Einmal rund um Haan

Sonntag, 15.08.2021

Heute muss ich mich leider alleine auf den Weg zu einer Wanderung machen. Jule hat seit unserer Wanderung auf dem Schluchtensteig eine Überreizung der Patellasehne. Das muss vier bis sechs Wochen in Ruhe ausheilen, heißt: für sie keine Belastung, dafür Bein hochlegen und Schiene tragen. Wenn gelaufen werden muss, dann nur geradeaus und bloß nicht hoch und runter.

Also bin ich heute alleine dran. Ich will mich ein bisschen bewegen und nicht zu viel machen. Daher suche ich mir bei outdooractive.com eine Runde raus. Die kleine Wanderung rund um Haan hat etwa 16 Kilometer und 538 Hm und sollte in vier Stunden plus Pause gut zu bewältigen sein. Perfekt für einen Sonntagnachmittag mit 25°C und Sonnenschein.

Ich packe also einige Sachen ein und fahre zur Mahnertmühle, wo ich starte. Der offizielle Start liegt laut Route am Parkplatz bei Kellerthor. Aber die Mahnertmühle ist von uns aus sehr gut zu erreichen. Als ich dort ankomme, stehen dort viele Fahrzeuge und einige Leute steigen gerade aus. Diese sind aber so schick angezogen, dass es sich sicher nicht um Wanderer handelt. Das sieht mir eher nach Familienfeier aus.

Der Einstieg führt direkt über die Terrase des Restaurants. Hier werde ich am Ende meiner Wanderung für ein Stück Kuchen und ein kühles Getränk einkehren, auch wenn hier die Flutschäden immer noch sichtbar sind. Direkt hinter der Terrasse geht es ein kleines Stück bergauf. Ich hätte nicht gedacht, dass hier hinten noch weitere Häuser stehen. Aber tatsächlich liegen diese nicht nur versteckt hinter hohen Hecken, sondern sind auch wunderbar angelegt und im Bergischen Stil erbaut.

Eine Teerstraße führt mich raus in die Felder. Der Weg führt hinter der Autobahn A46 entlang, wobei es leicht bergauf geht. Erstaunlicherweise hört man hinter dem Maisfeld nur wenig vom Autobahnverkehr.

Nachdem ich die Autobahn gequert habe, treffe ich auf die Entdeckerschleife „Haan-Gruiten-Süd“. Außerdem bin ich immer wieder erstaunt, wie viele Wanderzeichen es hier in der Region gibt. Denn am Pfosten befindet sich auch noch ein offenes Dreieck. Ein Trampelpfad führt hinunter zur Ellscheiderstraße, die es zu überqueren gilt.

Auch in Kamphausen stehen versteckt im Wald schöne Häuschen, so dass man nicht meint, dass es sich um einen Teil von Haan handelt.

Hinter Kamphausen führt mein Weg hinunter in den Wald und zu einem kleinen Bach hin. Auch dieser muss beim Unwetter bewiesen haben, dass er gern ein großer Fluss wäre. Überall ist die Zerstörung noch zu sehen.

Nach dem Aufstieg beginnt eine waldreiche Strecke, die hinter Häusern entlangführt. Wer diese Wanderung unternehmen möchte, dem empfehle ich, nicht hinter den Häusern entlang zugehen, sondern sich an der Gabelung links zu halten und auf dem Waldweg zu bleiben. Die beiden Wege laufen parallel und treffen später wieder aufeinander. Kurz nach dem Zusammentreffen kommt man plötzlich auf einer Art Hauseinfahrt aus dem Wald heraus und steht mitten in Haan an einer Fußgängerampel. Ab jetzt beginnt ein zäher Abschnitt, der an einer Hauptverkehrstraße durch Hochhaussiedlungen auf der einen Seite und einem Gewerbegebiet auf der anderen Seite führt. Zum Glück ist Sonntag und damit sehr wenig Verkehr. Erst nach 20-30 min knickt der Weg rechts in eine Schrebergartensiedlung ab und folgt hier dem Kreissymbol, das mich in einen Stadtteil mit kleineren Häusern führt. Hier geht’s auch endlich wieder raus aufs Feld, wo Landwirte gerade Heurollen machen. Nachdem ich dem eine Weile zugeschaut habe, folge ich dem A1.

Langsam meldet sich der Hunger, da kommt mir eine schier endlose Brombeerhecke, die ein großes Grundstück einfasst, gerade recht. Ich pflücke, esse und laufe, bis eine Bank finde, wo ich eine Pause einlege. Von hier kann ich zurück auf die Hochhaussiedlung gucken, aber auch den Blick über die offenen Felder schweifen lassen.

Nach meiner Pause führt mich der Weg über einen geterrten Feldweg in eine Art „Schlucht“. Ich folge einem kleinen, namenlosen Bach, der sich hier teilweise sehr tief ein Bachbett gegraben hat. An manchen Stellen hat er ein Stück des Weges weggerissen. Als ich eine Weggabelung erreiche, treffe ich nicht nur andere Wanderer, sondern auch den Neanderlandsteig, der mich hinuter zur Heidberger Mühle bringt. Das Ausflugslokal ist voll besetzt. Zwar hätte ich Lust auf eine Erfrischung, entscheide mich aber angesichts der vollbesetzten Tische dafür, weiterzulaufen.

Mein Weg geht weiter und folgt dem kleinen Fluss. Ich hatte erwartet, dass ich dem Fluss die nächste Zeit weiter folge, doch vor der Bruchermühle ist der Weg versperrt. Dafür geht es nun über eine Wanderstiege und Treppen im Zickzack steil den Hang hoch. Zu meiner Enttäuschung geht es wieder durch ein Wohngebiet, das an diesem Sonntagnachmittag geradezu ausgestorben ist. Meine Stöcke klackern unangenehm laut auf dem Asphalt. Zu allem Überfluss ist der Track auch noch ungenau. Er führt mich in eine Sackgasse und möchte, dass ich quer durch ein Haus laufe. Zum Glück gibt es hier ein Wanderzeichen, das mich in einer Schleife aus der Sackgasse hinausführt.

Nachdem ich die Bahnlinie unterquert habe, geht es hinunter zu Feldern und einer Bachaue. Da ist mein Flusslein also wieder. Auch der Neanderlandsteig ist wieder da, dem folge ich nun ganz brav. So brav, dass ich meinen eigenen Track verlasse und in die falsche Richtung gehe. Der Neanderlandsteig scheint besiedeltes Gebiet weitestgehend zu vermeiden, mein Track führt mich aber direkt ins nächste Wohngebiet von Haan.

Nachdem ich die letzten Häuser von Haan endlich hinter mir gelassen habe, sind keine großen Steigungen mehr zu erwarten. Ab jetzt geht’s geradeaus und dann bin ich schon fast fertig mit meiner Runde. Sagt jedenfalls mein Track. Leider habe ich nicht berücksichtigt, dass mein Startpunkt ca. 2 km hinter dem eigentlich Startpunkt liegt. Die „Distanz zum Ziel“ ist zwar rein rechnerisch richtig, nur ist das Ziel nicht mein Ziel. Ich laufe weiter sehr entspannt über geschotterte Feldwege, mal ganz im Wald, mal an dessen Rand. Dies ist nochmals ein richtig schöner Abschnitt dieser Wanderung. Sogar ein Dixi-Klo hat der Weg zu bieten, das ich gern in Anspruch nehme.

Irgendwann treffe ich am offiziellen Ziel, dem Parkplatz Kellerthor, ein und bemerke meinen Fehler. Eine knappe halbe Stunde muss ich also noch dranhängen. Aber dann winkt in der Mahnertmühle ja ein Stück Kuchen und ein Kaltgetränk! Vorher muss ich allerdings nochmals die Zähne zusammenbeißen. Denn jetzt geht es an der Landstraße zwischen Hochdahl und Haan entlang und die ist selbst an einem Sonntag stark befahren.

Um 15:40 Uhr habe ich mein Ziel erreicht: die Terrasse der Mahnertmühle. Ich will mich gerade auf einem der Stühle niederlasse, da sehe ich eine Tafel mit der Aufschrift „Pause – Ab 18 Uhr wieder da“. Der Gastwirt fordert gerade eine Gruppe auf, die Terrasse nun zu verlassen. Dabei stand nur ein paar Meter weiter, dass das Lokal durchgehend geöffnet sei. Ich spreche den Wirt ein. Ja, er müsse von 15:30 bis 18:00 Uhr zu mache. Grund: Personalmangel!

Etwas enttäuscht mache ich mich auf dem Weg zum Auto. Die Runde war trotzdem gut. Auch ohne Kaltgetränk und Kuchen zum Abschluss. Hier noch wie üblich die kleine Zusammenfassung:

  • Gelaufen am: Sonntag, 15.08.2021
  • Länge laut GPS: 15,2 km
  • Geschätzte Höhenmeter: 668 Hm (Aufstieg 334 Hm, Abstieg 334Hm)
  • reine Gehzeit: 3:35 h
  • gesamte Dauer: 4:00 h
  • Charakteristik: Eine schnelle Runde mit erstaunlich vielen und knackigen Anstiegen. Leider ein hoher Teer- und Siedlungsanteil. Für die lange Strecke durchs Gewerbegebiet in Haan ist Ausdauer angesagt. Insgesamt keine schwere Rundwanderung. Außerdem gab’s leckere Brombeeren.

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