Praxistest Regenrock

Im letzten Jahr habe ich für unseren Trekking-Trip auf dem Schluchtensteig im Vorfeld für jeden einen Regenrock genäht. Wie dieses Nähexperiment ablief, könnt ihr hier nachlesen.

Dank des verregneten Sommers kamen unsere neuen Ausrüstungsgegenstände auch direkt zum Einsatz, so dass ich nun vom praktischen Gebrauch ausführlich berichten kann.

Packmaß und Gewicht

links: Regenrock, rechts: Regenhose

Was soll ich dazu schreiben? Hier einfach die nackten Zahlen:

  • Rock aus Tyvek inkl. Packsack: 54 g, Packmaß: 9×3,5×11,5cm
  • Rock aus Dyneema inkl. Packsack: 37 g, Packmaß: 8×2,5x10cm
  • Meine Regenhose inkl. Packsack: 356 g, Packmaß: 11x6x17cm

Noch Fragen?

Anwendung und Tragekomfort

Ein Regenrock ist blitzschnell angezogen. Wenn man ihn griffbereit in der Tasche hat, geht das in unter einer Minute. Und zwar so: raus auf dem Beutel, ausschütteln, Innen- und Außenseite identifizieren, Hüftgurt vom Rucksack lösen, Rucksack am Rücken hochschütteln, um die Hüften legen, zukletten, hinten nach vorne drehen, Gummi zuziehen, weiterlaufen. Rucksack, Schuhe, das kann alles anbleiben. Man muss nicht vorsichtig durch ein Hosenbein steigen oder mit langen Reißverschlüssen kämpfen. Raus, rum, zuziehen, fertig.

Man spürt einen Regenrock kaum. Das Gewicht ist eh gering und es kommt viel Luft rein. Erst wenn man ihn auszieht, merkt man, dass die Oberschenkel auf einmal kühl werden. Aber man schwitzt nicht darin wie in einer Regenhose.

Unsere Regenröcke sind hinten offen. Dadurch ist die Schrittlänge nicht begrenzt und man kann auch klettern. Bei Hinsetzen lege ich bei Schmuddelwetter eh immer ein Sitzkissen unter, also stört mich das nicht. Es gibt aber auch geschlossene Modelle mit Reißverschluss. Dadurch, dass ich ihn vollständig öffnen kann und er ein Rechteck ist, habe ich ihn in der Zeltabside als Unterlage für meinen Rucksack verwendet. Das passt genau. Jules Rock hat zusätzlich Schlaufen und könnte sogar wie eine Plane abgespannt werden.

Design

Naja, über Geschmack lässt sich wohl streiten, aber für mich sieht mein Rock aus Tyvek aus, als hätte ich mir eine Einmaltischdecke für Kirmesbänke um die Hüften geschlungen. Jules Rock in dezentem durchscheinendem Olivgrün macht den Eindruck von einer aufgeschnittenen Mülltüte. Aber wir sind auch nicht auf dem Laufsteg unterwegs, sondern auf Wanderpfaden. Wenn ihr lieber sexy statt trocken rumlaufen wollt, fahrt an die Disko.

Einen Nachteil hat der aus Tyvek aber zugegebenermaßen wirklich: das Weiß wird sehr schnell schmutzig und sieht schnell schmuddelig aus.

Regenschutz

Beim Regenrock geht es nicht ums Aussehen, sondern um den Regenschutz. Den konnten wir auf der 2. Etappe des Schluchtensteigs ausgiebig testen.

Die Oberschenkel werden bei Regen als erstes nass. Das hat jeder schon mal erlebt, der im Regen gelaufen ist. Ein Schirm schützt etwa bis zur Taille, aber die Oberschenkel werden nass. Ein Regenrock verhindert das. Daher sollte er auch min. Knielänge haben. Viel länger bringt aber nicht viel. Dann kann man schlecht laufen. Außerdem werden die Unterschenkel bei einem Regenguss eh kaum nass. Die bekommen nur ein paar Tropfen oder Spritzwasser von den Schuhen ab. Ich persönlich mag die Kombination mit einer Wanderleggings. Da der Rock über dieser weit absteht, bekommen die Unterschenkel auch kaum Tropfwasser ab, das vom Rock abläuft.

Unsere Regenröcke sind hinten offen. Über dem Po liegt das Material doppelt, aber darunter eben nicht. Aber: Die hinteren Oberschenkel werden eh nicht so nass, meist werden sie durch einen Rucksack gut geschützt. Beim Hinsetzen sollte man das aber nicht vergessen, sonst hat man schnell einen nassen Po und Oberschenkel.

Und die Schuhe? Bei dem Regen und den Pfützen, die wir auf dem Schluchtensteig abbekommen haben, kam es auf ein paar Tropfen, die vom Regenrock abtropften, nicht darauf an. Unsere Schuhe waren nass. Ich persönlich meine sogar, dass über die Regenröcke weniger Wasser auf die Schuhe kommt. Mein persönliches Empfinden ist, dass an einer Regenhose das Wasser eher die ganze Strecke bis nach unten zum Saum läuft und dann direkt auf die Schuhe oder gar von diesen direkt aufgenommen wird, da die Regenhose meist die Wanderschuhe bedeckt und auf diesen endet. Dann bleibt vielleicht der Schaft trocken, aber der untere Teil des Schuhe ist irgenwann nass. Willst du komplett trockene Füße, nimm Schuhe mit Membran oder zieh Gamaschen an. Bei Regen werden die Füße irgenwann nass, aber das liegt dann nicht an am Regenrock.

Nachteile

Ja, natürlich, es gibt Nachteile. Ein paar habe ich bereits anklingen lassen. Den größten Nachteil haben die Regenröcke bei Sturm. Dann fangen sie an zu flattern. Kommt der Wind von vorne, ist das nicht so schlimm. Der Rock wird gegen die Beine gepresst. Dann läuft aber viel Regen auf die Unterschenkel ab. Kommt der Wind von hinten oder von der Seite, kann es passieren, dass der ganze Rock hochflattert. Seine Stärken kann der Rock auch nicht bei kalten Nieselwetter ausspielen. Stellen wir uns mal 2-4°C-Tag mit feinem Dauerniesel, der einen vollständig einhüllt und überall hinkriecht, vor. Dann würde ich als Isolator und Feuchtigkeitsschutz eine Regenhose bevorzugen.

Fazit: 5 Sterne für den Regenrock

Bewertung: 5 von 5.

Die Regenröcke waren die besten Ausrüstungsgegenstände, die ich letztes Jahr genäht habe. Bei Regen will ich nichts mehr anderes anziehen. Gerade wenn die Temperaturen über 15°C steigen, sind sie viel luftiger als Regenhosen. Auch bei wechselndem Wetter sind die großartig, den sie sind schnell an- und ausgezogen, was die Gefahr eines Hitzestaus unter den Regenklamotten minimiert. Gewicht und Packmaß sind unschlagbar und auch in der Anschaffung recht günstig. Für den Tyvekrock habe ich weniger als EUR 10,- fürs Material gezahlt, fürs Nähen habe ich gerademal eine Stunde gebraucht.

Wir haben die Regenröcke jetzt immer dabei. Demnächst werden wir sehen, ob ein Regenrock auch die richtige Wahl bei einem Tropenregen ist.

Foto – Letzte Gedanken

Dieses Bild entstand 2020 auf Elfia in Arcen.

Aber das ist mir bei dieser Aufnahme gar nicht wichtig. Ich frage mich stattdessen, was sieht diese Frau? Ist der Blick in die Vergangenheit, auf die Mauern, in denen sie bisher glücklich gelebt hat und diese nun verlassen muss? Ist Wehmut darin? Oder ist der Blick auf die Mauern, in denen sie bisher einsperrt war, eingesperrt in ein enge Leben voller Zwänge, dass sie nun verlassen darf?

Welches sind ihre letzten Gedanken, die sie hat, bevor sie sich umdreht und diesen Ort für immer lässt…

Ein Blick zurück – ein Blick nach vorn

Eigentlich richtet man beim Wandern seinen Blick oft weder vor noch zurück, sondern meist nur auf den Weg, der genau vor einem liegt. Auf diese Weise läuft man immer vorwärts. Jeder Kilometer, jeder Auf-, jeder Abstieg wird so zum nächsten Schritt reduziert und verliert daher seine Größe. So kann ich eine Wanderung bewältigen.

Aber oftmals hilft es auch den Kopf zu heben und zurückzuschauen. Der Blick von einem Berg zurück aufs Tal kann einem vorführen, was man schon geschafft hat. Die Aussicht auf die Landschaft kann einen vor Gottes großartiger Schöpfung Natur demütig werden und einen die Dankbarkeit spüren lassen, dass man hier herumlaufen darf. Manchmal blickt man auch zurück auf einen steilen Abhang und ist dankbar, dass man Wanderstöcke dabei hatte und deshalb da heil hinunter gekommen ist. Der Blick zurück kann aber auch auf eine schier endlose Forststraße gehen, die schnurgerade durch eine Fichtenmonokultur geht. Dann erinnert man sich kaum daran, dass man diesen Weg gerade gegangen ist. Denn die Gedanken waren völlig frei und irgendwo in den Wolken. Der Blick zurück ist also wichtig.

Wichtig ist aber auch die Blick nach vorn, auf das nächste Wanderzeichen, den nächsten Wegweiser, die Serpentinen, die ins Tal führen, den Trampelpfad, der mich hoch zum Gipfel bringt – sie alle zeigen uns, dass der Weg das Ziel ist und ans Ziel führt. Der Blick nach vorn kann uns anspornen, dann, wenn man die Häuser von dem Ort sieht, wo die nächste Unterkunft liegt – oder er kann uns demotivieren, wenn nach jede Menge Höhen- und Kilometern der Wegweiser immer noch 10 km zum Tagesziel ausweist.

Wichtig ist der Blick in mich selbst. Wie fühle ich mich? Habe ich Hunger? Brauche ich eine Pause? Ist mir zu warm? Scheuert irgendwo was? Wenn ich diese Fragen für mich beantwortet habe, kommt irgendwann die viel tiefere Frage: Warum tue ich mir das an? Warum laufe ich überhaupt? Und ich muss gestehen, dass ich die letzte Frage, warum ich wandern gehe, nicht abschließend beantworten kann.

Also, blicke ich jetzt erstmal zurück, genieße die Aussicht, sehe, was ich bereits geschafft. Erst dann widme ich mich dem, was vor mir liegt.

Ein Blick zurück – 2021

Ich schreibe also meinen ersten Jahresrückblick für diesen Blog. Dabei ist es eigentlich ein 8-Monatsrückblick, denn angefangen hat alles am 25.04.2021. Da ging der erste Blogbeitrag online. Insgesamt waren es 79 Beiträge! 3 davon hat Julia geschrieben, bleiben 76 für mich. Ich wusste gar nicht, dass ich soviel schreiben kann.

Die großen Themen waren natürlich unsere Wanderungen, aber auch viele Fotos, die Jule gemacht hat, habe ich hier präsentiert.

  • Mein Lieblingsblogbeitrag? Kann ich tatsächlich nicht sagen. Pickte ich einen heraus, täte ich 78 Beiträgen damit unrecht.
  • Meine Lieblingswanderung? Ebenfalls eine schwierige Frage. Fast alle Wanderungen hatten etwas. Aber wenn ich mich entscheiden muss, ist es der Schluchtensteig. Vor allem, weil ich da auf eine Leistung zurückblicke, auf die ich echt stolz bin: 36 km in 12 h mit über 2.300 Hm.
  • Mein Lieblingsbild/foto? Hier fällt die Entscheidung leicht: „Vorsicht, Frettchen!“ Seht es euch selbst an!

Hier ein paar meiner liebsten Bilder 2021:

Ein Blick nach vorn – 2022

Ein paar Beiträge habe ich schon zusammengestellt. Aber ich merke, dass zwei Beiträge pro Woche doch ein bisschen viel sind. Ich werde jetzt mal schauen, ob ich mit einem Beitrag in der Woche besser klarkomme. Denn sind wir mal ganz ehrlich: Der Blog war ein Projekt gegen die Corona-Langeweile. Zwar ist noch Corona, aber es ist nicht mehr sooo langweilig. Ich freue mich sehr, dass doch mittlerweile wieder Veranstaltungen stattfinden und einfach wieder viel mehr Leben geht. Daher ist es für mich völlig okay, dass der Blog etwas zurückstehen muss.

Aber wass haben wir konkret vor. Ein paar Pläne gibt es doch.

  • Im März steht unsere nächste Fernreise an. Wohin, wird noch nicht verraten. Aber drückt bitte alle die Daumen, dass wir sie antreten können.
  • Im Frühjahr: Hier stehen noch ein paar Etappen vom Neanderlandsteig aus. Die können wir gut als Trainung für Juni gebrauchen. Denn…
  • Im Juni wollen wir zu unserer ersten Pilgerwanderung aufbrechen. Von der Haustür bis nach Trier. Bis dahin muss Julias Knie wieder heil sein. Auch hier gilt: Bitte weiter Daumen drücken.

Ansonsten freut euch auf weitere Island-Berichte, viele Fotos und ein paar neue Bastelprojekte…

Also, blickt nach vorn! Uns allen ein gutes 2022! Prost Neujahr!

Island 2018 – Tag 6

15.07.2018

Fahrt nach Mývatn, Zwischenstopp in Glaumbær und am Goðafoss

Oder: Wieder viele Kilometer, Torfhäuser und mal wieder ein Wasserfall

Auf nach Glaumbær

Unser sechster Tag ist wieder ein Fahrtag. Unendlich viele Kilometer bis nach Myvatn hatten wir vor uns. Abwechslung boten da die zwei geplanten Zwischenstopps. Zunächst ging es nach Glaumbær, einem sehenswerten Torfgehöft aus dem 19. Jahrhundert. Eine genaue Beschreibung gab es zum Glück in einem deutschen Flyer, den man uns in die Hand drückte. Erstaunt hat uns vorallem, wie hell es in den Räumen doch war. Es gab viele Lichtschächte, die man von Außen nicht sah. Insgesamt habe ich wohl rund 100 Bilder innen und außen geschossen. Hier sieht man nur das „Best-of“.

Zu dem Areal gehören auch noch eine Kirche und ein Friedhof.

Goðafoss und Geitafoss

In Akureyri, der Hauptstadt des Nordens, hielten wir nur kurz, um einzukuafen. Noch hatten wir einige Kilometer bis zum Mývatn, dem Mückensee, vor uns. Kurz hinter Akureyri stoppten wir am Goðafoss. Auch hier sah man Bauaktivität, um die großen Besucherströme künftig besser zu leiten. Eine neue Plattform wurde gerade gebaut. Wir machten einen gemütlichen Spaziergang und eine etwas mühevolle Flussüberquerung für Fortgeschrittene.

Diese Felsformation weiter unten im Fluss nannten wir den „Troll von Geitafoss“. Seht selbst, warum:

Ankunft am Mückensee

Abends kamen wir beim Myvatn, dem Mückensee, an. An seinem Ufer lag unsere Unterkunft für die nächsten 3 Tage und Nächte. Erfreulicherweise verfügte die Unterkunft über einen großen Gemeinschaftsraum mit Kochgelegenheit. Unser Zimmer dagegen war winzig, ebenso das Bett. Aber irgendwie ging es. Immerhin hatten wir eine tolle Aussicht. Das meiste Gepäck blieb im Auto, was sich zu einem wandelnden Kleiderschrank und Outdoorlager entwickelte. Das Frühstück im Gästehaus war fantastisch. Wir genossen die Zeit hier sehr. Auch wenn das Programm für die nächste Tag gut gefüllt war. Es gab hier in der Gegend so viel zu sehen und zu erwandern. Alles ging leider nicht, vor allem, weil uns das Wetter – wie schon gewohnt – einen Strich durch die Rechnung machte. Aber das lest ihr nächsten Monat.

It is people – Weihnachten im Sommer II

Stell dir vor, es ist Heilig Abend 2004 und du sitzt in einem Überlandbus, der auf der Nordinsel von Neuseeland gerade zwischen Coromandel und Tauranga unterwegs ist. Du bist gerade nicht sonderlich gut drauf. Seit etwa drei Wochen bist du auf Reisen – in diesem Land, allein. Eigentlich bist du sechs Monate hier, weil du als Gastwissenschaftler hier deine Diplomarbeit machen sollst. Ein Monat ist zum Reisen fest eingeplant. Im neuen Jahr soll es mit der Forschung so richtig losgehen. Die Südinsel hast du bereits als Backpacker bereist, allerdings war diese Reise nicht so verlaufen wie geplant. Du bist die ganze Zeit allein und hast seit Tagen kein Wort gesprochen. Jetzt sitzt du im Bus und es ist dein erstes Weihnachten ohne deine Familie. Du schaust aus dem Fenster, als der Bus gerade die Vororte von Tauraga passiert. Auf den Schildern der Geschäfte steht Judäa und Bethlehem. Ein Zeichen?

Als du in der Jugendherberge ankommst, versuchst du über ein öffentliches Telefon und eine Telefonkarte deine Familie in Deutschland zu erreichen. Aber das neuseeländische Telefonnetz ist zusammengebrochen, wie jedes Jahr an Weihnachten, da auf ca. 6 Mio. Einwohner gerade 20.000 Mio. Touristen kommen, die gerade alle versuchen zuhause anzurufen.

Ich würde so gern in einen Gottesdienst gehen. Das gehört für mich Heilig Abend einfach mit dazu. Aber nicht für die Neuseeländer. Als ich die Dame an der Rezeption des Hostels anspreche, erfahre ich, dass das hier nicht üblich ist. Gefeiert wird morgen am 1. Feiertag. Ich setze mich mit einer Tütensuppe in den Aufenthaltsraum. Sonst habe ich nichts mehr zu essen.

Morgen will ich zur Feier des Tages in einem Café frühstücken und dann eine Wanderung zum Mt. Manganui machen. Während ich die letzten Löffel verschlinge, kommt die Dame von der Rezeption mit einer Zeitung in der Hand zu mir. Sie hat einen Gottesdienst gefunden. Einen Nachtgottesdienst in einer Baptistengemeinde, nur 20 min zu Fuß den Berg hoch. Ich bin ihr sehr dankbar und mache ich mich gegen 21:30 Uhr auf den Weg.

Ich stehe zwar an der richtigen Adresse, aber eine Kirche ist das hier nicht. Das Gebäude ist ein Rundbau mit viel Glas und Stahl. Ich hatte ein Steinhaus mit Turm erwartet. Ich bin zu früh und drinnen sehe ich Leute, der irgendwas vorbereiten. Mein Blick geht nach oben. Ich sehe den Vollmond, aber der steht leider auf dem Kopf. Ebenso der Orion. Ich bin allein, auf der anderen Seite der Erde, es ist Sommer, ich erreiche meine Familie nicht und jetzt steht auch der Mond auf dem Kopf. In dem Moment bin ich der einsamste Backpacker der Welt.

Dann öffnen sich die Türen der Kirche. Ich bin die erste und werde von einer ganzen Armada ehrenamtlicher Helfer begrüßt. Tabletts mit Keksen werden herumgereicht und ich esse, so viel ich kann. Ich habe auf meiner Reise kaum Geld für Essen, daher bin ich immer hungrig und nehme alles, was ich gratis angeboten bekomme, gern an. Als nächstes bekomme ich einen Zettel in die Hand gedrückt. Darauf sind Liedtexte – natürlich alle in Englisch, ich (er)kenne kein einziges Weihnachtslied. Als die ersten Töne des Klaviers erklingen, kommt mir das zwar bekannt vor, aber ich kann den passenden Text auf dem Zettel so schnell nicht finden. Während der ersten Strophe setzen nach und nach die Besucher ein, denn das Foyer ist mittlerweile gut gefüllt. Beim Refrain erkenne ich es, denn der wird nicht in englisch gesungen, sondern wir bei uns in Latein: Gloria in excelsis deo. Und auf einmal ist für mich Weihnachten. Vor lauter erlösenden Tränen kann ich kaum noch mitsingen.

Ab da verwischt meine Erinnerung an diesen ganz besonderen Heiligen Abend. Irgendwann gehen die Türen zum Saal auf und ich lasse mich in gemütliche Kinosessel sinken. Die Kirche ist wirklich eher ein Theatersaal als das, was ich unter Kirche kenne. Der Gottesdienst findet auf einer großen Bühne statt. Es gibt eine Aufführung, viele, sehr moderne Lieder, deren Text über einen Beamer projiziert werden. So habe ich Kirche noch nie erlebt. Und ich weiß jetzt, wie ich aus meiner Einsamkeit herauskomme. Die begleitete mich nämlich nicht erst seit meiner Reise, sondern seit meiner Ankunft in diesem Land. Wenn ich zurück an der Uni bin, werde ich mir eine Kirche suchen.

Nach dem Gottesdienst werde ich von zig Leute angesprochen. Man kennt sich untereinander, aber mich hat noch nie jemand gesehen. Einladungen werden ausgesprochen, die ich dann aber doch alle ablehne. Es ist mittlerweile Mitternacht. Am Ende werde ich von einer Familie zurück zum Hostel gefahren und zu einem Weihnachtsessen für den morgigen Tag eingeladen. Aber das ist eine andere Geschichte. Die soll später erzählt werden.

Eigentlich habe ich unter dieser Überschrift erzählen wollen, welchen tollen Menschen ich auf meinen Wanderungen begegnet bin. Eine Wanderung mag heute fehlen, aber ich dehne das Thema jetzt einfach mal über meine Reisen im Allgemeinen aus. Wenn ich über den ersten Feiertag schreiben, kommen aber sogar zwei Wanderungen in meiner Erzählung vor.

Die Menschen in Neuseeland sind herzlich und offen, freundlich und selbstlos. Ohne diese wäre eine sehr schwere Zeit in meinem Leben noch viel schwerer gewesen. Und deshalb wiederhole ich hier ein Zitat, das ebenfalls mit Neuseeland verbunden ist, wenn auch auf andere Art und Weise:

Es sind die Menschen, in die wir unsere Hoffnung setzen müssen.

Gandalf – aus „Der Herr der Ringe“

Fröhliche Weihnachten!

It is people – Weihnachten im Sommer I

In 2004 war ich in Neuseeland und durfte erleben, wie Weihnachten auf der Südhalbkugel funktioniert. Dazu gibt es ein paar schöne Geschichte. Heute will ich euch aber nur einige witzigen Impressionen zeigen, Fotos, die ich in meiner Zeit dort geschossen habe.

Auch wenn der Advent eine besinnliche Zeit sein soll, ist es doch im Moment für mich ein bisschen hektisch und ich komme leider nicht zum Schreiben. Genießt daher die Bilder. Vielleicht mit Staunen, vielleicht mit Schmunzlen…

Weihnachtsdeko im strahlenden Sonnenschein

Sternsinger und Krippenspiele

Man beachte den „Engel“ mit der Sonnenbrille im Hintergrund…

Zum Abschluss noch Bilder vom Neuseeländischen Weihnachtsbaum, dem Pohutukawa.

Ich glaube ja nicht, dass es dieses Weihnachten schneit, aber ich kann euch versichern, dass Weihnachten bei 25°C und Sonnenschein gar nicht so schlecht ist. Außerdem gibt’s in Neuseeland gern mal ein Barbecue statt einer Weihnachtsgans. Das hat auch was. Euch allen eine schöne Advents- und Weihnachtszeit. Ein paar Fotos und Bilder gibt’s natürlich weiterhin hier im Blog, für mehr Text müsst ihr euch aber bis in neue Jahr gedulden.

Die Verwandlung – vom häßlichen Plastik-Papagei zum gefiederten Exoten

Seit ich auf Papenburg mit einem Steampunk-Papagei gekuschelt habe, träume ich von einem eigenen. Zunächst wollte ich einen kaufen. Aber leider habe ich nichts gefunden, was mir gefiel oder was ich bezahlen konnte. Nachdem ich eine Anleitung zum Basteln gefunden hatte und mir Tipps abgeholt hatte, war klar: Das mache ich selbst. Zunächst besorgte ich mir einen „Rohling“ (FurReal Friends) bei Ebay.

Als nächste musste er Federn lass:, ich zog ihm vorsichtig das Fell über die Ohren. Nur den Kopf habe ich erhalten. Denn ich wollte ihn nicht einfach nur schick ansprühen, sondern mir war klar, dass er Federn bekommen sollte. Doch eine Grundierung mit Acrylfarbe war trotzdem nötig. Auf die Sprühgrundierung kam eine cremefarbene Acrylfarbe, dann bestellte ich Federn. Im ersten Versuch steckte ich die Federn nur unter das verbliebene Fell am Kopf.

Es folgten drei Stunden in meiner Werkstatt, in der ich mit Kleber bewaffnet, versuchte die Federn am Körper zu befestigen. Zwar hatte ich mir einen speziellen Bastelkleber besorgt, aber es stellte sich schnell heraus, dass der nicht funktionierte. Also griff ich auf den altbewerten Patex zurück, der perfekt klebte.

Die komplette Verwandlung könnt ihr hier in Bildern verfolgen.

Ganz fertig bin ich noch nicht, denn um die Flügel zu bestücken, hatte ich nicht mehr genug Federn. Ich war erstaunt, wie viele man braucht. Die neuen Federn werden erst nach Weihnachten geliefert. Dann bringe ich ihm das Fliegen bei. Ich freue mich schon sehr, wenn er fertig ist. Am Kopf ist die Elektronik ein bisschen eingeschränkt, aber sonst regiert er immer noch. Ich bin sehr stolz auf mich und freue mich schon, wenn ich ihn vorführen kann. Vielleicht könnt ihr ihn bald streicheln.

Steampunk-Alchimistin

An dieser Stelle möchte ich euch einige meiner Steampunk-Sets zeigen, die ich für mich selbst oder meine bessere Hälfte genäht habe.

Den Anfang macht mein Alchimistin-Kombi. Diese habe ich mir Ende 2019 genäht, nachdem Jule mich mit Karten für die Chroniken von Mythodea, einer größeren LARP-Veranstaltung, überraschte, die im Mai 2020 stattfinden sollten. Die Karten haben wir immer noch. Aber die Klamotten sind fertig und zumindest zweimal durfte ich sie austragen. Prämiere hatte das Set auf der Weltenwerker-Convention Anfang 2020 in Gießen. Nur wenige Tage später ging Deutschland in den ersten Lockdown. Da es zu dieser Zeit noch recht kalt war, habe ich auch einen passenden Mantel genäht. Das zweite Mal habe ich die Kombi zum Fotoshooting in den BUGA-Gärten in Düsseldorf getragen. Immer wieder eine tolle Location für Fotos.

Das Unterkleid

Das Unterkleid ist mein ältestes Mittelalter-Unterkleid aus Wäscheleinen. Das muss so rund 20 Jahre alt sein. Die Ränder und Säume waren schon ziemlich mürde. Zunächst habe ich es mit Simplicol in der Waschmaschine eingefärbt und anschließend die Ärmel- und Kragensäume mit Schrägband neu eingefasst. Daher hat das Kleid auch den klassichen Schlüssellochausschnitt. Dieser wird mit einer Brosche geschlossen, die ich auf dem Antik-Markt in Hannover gefunden habe.

Der Rock

Der Rock ist ebenfalls aus festem, robusten Leinen genäht. Das habe ich vom Flohmarkt erstanden. Die Passe und der Bund sind aus Leinenhandtüchern genäht. Das Schnittmuster habe ich von Simplicity 7532 übernommen, aber deutlich abgewandelt. Leider war mit der Rock beim ersten Versuch zu eng. Da musste ich die Passe nochmals abtrennen und ein Stück einsetzen. Die Stoffe habe ich vorher ebenfalls mit Simplicol eingefärbt. Es war eine Doppelfärbung aus Pink und Türkis. Die Stoffe haben die Farbe unterschiedlich angenommen, aber es passt sehr gut zusammen.

Das Korsett

Das Korsett beruht ebenfalls auf Simplicity 7532, wurde von mir aber auch überarbeitet. Das Schnittmuster sieht einen Reißverschluss auf dem Rücken vor, während ich vorne eine Korsettschließe eingebaut habe. Auch musste ich den Schnitt deutlich anpassen, da ich leider nicht eine Modelfigur habe. Verwendet habe ich einen bedruckten Baumwollstoff. Auch als Innenfutter habe ich Baumwolle verwendet. Nächstes Mal würde ich weitere Änderungen vornehmen, denn ich bin mit der Passform noch nicht zufrieden.

Der Mantel

Schon wieder geklaut aus Simplicity 7532. Allerdings habe ich die Front abgewandelt und die Ärmel weggelassen. Der braune Stoff außen ist ein alter Vorhangstoff, irgendein Leinen/Baumwoll-Gemisch. Innen blitzt als Futter der Korsettstoff hervor. Auf die Tasche habe ich ein Drahtgeflecht aufgenäht, dass ich auf einem Weihnachtsmarkt gefunden habe. Die Druckknöpfe sind sehr praktisch, dadurch lässt sich der Mantel schnell an- und ausziehen.

Der Hut

Das Schnittmuster für den Hut habe ich irgendwo im Internet gefunden. Leider habe ich die Quelle nicht mehr rekonstruieren können. Auch der ist komplett selbst genäht und gestaltet. Als Alchimistin habe ich die Möglichkeit, kleine Trankfläschen am Hut zu befestigen. Dadurch bekommt er allerdings etwas Schlagseite, weshalb ich ein Band angenäht habe, das den Hut am Hinterkopf fixiert. Die andere Seite ziert ein Federemsemble und zwei gerollte Papierseiten. Diese zwei Seiten sind tatsächlich ca. 150 Jahre alt und stammen aus alten Akten, die vernichtet werden sollten. Der Hut ist außerdem ein bisschen eng. Nächstes Mal mache ich ihn 5 mm weiter.

Der warme Mantel

Für kalte Tage ich habe noch einen dickeren Mantel aus einem Woll-Synthetic-Gemisch genäht. Grundlage war ein alter Burda-Schnitt, den ich vor Ewigkeiten mal gekauft hatte. Richtig viel Arbeit waren die Schlaufen einzu- und die Knöpfe dazu passend anzunähen. Die sind fast alle übrigens aus dem Kreativregal der Stadtbücherei Erkrath. Ich musste nur zwei zukaufen. Es dauert allerdings ewig, den Mantel an- und wieder auszuziehen. Die Rüschen stammen von einem Rock, den ich auf dem Flohmarkt gekauft habe. Für kalte Tage gibt’s ein paar braune Handschuhe dazu und einen Schal, der bei Jule im Schrank schlummerte.

Weitere Accessoires

Die große Hebammen-Ledertasche habe ich bei Ebay-Kleinanzeigen gefunden. Da passt mein ganzer Heiler- und Alchimistenkram rein. Außerdem habe ich ein „Rezeptbuch“, dessen Hülle mit Edelsteinen verziert ist. Um ein bisschen schlauer auszusehen, habe ich mir noch eine blaue Brille besorgt. Allerdings macht mir die ziemlich zu schaffen, da ich Brilletragen im Alltag überhaupt nicht gewohnt bin. Ohne Taschenuhr geht natürlich eine Steampunkerin nicht aus dem Haus. Falls ich mir mal im Labor die Hände schmutzig mache, habe ich eine kleine Schürze genäht, ebenfalls aus eingefärbten Leinenhandtüchern, die ich über den Rock binden kann.

Damit sollte ich für das nächste LARP gut gerüstet sein. Drückt mir die Daumen, dass es bald wieder losgehen kann.