Der 101. Beitrag – und kein bisschen müde?

Ja, vielleicht doch, manchmal. Aber es macht immer noch Spaß! Auch wenn ich mich manchmal wie 101 fühle.

Aber heute ist nicht mein 101. Geburtstag, sondern mein 101. Beitrag in diesem Blog.

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Was als Corona-Lockdown-Projekt begann, ist mittlerweile fester Bestandteil meines Lebens. Ich habe festgestellt, das Blogschreiben ist für mich ein bisschen wie Tagebuchschreiben. Ich nutze euch hier als Zuhörer, wenn ich eine gute Geschichte erzählen möchte – und vielleicht ein bisschen als Therapeut. Also beschwert euch nicht, wenn euch die Beiträge zu lang sind. So schreibe ich halt und ich hoffe, dass der ein oder andere den ein oder anderen Beitrag mit Interesse gelesen hat. Oder vielleicht haben euch wenigstens die Bilder gefallen.

In der Zwischenzeit ist die Pandemie deutlich abgeflaut und beeinflusst unser aller Leben nicht mehr so stark. Andere Hobbys sind wieder in den Vordergrund gerückt. Vor allem sind wir wieder mehr im LARP, Mittelalter und Steampunk unterwegs und nicht mehr so häufig wandern und auch nicht mehr so oft zuhause eingepfercht. Trotzdem werden wir auch dieses Jahr noch das ein oder andere Mal unterwegs sein und ich werde versuchen, weiter euch mit Berichten darüber zu nerven.

Zum Fotografieren kommt Jule im Moment nur noch selten. Zum Glück ist noch ein reicher Vorrat an tollen Aufnahmen auf der Festplatte vorhanden, so dass diese Serie erstmal nicht abreißen wird.

Während digitale Bilder nicht verblassen, tun das doch Erinnerungen. Daher scheitere ich manchmal an meinem Erinnerungsvermögen, wenn ich Blogbeiträge zu einige Erlebnisse zu schildern möchte. Bei der Island-Reihe war das zum Glück nicht so, sondern sogar ziemlich einfach: Ich habe bereits kurz nach der Reise ein dickes Foto-Album gemacht, in dem sich bereits sehr viele Texte finden, die ihr hier später nachlesen konntet. Ein ganz ähnliches Album gibt auch für unseren Mallorca-Wanderurlaub. Mit dem anfange ich dann wohl nächstes Jahr an. Mit Island bin ich Ende des Jahres durch.

Ihr seht, da kommt noch einiges auf euch. Ganz unter dem Motto:

Wir-mal-anders-was-machen-weiter

Also, in diesem Sinne: Hoch die Tassen! Auf euch treue Leser, auf Jule und mich und auf Mal Anders Was Machen!

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Traumziel Seychellen – Wanderung Copolia Trail

08.03.2022

Die ersten zwei Wochen des März waren Jule und ich auf den Seychellen. Wenn man „Reiseziel Seychellen“ hört, denkt wohl eher an weiße Sandstrände, Palmen, blaues Meer und Luxushotels. Als Aktivität würde einem sicher Schnorcheln und Tauchen einfallen. Aber Wandern? So ungefähr formulierte es mein Reiseführer: „Die Seychellen nicht gerade als Wanderdestination bekannt, aber man wäre dumm, es nicht zu tun.“

Tatsächlich gibt es ausgewiesene Wanderstrecken. Diese findet man alle in einem kleinen englischsprachigen Wanderführer, den man sich frei herunterladen kann. Auf Mahé, der Hauptinsel und unserem Standort, gibt es neun ausgewiesene Wanderrouten. Andere Strecken werden nicht von offiziellen Stellen gepflegt und werden mit ortskundigem Führer empfohlen.

Allein fünf der neun Wanderungen starten an der Sans Soucis Road, die von Hauptstadt Victoria nach Port Glaud über einen Bergrücken führt. Sie ist durchgehend geterrt und zweispurig, trotzdem bietet dank ihrer steilen Serpentinen einigen Fahrspaß.

Pause an der Mission Lodge

Wir haben bereits eine Wanderung in den Knochen. Der Aufstieg zum Morne Blanc hat uns ganz schön ins Schwitzen gebracht. Aber zumindest hat es aufgehört zu regnen und der Tag entwicklet sich prächtig. Nach dieser ersten Anstregungen stoppen wir zunächst bei der Mission Lodge.

Unter dem Namen „Venn’s Town“ wurde 1876 diese Siedlung durch die Church Missionary Society gegründet. Sie sollte dazu dienen, aus der Sklaverei befreiten Kindern einen Platz zum Leben zu bieten. Der Kern der Siedlung war daher die Schule, wo die Kinder unterrichtet wurden. Nach nur 20 Jahren wurde die Schule allerdings geschlossen und die Siedlung verfiel. Erst 100 Jahre später wurden die Ruinen zum nationalen Denkmal erklärt und der Öffentlichkeit zugänglich gemacht. Im Moment finden wieder Ausgrabungen und Sicherungsmaßnahmen an den Ruinen statt.

Wir schlendern ein wenig zwischen den Ruinen umher und genießen diese Pause nach unserem Aufstieg zum Morne Blanc. Auch an dieser historischen Stelle soll ein Geocache versteckt sein. Die Suche bleibt allerdings erfolglos. Umso schöner ist dafür allerdings die Aussicht und riesigen Bäume, die hier in diesem Areal wachsen. Auch der Regen hat gänzlich nachgelassen.

Auf zum Copolia Trail

Nach dieser kulturellen Pausen machen wir uns wieder auf den Weg. Eine zweite Wanderung steht noch auf dem Plan: Der Copolia Trail!

Auch der Einstieg zum Copolia Trail liegt an der Sans Soucis Road. Am Einstieg gibt es nicht nur einige wenige befestigte Parkplätze, hier steht auch ein Häuschen, wo man Eintritt zahlen muss. Dafür ist der Weg nicht nur top gepflegt, sondern auch mit Info-Schildern zu Flora und Fauna gespickt.

Am Beginn freue ich mich nicht nur darüber, dass der Regen vom Morgen endlich der Vergangenheit angehört, sondern auch, dass es über Treppen zunächst bergab in den Wald geht. Der Weg scheint gut ausgebaut zu sein, bald begegnen wir den ersten Schildern, die uns Flora und Fauna erklären. Doch ganz so einfach macht es uns der Copolia Trail nicht. Auch er steigt bald steil an und es geht über Wurzelnn und Steine hinauf.

Da ist ein Schild, das Jule entdeckt, eine willkommende Gelegenheit, um eine Pause einzulegen. Auf dem Schild ist ein weißer Vogel abgebildet. Diesen haben wir heute und gestern oft gesehen und uns nach seinem Namen gefragt. Nun wissen wir es: Es ist der White-Tail-Tropic-Bird. Also, wörtlich übersetzt: Weißer-Schwanz-Tropischer-Vogel. Nun ja, englische Namensgebung kann manchmal etwas fantasielos los, wie Jules Foto zeigt.

Es sind wieder etwa 40 Minuten, die wir uns den steilen Weg verbissen durch den Wald kämpfen. Am Ende kommt nochmals eine besondere Herausforderung. Eine Treppe möchte ich das nicht nennen. An einem großen Felsen ist eine Steighilfe angebracht, mit deren Hilf wir uns durch einen Felsspalt zwängen müssen.

Doch dann öffnet sich der Blick und wir haben das Felsplateau erreicht!

Nur noch ein paar Schritte über die blanken Felsen, dann liegt Victoria zu unseren Füßen. Während Jule die Kamera auspackt, erkunde ich das Plateau und „erledige“ einen Geocache, der an einem Steinmännchen versteckt ist. Der Teil mit der Namensgebung setzt sich fort. Der Cache heißt ganz simple „Steinmännchen 2“.

Hier oben lässt es sich aushalten. Wir betrachten eine ganze Weile Victoria von oben und machen ein paar tolle Fotos von ziemlich coolen Villen. Der Friedhof, mit seiner bunten Blumendekoration, sieht von hier oben richtig toll aus.

Ich bedauere nur, dass ich keine Kannenpflanzen gesehen habe. Diese fleischfressenden Pflanzen sind endemisch und sollen hier eigentlich überall wachsne. Tun sie auch. Ich gucke nur nicht richtig hin. Ich habe nach großen hängenden Pflanzen Ausschau gehalten. Aber bei dieser Art handelt es sich um eine, die bodennahe Büsche bildet. Erst als wir gehen und durch ein Schild darauf hingewiesen werden, sehe ich sie auf einmal überall.

Beim Rückweg gilt es nochmals die ganze Konzentration zusammenzunehmen, denn der Abstieg ist nicht gerade leicht und Kopf und Beine sind müde.

Als wir das Auto erreichen, packen die Kassenleute gerade zusammen und wir freuen uns auf die Klimaanlage.

Ein perfekter Ausklang

Da wir heute noch das Auto haben, machen wir einen neuen Anlauf, außerhalb des Hotels zu essen. Nachdem wir im Hotel aus den völlig verschwitzten Sachen raus sind und eine Dusche genossen haben, schmeißen wir uns in Schale und fahren nochmals los. Das Restaurant, das ich ausgewählt habe, ist auf der anderen Seite der Bucht. Theoretisch könnten wir es wohl von unserem Strand aus sehen. Aber mit dem Auto muss man einmal über den Berg fahren. Zum Glück finden wir es schnell in der Dunkelheit. Es ist ziemlich voll, so dass wir nur einen Platz direkt an der Küche ergattern. Wir sind total overdressed, denn es handelt sich eher um eine Strandbar als ein Luxusrestaurant. Das Curry ist aber spitze und von der hausgemachten Limonade kann ich nicht genug bekommen. So klingen zwei wunderbare Seychellen-Wandertage aus. Morgen werden wohl unsere Strandliege kaum verlassen, denn wir müssen uns von dieser Anstregung erstmal erholen. Zwar haben wir noch einen weiteren Ausflug geplant, den kann man allerdings bequem mit dem Bus erledigen.

Ich bin sehr gespannt, was uns die Seychellen noch bieten werden. Das, was wir bisher gesehen haben, macht Lust auf Me(h)r.

Traumziel Seychellen – Wanderung Morne Blanc

08.03.2022

Die ersten zwei Wochen des März waren Jule und ich auf den Seychellen. Wenn man „Reiseziel Seychellen“ hört, denkt wohl eher an weiße Sandstrände, Palmen, blaues Meer und Luxushotels. Als Aktivität würde einem sicher Schnorcheln und Tauchen einfallen. Aber Wandern? So ungefähr formulierte es mein Reiseführer: „Die Seychellen nicht gerade als Wanderdestination bekannt, aber man wäre dumm, es nicht zu tun.“

Tatsächlich gibt es ausgewiesene Wanderstrecken. Diese findet man alle in einem kleinen englischsprachigen Wanderführer, den man sich frei herunterladen kann. Auf Mahé, der Hauptinsel und unserem Standort, gibt es neun ausgewiesene Wanderrouten. Andere Strecken werden nicht von offiziellen Stellen gepflegt und werden mit ortskundigem Führer empfohlen.

Allein fünf der neun Wanderungen starten an der Sans Soucis Road, die von Hauptstadt Victoria nach Port Glaud über einen Bergrücken führt. Sie ist durchgehend geterrt und zweispurig, trotzdem bietet dank ihrer steilen Serpentinen einigen Fahrspaß.

Diesen Fahrspaß genießt Jule heute bereits zum zweiten Mal. Nachdem wir gestern Abend noch auf der Rückfahrt von Anse Major uns die Einstiegspunkte an der Sans Soucis Road angeschaut haben, geht es heute bei trüben Wetter wieder los. Es ist regnerisch und tröpfelt leicht. Trotzdem liegen die Temperaturen bei knapp 30°C. Als wir daher unser Auto am Einstiegspunkt am Straßenrand geparkt haben, (natürlich brauchen wir auch heute wieder mehrere Anläufe, da wir wieder am „Wanderparkplatz“ vorbeigerauscht sind) kleben wir bereits, da haben wir noch nicht mal die Rucksäcke aufgesetzt. An der Wandertafel verschaffen wir uns einen kurzen Überblick. Der Aufstieg beträgt laut Tafel 630 Höhenmeter. Im Wanderführer steht aber 447 Höhenmeter für Auf- und Abstieg. Ich weiß nicht, was stimmt. Aber egal, sicher ist: Der Aufstieg zum Morne Blanc ist nicht lang, aber es wird wohl gleich ziemlich steil werden.

Der Beginn des Trails wird auch direkt Stufen markiert. Die Stufen reichen Jule bis zum Knie. Das ist nicht gerade Normhöhe.

Wir schwitzen und steigen Stück für Stück die angeschlagenen 800 m den Berg hoch. Alle 200m gibt es ein Schild, dass uns die verbleibenden Meter zum Gipfel anzeigt. Ich bin sehr froh über meine Stöcke. Ich ramme sie in den Boden und schiebe mich mit den Armen hoch. Über Steine, Wurzeln, Stufen und kleine Brücken…

Ich habe diese Seychellen und die Wanderungen hier deutlich unterschätzt. 1 km? Das ist für mich normalerweise keine Wanderung, sondern ein Spaziergang ins Dorf. Aber hier sind nicht nur Höhenmeter ohne Ende zu absolvieren, es sind auch 28°C bei 100% Luftfeuchte. Denn der Nieselregen begleitet uns zum Gipfel. So vergehen etwa 40 min bis es endlich flacher wird und wir den Gipfel und die Aussichtsplatform erreichen.

Die Aussicht wird leider durch tiefhängende Wolken eingetrübt. Trotzdem genießen wir es, hier oben zu sein.

Unser Blick fällt von oben auf die Westküste, wo sich unter den Wolken eine Traumküste abzeichnet. Allerdings entdecken wir auch eine Hotelruine, die wie in Gerippe wirkt. Später erfahren wir, dass das Hotel nie fertiggestellt wurde. Ein tschechisches Pärchen ist ebenfalls hier oben. Sie lassen eine Drohne aufsteigen und helfen uns, den Geocache hier oben zu suchen. Leider bleiben wir vier erfolglos. Also genießen wir noch etwas die Aussicht und den nachlassenden Regen.

Als es endlich aufgehört und Jule ihre Kamera mit Teleobjektiv ausreichend bespielt hat, geht’s auf dem demselben Weg zurück zum Auto. Am Vermessungspunkt halte ich nochmals kurz inne. Mein GPS sagt mir, dass wir auf 681 m über NN sind. Uff!

Runter ist die Sache übrigens auch nicht viel leichter. Auch hier sind unsere Stöcke sehr hilfreich. Gerade durch die Feuchtigkeite ist der Weg an viele Stellen ziemlich glitschig. Allerdings hat es von oben aufgehört zu regnen. Wir konzentieren uns daher völlig auf den Abstieg.

Unten angekommen freuen wir uns sehr über unsere Klimaanlage. Fast 2 h waren wir unterwegs – für 1,6 km! Okay, wir haben oben auch eine Dreiviertel Stunde Pause gemacht, trotzdem hat uns dieser Aufstieg sehr an den zur Ruine Koppenstein auf dem Soonwaldsteig erinnert. Hier unten sind wir bei 433 m über NN angekommen. Also haben wir insgesamt min. 496 Hm zurückgelegt. Der Wanderführer war dichter dran.

Eine echt tolle Tour. Kann man nur empfehlen. Wahnsinnig anstregend, aber ein toller Dschungel, ein gut gepflegter Weg, eine tolle Aussicht vom Gipfel und das Gefühl, das geschafft zu haben.

Es ist erst 13 Uhr, also haben wir noch den halben Tag vor uns. Wir fahren also weiter und besuchen zunächst die Mission Lodge, die ebenfalls hier an der Sans Soucis Road liegt. Hier am Aussichtspunkt zwischen den historischen Ruinen verschnaufen wir, bevor wir die zweite Wanderung in Angriff nehmen: Den Copolia Trail! Aber dazu gibt’s später mehr.

Fotos – Wohin der Weg?

Von Karl Ernst Knodt, 1910

Du fragst: Wohin der Weg?
… Das kann ich dir nicht nennen.
Denn Weg und Ziel muß doch
Ein jeder für sich kennen!

Nie liegt der Weg frei da:
Ein jeder muß ihn schaffen!
Der breite Weg, so nah,
Er ist doch nur für Laffen.

Du mußt dir deinen Pfad
Durch wildes Dickicht hauen
Und ohne Hilf‘ und Gnad‘
Ganz deiner Kraft vertrauen.

Denn unbetretnes Land,
Das wollen wir erkämpfen,
Und drum des Geistes Brand
Durch nichts uns lassen dämpfen.

Und willst du selbst mir nach,
So mußt du dich bereiten
Auf Schmerzen und auf Schmach,
Auf Öd‘ und Einsamkeiten.

Island 2018 – Tag 10

19.07.2018

Zum Strýtur und wieder zurück, eine irre Fahrt, ein Wasserfall und ein Geysir zum Abschluss

Oder: Ein isländischer Tag hat 24 h

Wanderung zum Strýtur über das Lavafeld Kjalhraun

Am nächsten Morgen empfängt uns wieder trübes Wetter. Die Wolken hängen tief. Vom Langjökull und Hofsjökull ist kaum etwas zu sehen. Wir wollen eine Wanderung zum Krater Strýtur machen, eine einfache Tour über das Lavafeld Kjalhraun. Wir folgen roten Stöckchen. An vielen Stelle liegt noch Schnee. Der Weg steigt allerdings stetig an und macht die Sache etwas mühsam.

Am Kraterrand machen wir eine Pause. Und es klart etwas auf. Die umliegenden Gletscher trauen sich hinten den Wolken hervor. Die Weite, die man hier erlebt, ist unglaublich. Zum Glück begegnen uns Leute, die uns sagen, dass wir denselben Weg zurück müssen. Wir wären einfach weitergelaufen, in der falschen Annahme, dass es sich um einen Rundweg handelt.

Fahrt nach Kerlingarfjöll

Zurück in Hveravellir brechen wir unser Zelt ab und folgen der Hochlandpiste F35, ab hier heißt sie „Kjölurpiste“, weiter gen Süden. Im Reiseführer stand etwas von einem weiteren, spektakulären Hochtemperaturfeld. Nach längerer Dikussion entscheiden wir uns für diesen Abstecher. Die beste Entscheidung unserer Lebens. Jetzt haben wir es wirklich mit einer Hochlandpiste zu tun. Bis zum Campingplatz geht das alles ja noch. Unser SUV kann zeigen, was alles in ihm steckt und Jule zeigt, was für eine gute Fahrerin sie ist. Hinter dem Campingplatz geht es hoch. Uns kommt ein Bus entgegen. Ein Bus! Irre. Wir landen am Ende der Straße auf einem Parkplatz. Es ist windig, aber auch etwas  sonnig. Es ist „ganz nett“ hier oben. Wir sind auf rund 1.000 m.

Nach ein paar Schritten sehen wir Kerlingarfjöll  und sind begeistert. Sprachlos sehen wir die gelben Hügel. Und die Treppen. Hier oben liegt noch Schnee. Leider finden wir den Rundweg durch das Hverasvæði nicht. Der Weg endet an einem Schneefeld, auf das wir uns nicht trauen. Aber egal. Die Bilder sprechen für sich.

Jule macht sich etwas vorzeitig auf den Rückweg. Nach einem Besuch des Klohäuschen (ja, auf dem Parkplatz stand ein einsames Klohäuschen) schälft Jule sofort im Auto ein, während Christin die SD-Karte ihrer Kamera noch weiter füllt.

Zurückfahren soll dann auch Christin. Mit schweißnassen Händen geht es langsam bergab. Das ist Nervenkitzel pur. Jetzt liegen noch viel Kilometer vor uns, bis wir zum vorletzten Ziel für heute gelangen: dem Wasserfall Gulfoss.

Kulturschock am Gulfoss

Wir stoppen am Gulfoss. Ein richtiger Kulturschock liegt vor uns. Ein gigantisches Besucherzentrum liegt am Wasserfall, welches gerade auf doppelte Größe ausgebaut wird. Hunderte von Besuchern säumen die Aussichtsterrassen. Busse und Auto stapeln sich auf dem Parkplatz. Uns ist es egal. Es ist etwa 20 Uhr und wir kochen uns auf einer Bank eine Tütensuppe. Dabei beobachten wir das geschäftige Treiben. Wie ruhig war es doch im Hochland. Doch die Sonne gibt jetzt alles!

Hier ein paar Infos zum Gulfoss:

Midnight Tour zum Geysir

Auch der nächste Stopp erinnert uns daran, dass Island mittlerweile fest im Griff von Touristen ist, jedenfalls diese Spots auf dem sog. „Golden Circle“: Geysir, unser letztes Ziel für heute. Hier treffen wir auf Gruppen, die mit der „midnight tour“ aus Reykjavík auf dem Golden Circle unterwegs sind. Wir machen die Runde – zusammen mit ca. 100 anderen staunenden Menschen – und stehen am Strokkur, einem sehr aktiven und sehr zuverlässigen Geysir. Er gibt sich alle paar Minuten die Ehre. Das Hinweisschild weist die Unvorsichtigen daraufhin, dass das nächste Krankenhaus 62 km entfernt ist. Die Isländer haben Humor. Geysir selbst liegt ruhig da. Seit 2008 spuckt er entgegen seines Namens nicht mehr.

Gegen 23 Uhr erreichen wir den Campingplatz von Flúðir. Es ist kalt. Die Wiese ist sehr feucht und das WLAN funktioniert nicht. Wir frieren in dieser Nacht zum ersten Mal.

Im Nachhinein ist es schon irre, was man so in 24 h erleben so alles erleben kann. Nach diesen Tag brauchen wir dringend ein bisschen Pause. Daher wird der nächste Bericht ein kurzer. Der kommt nächsten Monat.

Traumziel Seychellen – Wanderung Anse Major

07.03.2022

Die ersten zwei Wochen des März waren Jule und ich auf den Seychellen. Wenn man „Reiseziel Seychellen“ hört, denkt wohl eher an weiße Sandstrände, Palmen, blaues Meer und Luxushotels. Als Aktivität würde einem sicher Schnorcheln und Tauchen einfallen. Aber Wandern? So ungefähr formulierte es mein Reiseführer: „Die Seychellen nicht gerade als Wanderdestination bekannt, aber man wäre dumm, es nicht zu tun.“

Tatsächlich gibt es ausgewiesene Wanderstrecken. Diese findet man alle in einem kleinen englischsprachigen Wanderführer, den man sich frei herunterladen kann. Auf Mahé, der Hauptinsel und unserem Standort, gibt es neun ausgewiesene Wanderrouten. Andere Strecken werden nicht von offiziellen Stellen gepflegt und werden mit ortskundigem Führer empfohlen.

Allein fünf der neun Wanderungen starten an der Sans Soucis Road, die von Hauptstadt Victoria nach Port Glaud über einen Bergrücken führt. Sie ist durchgehend geterrt und zweispurig, trotzdem bietet dank ihrer steilen Serpentinen einigen Fahrspaß.

Unsere zweite Wanderung startet allerdings nicht an der Sans Soucis Road, sondern in Bel Ombre. Der Trail zur Anse Major mag vielleicht die bekannteste Wanderung der Seychellen auf Mahé sein. Hier geht nicht nur um den Weg, sondern viel mehr um das Ziel. Dieses ist die Bucht von Anse Major mit zwei Traumstränden. Es gibt eine kleine Beachbar sowie Sanitäranlagen. Außer mit dem Boot, kommt man hier nur zur Fuß hin. Der Weg ist etwa 2 km lang und führt hoch über die Steilküste, immer an einer Wasserleitung entlang. Der Trail startet war bei nur 64 Hm und endet am Meer, trotzdem kommt man insgesamt auf 436 Hm Auf- und Abstieg.

Roadtrip im Norden von Mahé

Bereits am Morgen haben wir uns „warmgelaufen“. Wir sind eine kleine Wanderungen zum Felsplateau unterhalb des Montagne Brulée gelaufen, den Glacis La Reserve. Jetzt sitzen wir nur leicht verschwitzt im Auto und fahren bergab zur Ostküste Richtung Turtle Bay. Dann geht es auf die East Coast Rd Richtung Norden, weiter nach Victoria. Allerdings ist Victoria heute nicht unsere Ziel, sondern nur eine Zwischenstation. Unser Reiseführer schlägt uns eine Autotour zum Kennenlernen von Mahés Norden vor. Diesem Vorschlag folgen wir. Mit tollen Ausblicken auf die Küste erreichen wir zunächst die Parfümerie Kreolfleurage, wo wir uns durch verschiedenen, hier lokal herstellten Düfte probieren. Geschäftsführerin ist eine Deutsche, mit der wir ins Gespräch kommen. Sie lebt bereits seit 30 Jahren hier und gibt uns ein paar exklusive Einblicke ins Inselleben und nützliche Ausflugstipps.

Weiter geht es nach Beau Vallon. Hier stoppen wir kurz am Parkplatz einer Tauchstation, die sich am Rande des kilometerlangen Sandstrands befindet. Wir flüchten jedoch fast wieder sofort. Hier ist es uns zu touristisch, zu voll. Wir mögen es ruhig. An einem Supermarkt decken wir uns mit Verpflegung für die anstehende Wanderung ein. Unser Wasser ist nämlich bereits aufgebraucht. Die große Flasche Mineralwasser füllen wir in unsere Flaschen um. Das wird allerdings für mich noch unangenehme Konsequenzen haben.

Der Weg führt uns weiter nach Bel Ombre. Hier befindet sich der Startpunkt zu unserer Wanderung zur Anse Major. Wir fahren zunächst an der kleinen Parkbucht vorbei, müssen dann aber wenden, weil wir in der kleinen Siedlung keinen Parkplatz finden. Später müssen wir feststellen, dass viele andere Wanderer bis zum Einstieg gefahren sind, was wir uns nicht getraut haben. Wir parken daher am offiziellen Parkplatz, was uns 500 m Fußweg extra einbringt. Hier startet ein weiterer Wanderweg, der zum Mare aux Cochon.

Ein heißer Weg zum Meer

Wir laufen zunächst durch die Siedlung. Hier gibt es einen älteren Mann, der einen Flughund hält. Für ein paar Rupien kann man ihn füttern und Fotos machen. Der kleine Kerl hat ziemlich scharfe Krallen, was mir einen blutenden Kratzer am Finger einbringt. Daher verzichten wir auf weiteres Füttern und gehen weiter. Für ein Bild bezahlen wollte ich auch nicht. In freier Wildbahn, abends am Himmel, sind mir diese Tiere lieber.

Zunächst folgt der Weg einer Straße, die unterhalb eines großen Hotels entlangführt. Auch wenn Wege zu Häusern abzweigen,… verlaufen kann man sich nicht. Überall sind Schilder oder gesprayte Markierungen angebracht. Wir sehen außerdem eine Dusche, wo man sich waschen kann. Dieser Teil ist perfekt ausgebaut. Hier stehen auch mehrere Mietwagen von anderen Wanderern, die sich getraut haben, über die Siedlung hinaus zu fahren. Erst hinter den aufragenden Mauern des Hotels beginnt der eigentliche Trail. Ein paar Stufen führen uns hinaus in die Sonne auf die Felsen der Steilküste.

In diesem Abschnitt merke ich so langsam, dass ich einen nassen unteren Rücken und Hintern bekomme. Der Rucksack ist unten triefnass. Unsere Trinkflaschen sind für Sprudelwasser wohl ungeeignet und laufen aus. Zum Glück ist es in der Sonne heiß, aber unangenehm ist dieses nasse Gefühl trotzdem. Allerdings werde ich bald am ganzen Körper kleben.

Der Weg ist fantastisch, aber an vielen Stellen steil und wir gehen in der prallen Sonne. Die Ausblicke auf das türkisblaue Meer lassen uns staunen. Dass ein Geocache auf einem Weg liegt, ist für uns eine willkommende Ausrede, um eine Pause zu machen. Ich nutze den Stopp für ein Fotos. Hier ein paar Eindrücke vom Trail. Hinter uns kann man die Bucht von Beau Vallon erahnen.

Es geht hoch und runter, immer über Steine und Granitplatten und meist in der prallen Sonne. Wir geraten gehörig ins Schwitzen. Eine kleine Höhle bietet eine kurze Abkühlung. Nach einer guten halben Stunde erreichen wir einen Aussichtspunkt mit einem Unterstand. Wir rasten eine Weile, bis wir das Gefühl haben, dass wir wieder einen normalen Puls haben. Von hier kann man aber das Ziel bereits sehen: Die Bucht Anse Major.

Planschen im Paradies

Ab jetzt geht es fast nur noch runter, das jedoch steil. Zum Abschluss führt der Weg durch einen kleinen Wald, wo es deutlich kühler ist. Jetzt müssen wir nur noch über Kuppe, auf der sich eine kleine Bar befindet. Dann geht es endlich runter zum Meer. Die kleine Bucht ist absolut traumhaft. Nur ein weiteres Pärchen ist hier und schnorchelt. Wir wundern uns ein wenig, von oben hatten wir deutlich mehr Leute gesehen. Egal, wir breiten die Picknickdecke im Schatten eines großen Baumes aus und ziehen uns aus. Unsere Wanderklamotten kleben vom Schweiß, so dass wir uns nur mit Mühe aus diesen pellen können. Wir haben uns die Abkühlung redlich verdient. Schnell noch die Neoprenschuhe an (danke Mama, die konnte ich hier wirklich gut brauchen) und rein geht es ins Meer. Es herrscht eine ordentliche Brandung und der Untergrund es steinig, aber es ist herrlich. Wir planschen und lassen uns im Wasser treiben.

Als wir genug haben, macht Jule Pause auf der Picknickdecke, während ich gucken will, wo der Weg, den wir beim Kommen gesehen haben, hinführt. Tatsächlich gibt es einen zweiten Strand, den man über eine weitere Granitplatte erreicht. Hier ist die Beachbar und es gibt ein Dusch/Klohäuschen, das ich gleich ausprobiere. Nachdem ich zurück in „unserer“ Bucht bin, erzähle ich Jule von meinen Entdeckungen. Wir entscheiden trotzdem hier zu bleiben. Hier ist es so schön ruhig und wir haben großartiges Entertainment. Wir beobachten eine Krabbe, die ständig vor den Wellen und dem auflaufenden Wasser von einem Loch ins andere flüchtet. Nachdem wir unsere Snacks verzerrt haben, kühlen wir uns ein weiteres Mal ab. Laut unserem Reiseführer soll man Anse Major gegen 17 Uhr verlassen, damit man auf dem Rückweg nicht in die Dunkelheit gerät.

Schweren Herzens verlassen wir das Wasser und packen unserer Sachen zusammen. Wir gehen den kurzen Weg in die zweite Bucht. Hier können wir duschen und unserer Badesachen ausspülen. Die Beachbar ist allerdings bereits geschlossen. Das Personal packt gerade zusammen. Während ich mich im der Toilette anziehe, entdeckt Jule mehrere Einsiedlerkrebse, die wir noch eine Weile beobachten, bevor wir den Rückweg antreten.

Ein letzter Blick zurück, …

… dann geht es zurück zum Trail. Und bergauf.

So endet ein perfekter Tag

Da es den gleichen Weg zurückgeht, wissen wir, dass wir etwa 45-60 min brauchen werden. Die Sonne brennt noch immer. Ich hatte die Hoffnung, dass der Weg mittlerweile im Schatten liegt. Schatten bietet leider nur die Höhle, die wir wieder als Stopp zum Durchatmen nutzen.

Als wir wieder die riesige Mauer des Hotelkomplex erreichen, merkt Jule plötzlich auf: Eine große Krabbe hockt im Rinnstein. Da hier sowieso Schatten herrscht, beobachten wir das Kerlchen eine Weile. Allerdings fühlt sich die Krabbe durch uns sehr gestört, denn sie macht sich groß und droht uns mit ihren Scheren.

Also, lassen wir die Krabbe Krabbe sein und steigen über die Teerstraße durch die Siedlung zurück zum Auto auf. Wir werfen noch einen kurzen Blick auf den Flughund, der schläft jedoch und hängt wie ein übergroßer braunschwarzer Tropfen an seinem Käfig.

Zurück am Auto entscheiden wir über die Sans Soucis Road zurückzufahren. Da können wir schon mal die Startpunkte der Wanderungen für morgen ausmachen. Denn für den kommenden Tag haben wir mehrere Optionen. Tatsächlich entdecke ich am Wegesrand die Wandertafeln. Die Sans Soucis Road ist mit Wandertafeln quasi zugepflastert. Parkplätze gibt es allerdings nicht wirklich. Gut, das werden wir morgen sehen. Es wird ziemlich schnell dunkel als wir bergab Richtung West Coast Road fahren. Bereits auf der Fahrt mit dem Bus nach Victoria hatten wir ein tolles modernes Strandlokal in Anse Boileau gesehen. Hier wollen wir diesen perfekten Tag beschließen, auch wenn wir dort total verschwitzt auflaufen werden. Als wir dort ankommen, ist allerdings das Lokal komplett dunkel und durch die Autoscheinwerfer kaum auszumachen. Es ist Montag und es ist Ruhetag. So schade.

Also müssen wir im Hotel essen. Dort können wir aber nicht, so klebrig wie wir sind, hingehen. Im Zimmer angekommen duschen wir also rasch und ziehen uns etwas Sauberes an. Zum Glück hat unser Strandrestaurant bis etwas 22 Uhr auf und wir damit keine Eile. Es ist nach 20 Uhr, als wir hungrigt und erschöpft, dafür aber sauber einen verdienten Cocktail schlürfen. Dann lassen wir uns ein Curry schmecken. Das war ein toller Tag!

Morgen geht es nochmals mit dem Auto zu weiteren Wanderungen. Ich bin sehr gespannt. Ihr auch?

Traumziel Seychellen – Wanderung Glacis La Reserve

07.03.2022

Die ersten zwei Wochen des März waren Jule und ich auf den Seychellen. Wenn man „Reiseziel Seychellen“ hört, denkt wohl eher an weiße Sandstrände, Palmen, blaues Meer und Luxushotels. Als Aktivität würde einem sicher Schnorcheln und Tauchen einfallen. Aber Wandern? So ungefähr formulierte es mein Reiseführer: „Die Seychellen nicht gerade als Wanderdestination bekannt, aber man wäre dumm, es nicht zu tun.“

Tatsächlich gibt es ausgewiesene Wanderstrecken. Diese findet man alle in einem kleinen englischsprachigen Wanderführer, den man sich frei herunterladen kann. Auf Mahé, der Hauptinsel und unserem Standort, gibt es neun ausgewiesene Wanderrouten. Andere Strecken werden nicht von offiziellen Stellen gepflegt und werden mit ortskundigem Führer empfohlen.

Allein fünf der neun Wanderungen starten an der Sans Soucis Road, die von Hauptstadt Victoria nach Port Glaud über einen Bergrücken führt. Sie ist durchgehend geterrt und zweispurig, trotzdem bietet dank ihrer steilen Serpentinen einigen Fahrspaß.

Unsere erste Wanderung startet allerdings nicht an der Sans Soucis Road, sondern im Süden der Insel an der Montagne Posée Road, kurz hinter Bon Espoir. Heute ist der Trail „Glacis La Reserve“ dran, der in die Nähe des Gipfel des Montagne Brulée führt.

Vorher müssen wir aber noch eine andere Herausforderung meistern. Auf den Seychellen herrscht Linksverkehr und Jule muss ein paar Runden auf dem Hotelparkplatz mit unseren winzigen Mietwagen drehen. Nachdem sie den Wagen und den Linksverkehr im Griff hat, fahren wir los. Zum Glück sind wir ein paar Tage vorher bereits mit dem Bus nach Victoria gefahren, so dass wir uns die Straßen schon angucken konnten. Das hilft, um sich an den seychellischen Verkehr zu gewöhnen.

Nachdem wir ein Stück der Küstenstraße Richtung Norden gefolgt sind, biegen wir links ab und schon geht es steil den Berg hoch. Der Startpunkt der Wanderung liegt etwa auf dem Scheitelpunkt der Straße. Man soll bei einem Schild der Telefongesellschaft „Cable & Wireless“ parken. Das sieht man allerdings nur, wenn man die Straße von Osten her hochfährt. Wir kommen jedoch von Westen, so dass wir dran vorbeifahren. Sollte uns nicht das letzte Mal passieren, dass wir eine Abzweigung verpassen. Auf der engen Serpentinenstraße ist Wenden fast unmöglich, ich befürchte schon, dass wir bald wieder am Meer rauskommen. Doch nach einem Kilometer können wir drehen und schaffen es endlich zum Startpunkt zu kommen. Einen richtigen Wanderparkplatz gibt es nicht. Später stellen wir fest, dass viele Autos einfach an der Straße geparkt werden. Doch hier finden wir eine passable Möglichkeit. Zum Glück haben wir nur einen Kleinwagen gemietet.

Die Wandertafel stimmt uns auf diese kurze Wanderung ein. Bei den meisten Wanderungen handelt es sich um solche, die zu einem Aussichtspunkt führen. Man geht denselben Weg zurück, den man gekommen ist. Oft sind die Wege nur 1-3 km lang. Für erfahrene Wanderer wie uns also ein Klacks. Da schaffen wir wohl zwei oder mehr Wanderungen am Tag – dachte ich. Nicht berücksichtigt hatte ich die Steigung, die Temperatur und die Luftfeuchtigkeit.

Diese erste Wanderung gilt als „very easy“, hat insgeamt „nur“ 134 Hm und ist hin und zurück knapp 2 km lang. Mit Fotografieren und viel Zeit zum Gucken kalkuliere ich 1 h ein. Wir brauchen tatsächlich nur 44 min. Da wir zügig unterwegs waren, bin ich auch für die kommenden Wanderungen sehr hoffnungsvoll, dass wir „unser“ Tempo auch morgen so beibehalten.

Das Schild weißt uns den Weg in den Dschungel hinein.

Wirklich verlaufen kann man sich auf den Pfaden nicht. Es gibt keine Abzweigungen und manchmal sind die Felsen oder Bäume mit gelben Balken markiert. Auch wenn wir gleich zu Beginn über eine paar spektakuläre Wurzeln steigen müssen, ist der Weg doch mehr als ein schmaler Trampelpfad. An vielen Stellen kann man sogar neben einander gehen. Allerdings verstehen wir, warum man nicht während oder nach einem Regentag wandern soll. Die Erde wird sicher sehr rutschig werden. Links und rechts des Weges sehen wir üppige Vegetation, hören viele Vogelstimmen und sehen sogar einen Bülbül, allerdings so kurz, dass wir ihn nicht fotografieren können. Über kurze Strecken geht es durch offenes Gelände, die Sonne sticht und brennt. Wir geraten ordentlich ins Schwitzen. Aber nach nur 15 min gelangen wir auf ein Felsplateau.

Die Aussichtsplatform hat leider ihre Geländer verloren und wir werden eindringlich vor dem Betreten gewarnt. Ich gehe auf den Balken entlang und schieße nur schnell ein paar Bilder. Vom Felsplateau kann man einen Blick bis hinter zur Westküste werfen. Neben einem ragt der Gipfel des Montagne Brulée auf.

Tatsächlich ist hier oben ein Geocache versteckt, den ich nach einem Gekrabbel unter Sträuchern zwischen Steinen finde. Allerdings ist der völlig durchweicht und das Logbuch nur noch ein Papierbrei.

Nach diesem ersten Eindruck von Mahés Bergwelt steigen wir wieder gemütlich ab zu unserem Auto, dass mittlerweile auch nicht mehr allein hier steht.

Zufrieden begeben wir uns zur weiteren Erkundung der West- und Nordküste Mahés ins Auto. Am Nachmittag steht unsere zweite Wanderung an.

Foto – Lecker

Die Natur kennt keine Verschwendung. Eine Ringeltaube war gegen unser Wohnzimmerfenster geflogen und hatte sich den Hals gebrochen. Dem Habicht kam dieses Unglück gerade recht. Hinter unserem Teich wurde die Taube zunächst sorgfältig ausgezogen und anschließend verzerrt. Außer ein paar Federn bliebt nichts übrig. Den Rest hat der Kerl eingepackt und mitgenommen. War wohl lecker.

Traumziel Seychellen

Die ersten zwei Wochen des März waren Jule und ich auf den Seychellen. Noch bin ich dabei, die Bilder zu sortieren und zu bearbeiten, aber damit ihr schon mal Lust auf meine Reise- und Wanderberichte bekommt, hier eine kleine Vorauswahl:

Was haben wir nicht alles gesehen und erlebt: weißer Pudersand am Strand, kristallblaues Meer mit Badewannentemperatur, ein Wahnsinns-Luxushotel, die größte Frucht der Welt, gefräßige Urzeitriesen, fleischfressende Pflanzen, gigantische Grantifelsen, lauschige Buchten, kurze, aber hammersteile Wanderungen mit fantastischen Ausblicken, warmer Tropenregen, duftende Gewürzpflanzen, frische Kokosnüsse… aber auch viele geruhsame und erholsame Stunden auf der Liege direkt am Meer, wo wir nur den Wellen gelauscht haben.

Bald werde ich euch Näheres von unserem Trip berichten. Aber bis dahin muss ich noch meinen Jetlag ausschlafen und die Wäsche bügeln 😉

Island 2018 – Tag 9

18.07.2018

Auf ins Hochland nach Hveravellir

Oder: Eine lange Fahrt zurück und eine Schotterpiste mit 100 km/h

Morgens brechen wir endlich ins Hochland auf. Nach einem weiteren Stopp in Akureyri ist uns das Wetter holt. Als wir auf die legendäre F35 einbiegen zeigt das Thermometer 17°C. Endlich ist der Sommer gekommen. Eine echte Hochlandpiste ist die F35 nicht. Jule brettert teilweise mit 100 kmh über die geschotterte Piste. Nur wenige Schlaglöcher schütteln uns durch.

Der Blöndulón im Hochland an der F35

Willkommen in Hveravellir

Vorbei am Blöndulón, erreichen wir bei strahlendem Sonnenstrahl Hveravellir, eine Art Hochland- Oase mit Solfatarenfeld und Hot Pot. Dieser Zeltplatz hat Fußbodenheizung. Und sehr neugierige Schafe. Während wir essen, beobachten wir zwei Männer, die unter Määähen ihr Zelt aufstellen. Zwei Schafe sind ständig im Weg. Doch bald stellen auch wir fest, dass es sich um ganz besondere Giraffen-Schafe handelt. Zwei kommen zu unserem Tisch und der Hals wird immer länger. Wir rücken in die Mitte und nehmen unserer Müsli-Schalen hoch – außer Reichweite.

Rundgang auf dem „grünen Weg“

Nachdem auch wir einen Platz gefunden haben, machen wir uns auf den Rundgang um die Oase, dieser ist dieses Mal mit grünen Stöckchen markiert. Wir bekommen einen ersten Eindruck von dem Lavafeld. Überall dampft es. Es ist sonnig, aber windig, so dass ich die Kapuze meines Vlies hochziehen muss.

Auf der anderen Seite des Rundwegs erreichen wir Eyvindarrétt und Eyvindarhellir. Jule erweist sich als echtes Höhlentier und untersucht die „Unterkunft“ von Eyvindar, einem verstoßenen Schwerverbrecher. Der soll hier mit seiner Frau jahrelang gelebt haben. Wir sind jedoch froh, als wir wieder an der Oberfläche sind. Unser Zelt ist uns als Übernachtungsplatz doch lieber.

Die geborstene Lavablase diente der Familie als Schafspferch (rétt = Pferch). Von hier genießen wir den Blick auf die umliegenden Gletscher des Hochlands. Die Schafe heute nicht einpfercht, sondern streifen frei hier herum. Auch an ihrem Fell zieht der Wind kräftig.

Nachdem wir den Eyvindarrétt passiert haben, sehen wir das berühmte Solfatarenfeld, das größte und aktivste Islands.

Allerdings entscheiden wir uns, hier die Tour abzukürzen. Der Hunger treibt uns zurück zum Zelt. Zeit für das Abendessen. Jule bräht Pilze an. Dazu gibt es Kartoffelbrei.

Das Solfatarenfeld von Hveravellir

Anschließend erkunden wir das Solfatarenfeld. Jede Quelle hat hier ihren Namen. Manche sind „spelling names“, z.B. „Bláhver“ für „Blaue Quelle“ oder „Eyvindarhver“ für „Eyvindars Quelle“ (so schwer ist isländisch auch nicht ;-)). Berühmt ist auch die Sintersolfatare Öskurhóll mit ihrer Quelle Öskurhölshver.

Hunderte Fotos später planschen wir stundenlang im Hot Pot. Hier ist es wichtig, rechts und links unterscheiden zu können (siehe Hinweisbild). Aber in der Mitte hat das Wasser genau die richtige Temperatur. Ab und zu muss man mal umrühren. Wir treffen eine Mutter und ihre Tochter aus Düsseldorf. Die Tochter ist mit dem Sohn eines Arbeitskollegen von Jule zusammen. Island ist klein…

3 Stunden später sind wir gar und rennen im Bikini zur Dusche und hüpfen anschließend in den Schlafsack. An diesem Abend lernen wir was über Hot Pots: Rein ist meist kein Problem. Man zieht sich am Rand um und hüpft rein. Zurück muss man sich aber überwinden, dass kuschelige Badewannenwasser gegen 5-10°C Lufttemperatur zu tauschen. Raus ist echt schwer. Da ist es kein Wunder, dass man stundenlang hier drin sitzen bleibt. Wird uns auf dieser Reise noch öfters passieren 😉 Aber davon berichte ich beim nächsten Mal.