abdrifte, hier die Bilder der Hraunfossar:

Über eine kleine Brücke ging es weiter zum Barnafoss. Lest hier seine Geschichte:

Dem brodelnden Wasser des Barnafoss konnten wir uns nicht entziehen.

Für einen Vormittag war das genug Wasserfall. Unsere Tour führte auf die Halbinsel Snæfellsnes, das Tagesziel war Arnastapi, allerdings gab es auf dem Weg dahin noch viel zu sehen.

Wanderung zur Eldborg

Auf der Fahrt nach Snæfellsnes schlug unser Reiseführer gleich zwei kurze Wanderungen vor. Jule entschied sich für die Wanderung zum Vulkankrater Eldborg. Im Gegensatz zu den Hraunfossar war hier nur sehr wenig los. Nachdem wir uns mit Müsli im Auto gestärkt hatten, ging es durch Büsche und auf einem ausgetretenen, matschigen Pfad langsam, aber stetig aufsteigend zum Vulkanrand.

Einn letzter mühevoller Anstieg noch… dann standen wir am Kraterrand. Trotz tiefhängender Wolkendecke, bekamen wir einen guten Eindruck von der Wildheit von Islands Landschaft.

Mit Blick zum Nebenkrater ging es wieder steil bergab und durch die Büsche zurück zum Auto.

Auf Snæfellsnes am Bjarnarfoss

Wir fuhren weiter an der Südküste Snæfellsnes Richtung Arnastapi, unserem heutigem Übernachtungsziel. Hier wollten wir die schönste Wanderung Islands beschreiten, dem Klippenpfad nach Hellnar und ma nächsten Tag den Snæfelljökull bestiegen. Doch zunächst kam uns noch ein Wasserfall in die Quere: der Bjarnarfoss.

Auf der anderen Seite der Straße befand sich in ca. 2 km Entfernung der Schlackekrater Budáklettur.

Die Ankunft in Arnastapi war etwas schwierig. Denn wir konnten zunächst nicht herausfinden, wo der Campingplatz war. In meinem Reiseführer stimmte nichts mehr. Es war erstaunlich, wie schnell die Tourismus-Industrie Island verändert. Als wir endlich alles geklärt hatten (wir zahlten nur für eine Nacht, obwohl zwei Übernachtungen hier fest eingeplant war), mussten wir feststellen, dass der Boden überall sehr durchweicht war. Aber schließlich fanden wir ein Plätzchen. Die Autos durften die Wiesen jedoch nicht befahren. Zu groß war die Gefahr, dass man stecken blieb. Der Dauerregen hatte Spuren hinterlassen. Zum Zeltaufbau war es wenigsten gerade nicht am Schütten, nur Nieseln. Da hatten wir mal Glück.

An dieser Stelle stellen wir fest, dass wir das Feuerzeug für unseren Brenner vergessen hatten. Arnastapi war zwar mit Bustouristen überlaufen, doch eine Einkaufsmöglichkeit gab es nicht, nicht mal ein Kiosk. In einem nahegelegenen Restaurant half uns ein Kellner aus, mit dem Versprechen das Feuerzeug nach Anzünden unseres Brenner das Feuerzeug unverzüglich zurückzubringen. Wie wir am nächsten Tag an Kaffee kommen sollten, war uns ein Rätsel. Auch in einem anderen Restaurant konnte man uns nicht helfen. Nur die Auskunft, dass die nächste Einkaufsmöglichkeit 50 km weit weg war (und in Island ist das sehr weit), bekamen wir gratis. Das Problem mussten wir also auf morgen vertagen. Am Abend verließen die Touristenbusse langsam den Ort und wir hatten an den Klippen unsere Ruhe, die wir uns tatsächlich an diesem Abend noch anschauten. Es war gerade trocken (von oben). Die Prognose für die nächsten Tag hier auf Snæfellsnes sah aber düster aus. Vor allem hier im Süden der Halbinsel.

Vielleicht hätten wir von der Küste nichts gesehen, wenn wir uns am Abend nicht doch zu einem Spaziergang aufgerafft hätten. Eigentlich wollten wir bloß zum Meer bis zur Statue gehen, sind dann aber immer weiter Richtung Hafen gelaufen. So entstanden die folgenden Bilder zwischen 21:00 und 0:00 Uhr.

Die Basaltformationen im Meer vor Arnastapi werden von hunderten von Möwen belagert. Sie brüten hier und ziehen in den Felsen ihre Jungen groß.

Jede Felsformation, jedes Loch hat hier seinen eigenen Namen und für die Möwen scheint das ein netter Brutplatz zu sein.

Man möchte meinen, die Möwenküken wären hier sicher. Ein Wiesel, das unseren Weg kreuzte, strafte diese Annahmen Lügen. Nachdem es in uns keinen Feind erkannt hatte, lief es schnell außer Sicht. Kurze Zeit später erschien es wieder: ein flauschiges, weißes Abendessen im Maul.

Wir krochen nach dem Spaziergang gegen 0:00 Uhr in unser klammes Zelt und hofften auf besser Wetter.

Für den nächsten Tag hatten wir die angeblich beste Wanderung auf ganz Island geplant: die Küste entlang bis Hellnar. Einen kleinen Eindruck von dieser spektulären Küste hatten wir ja gerade gewonnen. Außerdem wollten wir zu dem berühmten Vulkankrater Snæfellsjökull. Den konnten wir zwar noch nicht sehen, wohl aber zeigte sich an diesem Abend noch der Hausberg Stapafell. Vielleicht würde das Wetter endlich mitspielen. Ob daraus was wurde? Das könnt ihr in unserem Bericht über unseren 4. Island-Tag lesen.

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