Praxistest Regenrock

Im letzten Jahr habe ich für unseren Trekking-Trip auf dem Schluchtensteig im Vorfeld für jeden einen Regenrock genäht. Wie dieses Nähexperiment ablief, könnt ihr hier nachlesen.

Dank des verregneten Sommers kamen unsere neuen Ausrüstungsgegenstände auch direkt zum Einsatz, so dass ich nun vom praktischen Gebrauch ausführlich berichten kann.

Packmaß und Gewicht

links: Regenrock, rechts: Regenhose

Was soll ich dazu schreiben? Hier einfach die nackten Zahlen:

  • Rock aus Tyvek inkl. Packsack: 54 g, Packmaß: 9×3,5×11,5cm
  • Rock aus Dyneema inkl. Packsack: 37 g, Packmaß: 8×2,5x10cm
  • Meine Regenhose inkl. Packsack: 356 g, Packmaß: 11x6x17cm

Noch Fragen?

Anwendung und Tragekomfort

Ein Regenrock ist blitzschnell angezogen. Wenn man ihn griffbereit in der Tasche hat, geht das in unter einer Minute. Und zwar so: raus auf dem Beutel, ausschütteln, Innen- und Außenseite identifizieren, Hüftgurt vom Rucksack lösen, Rucksack am Rücken hochschütteln, um die Hüften legen, zukletten, hinten nach vorne drehen, Gummi zuziehen, weiterlaufen. Rucksack, Schuhe, das kann alles anbleiben. Man muss nicht vorsichtig durch ein Hosenbein steigen oder mit langen Reißverschlüssen kämpfen. Raus, rum, zuziehen, fertig.

Man spürt einen Regenrock kaum. Das Gewicht ist eh gering und es kommt viel Luft rein. Erst wenn man ihn auszieht, merkt man, dass die Oberschenkel auf einmal kühl werden. Aber man schwitzt nicht darin wie in einer Regenhose.

Unsere Regenröcke sind hinten offen. Dadurch ist die Schrittlänge nicht begrenzt und man kann auch klettern. Bei Hinsetzen lege ich bei Schmuddelwetter eh immer ein Sitzkissen unter, also stört mich das nicht. Es gibt aber auch geschlossene Modelle mit Reißverschluss. Dadurch, dass ich ihn vollständig öffnen kann und er ein Rechteck ist, habe ich ihn in der Zeltabside als Unterlage für meinen Rucksack verwendet. Das passt genau. Jules Rock hat zusätzlich Schlaufen und könnte sogar wie eine Plane abgespannt werden.

Design

Naja, über Geschmack lässt sich wohl streiten, aber für mich sieht mein Rock aus Tyvek aus, als hätte ich mir eine Einmaltischdecke für Kirmesbänke um die Hüften geschlungen. Jules Rock in dezentem durchscheinendem Olivgrün macht den Eindruck von einer aufgeschnittenen Mülltüte. Aber wir sind auch nicht auf dem Laufsteg unterwegs, sondern auf Wanderpfaden. Wenn ihr lieber sexy statt trocken rumlaufen wollt, fahrt an die Disko.

Einen Nachteil hat der aus Tyvek aber zugegebenermaßen wirklich: das Weiß wird sehr schnell schmutzig und sieht schnell schmuddelig aus.

Regenschutz

Beim Regenrock geht es nicht ums Aussehen, sondern um den Regenschutz. Den konnten wir auf der 2. Etappe des Schluchtensteigs ausgiebig testen.

Die Oberschenkel werden bei Regen als erstes nass. Das hat jeder schon mal erlebt, der im Regen gelaufen ist. Ein Schirm schützt etwa bis zur Taille, aber die Oberschenkel werden nass. Ein Regenrock verhindert das. Daher sollte er auch min. Knielänge haben. Viel länger bringt aber nicht viel. Dann kann man schlecht laufen. Außerdem werden die Unterschenkel bei einem Regenguss eh kaum nass. Die bekommen nur ein paar Tropfen oder Spritzwasser von den Schuhen ab. Ich persönlich mag die Kombination mit einer Wanderleggings. Da der Rock über dieser weit absteht, bekommen die Unterschenkel auch kaum Tropfwasser ab, das vom Rock abläuft.

Unsere Regenröcke sind hinten offen. Über dem Po liegt das Material doppelt, aber darunter eben nicht. Aber: Die hinteren Oberschenkel werden eh nicht so nass, meist werden sie durch einen Rucksack gut geschützt. Beim Hinsetzen sollte man das aber nicht vergessen, sonst hat man schnell einen nassen Po und Oberschenkel.

Und die Schuhe? Bei dem Regen und den Pfützen, die wir auf dem Schluchtensteig abbekommen haben, kam es auf ein paar Tropfen, die vom Regenrock abtropften, nicht darauf an. Unsere Schuhe waren nass. Ich persönlich meine sogar, dass über die Regenröcke weniger Wasser auf die Schuhe kommt. Mein persönliches Empfinden ist, dass an einer Regenhose das Wasser eher die ganze Strecke bis nach unten zum Saum läuft und dann direkt auf die Schuhe oder gar von diesen direkt aufgenommen wird, da die Regenhose meist die Wanderschuhe bedeckt und auf diesen endet. Dann bleibt vielleicht der Schaft trocken, aber der untere Teil des Schuhe ist irgenwann nass. Willst du komplett trockene Füße, nimm Schuhe mit Membran oder zieh Gamaschen an. Bei Regen werden die Füße irgenwann nass, aber das liegt dann nicht an am Regenrock.

Nachteile

Ja, natürlich, es gibt Nachteile. Ein paar habe ich bereits anklingen lassen. Den größten Nachteil haben die Regenröcke bei Sturm. Dann fangen sie an zu flattern. Kommt der Wind von vorne, ist das nicht so schlimm. Der Rock wird gegen die Beine gepresst. Dann läuft aber viel Regen auf die Unterschenkel ab. Kommt der Wind von hinten oder von der Seite, kann es passieren, dass der ganze Rock hochflattert. Seine Stärken kann der Rock auch nicht bei kalten Nieselwetter ausspielen. Stellen wir uns mal 2-4°C-Tag mit feinem Dauerniesel, der einen vollständig einhüllt und überall hinkriecht, vor. Dann würde ich als Isolator und Feuchtigkeitsschutz eine Regenhose bevorzugen.

Fazit: 5 Sterne für den Regenrock

Bewertung: 5 von 5.

Die Regenröcke waren die besten Ausrüstungsgegenstände, die ich letztes Jahr genäht habe. Bei Regen will ich nichts mehr anderes anziehen. Gerade wenn die Temperaturen über 15°C steigen, sind sie viel luftiger als Regenhosen. Auch bei wechselndem Wetter sind die großartig, den sie sind schnell an- und ausgezogen, was die Gefahr eines Hitzestaus unter den Regenklamotten minimiert. Gewicht und Packmaß sind unschlagbar und auch in der Anschaffung recht günstig. Für den Tyvekrock habe ich weniger als EUR 10,- fürs Material gezahlt, fürs Nähen habe ich gerademal eine Stunde gebraucht.

Wir haben die Regenröcke jetzt immer dabei. Demnächst werden wir sehen, ob ein Regenrock auch die richtige Wahl bei einem Tropenregen ist.

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