Foto – Sumsumsum

Einmal im Botanischen Garten Düsseldorf und schon ist ein Speicherchip voll. Im Sommer summt und brummt es überall. Mit viel Geduld und Stativ gelang Jule diese Aufnahme von einer anfliegenden Hummel. Ein starker Auftritt!

Island 2018 – Tag 14

23.07.2018

Landmannalaugar I

Oder: Eine Wanderung und ein Bad für die Ewigkeit

Zeltstadt oder Parkplatz?

Spät sind wir gestern in Landmannalauga angekommen. Statt einem SUV-Abenteuer auf Hochlandpisten ging’s über 5 h außenrum über die Ringstraße. In der Dämmerung haben wir das Zelt aufgebaut und uns in der Nacht den A… abgefroren. Entsprechend spät kriechen wir heute morgen aus den Schlafsäcken. Viele Zelte sind bereits abgebaut und so können wir noch ein paar Steine einsammeln, um unsere Heringe im Boden zu halten.

Jetzt im Hellen können wir das „Lager“ der Hochlandoase, die übersetzt „die warmen Quellen der Leute von Land(sveit)“ heißt, erkunden. Im Schatten des Bláhnúkur, gibt es einen breiten Streifen am Rand des Zeltplatzes, der als Parkplatz dient. Und einen riesigen Zeltplatz! Was hier Zelte und Autos stehen. Eine Doku bezeichnete Landmannalaugar mal als eine bizarre Mischung aus Zeltstadt und Parkplatz. Stimmt. Genau das ist es! Ein paar sehr interessante Fahrzeuge sind auch dabei! Wer ein authentischers Transportmittel sucht, kann auch auf ein Pferd umsteigen, die am Rand es Lagers in einem Pferch grasen.

In der Mitte steht das große Waschhaus, wo es allerdings verdammt kalt und zugig ist. Es gibt mehrere große Zelte, die als Unterstand dienen. Hier kann man trocken und windgeschützt sitzen, kochen und essen. Auch eine Sammelstelle für Gaskartuschen gibt es hier. Das, was hier so lagert, würde uns für ein ganzes Trekkingleben reichen. An der Seite des Kiosk, wo wir unsere Campinggebühr bezahlt haben, hängt sogar ein Busplan. Ja, hier fährt regelmäßig ein Bus. Die Preis kann man allerdings kaum bezahlen. Irgendwo soll es sogar eine Art Supermarkt geben. Aber wir brauchen im Moment zum Glück nichts. Es gibt auch eine feste Unterkunft. Wir können durch die Fenster 3 Stockbetten übereinander sehen. Es passen wohl 60 Leute in das Haus. Eine Nacht hier auf einer Pritsche kostet rund 80,-. Da ist uns unser Zelt schon lieber.

Wir spazieren zurück zur Fuhrt. Die sieht im Hellen gar nicht mehr so bedrohlich aus. Doch nicht jeder traut sich rüber. Am anderen Ufer parken viele Fahrzeuge.

Etwas vom Lager entfernt befindet sich etwas, was wie ein Holzpfahl mit einem Kleiderhaufen aussieht. Das ist „Umkleidekabine“ der Badestelle. Es handelt sich um einen Fluss, in dem heißes und warmes Wasser zusammenlaufen.

Hier werden schon mal definitiv den Abend verbringen. Vorher müssen wir aber noch was tun. Wir brechen zu unserer ersten Wanderung auf.

Wanderung zum Ljótipollur

Auf dieser eigentlich leichten Wanderung zum Mar Ljótipollur bekommen wir eine Lektion in Sachen Wetter im Hochland. Wir laufen im Trüben los. Als wir zur ersten fiesen Steigung kommen, beginnt es waagrecht zu regnen. Wir kauern uns in einen Graben hinter Steinen und ziehen die Regenklamotten über. So ausgerüstet gehen wir weiter. Als wir den Frostastaðavatn (=der See des kalten Ortes) und der Schlackenkegel Stútur erreichen hat es schon wieder aufgehört zu regnen.

Auch müssen wir feststellen, dass es eigentlich keine geschützten Stellen für eine Rast gibt. Als wir den Schlackenkegel Stútur passieren (ihn zu betreten ist streng verboten), verspüren wir trotzdem großen Hunger und Müdigkeit. Kurzerhand hängen wir die Wanderstöcke an den Nagel – an den Wegweiser zum Maar Ljótipollur. Irgendwann werden wir schon noch an seinem Rand ankommen. Es hat längst aufgehört zu regnen, aber der Wind pfeift uns um die Ohren.

Aber hier wird der Weg leichter. Endlich erreichen wir den Maar Ljótipollur. Ein Kratersee von blauer Schönheit.

Ich befürchte schon, dass wir den Bergrücken an seinem Rand aufsteigen musst, aber unserer Rückweg ist deutlich leichter. Über ein großes Lavafeld geht es zurück nach Landmannalauga. Rund um die Hochlandoase ist alles mit Wanderwegen durchzogen. Man könnte wohl eine Woche hier bringen, ohne einen Weg zweimal zu gehen.

Nach dem Essen in einem der großen windgeschützten Zelte, wo wir eine uns mit anderen Gäste über die Qualität von Fertigtüten unterhalten, gehen wir zur Badestelle. Ein heißes Bad haben wir uns richtig verdient. Daher steigen erst 3 h später wieder hinaus. Wir haben so gut einer eine Polin unterhalten, dass wir nicht gemerkt haben, wie die Zeit verflog. Außerdem: raus möchte aus dem heißen Fluss keiner. Außerhalb des warmen Wasser ist es eiskalt (5°C Lufttemperatur). Allein das Abtrocknen wird da zur Herausforderung. Letztlich hilft aber alles nichts. Wir müssen raus. Drei Stunden aufweichem im heißen Fluss findet mein Kreislauf nicht so toll. Nach dem Waten im kalten Fluss gehe ich erstmal auf die Bretter. Ich liege mit sich drehendem Kopf auf der Umkleideplattform und muss warten, bis mein Blut von den Füßen wieder in den Kopf geflossen ist. Erst als ich anfange zu zittern, bin ich bereit einen zweiten Versuch zu wagen. Ich ziehe mich daher nur halbherzig an und gehe schnellen Schrittes zum Waschhaus. In der Dusche trinke ich mehr als dass ich wirklich dusche. Mein Kreislauf ist wieder voll da, der Durst gestillt. So schön warm kriechen wir in die Schlafsäcke. Das wird trotzdem wieder kalt heute nach. Morgen werden wir die Oase bereits wieder verlassen. Nicht ohne eine weitere Wanderung – versteht sich von selbst! Doch so langsam neigen sich unsere Tage in Island dem Ende zu und wir werden dieser schönen Insel im Nordatlantik bald den Rücken kehren müssen.

Unser Pilgertagebuch 3

Hier lest ihr unser ganz persönliches Pilgertagebuch mit unseren Eindrücken auf unserem ersten Abschnitt auf dem Jakobsweg. Wir sind zwei Wochen von der Haustür bis nach Trier unterwegs. Viele Eindrücke haben wir abends bei Facebook gepostet. Sie sind unverfälscht und daher übernehme ich sie meist so, wie wir sie geschrieben haben. Mit der Zeit werden die Einträge länger.

Tag 3: Von Köln nach Brühl

18.06.2022

Tagebuch

Christin (14:23 Uhr): „Verrückt! Heute sind wir um 9:10 Uhr in Köln gestartet. Dieselbe Zeit wie gestern. Jetzt sind wir 5 h unterwegs und wir haben gerade Mal knapp 15 km geschafft. 3 km müssen wir noch bis zum Ziel in Brühl. Dabei geht es kaum hoch und runter. Nur Teer. Keine schwierige Wegstrecke – aber: 34⁰ C. Schon als wir in Köln los zeigte ein Thermometer 27⁰ C. Wir laufen max. 45 min. Dann brauchen wir eine Pause. Die Rucksäcke quälen uns. Und Schatten ist rar. Überall ist tote Hose. Ich hoffe, ihr seid genauso intelligent wie die Leute hier und bleibt schon alle Zuhause und stellt die Füße ins Planschbecken. Wir sitzen noch ein bisschen im Schatten. Vor 17 Uhr macht die Pilgerherberge eh nicht auf. Bringt uns jemand ein Planschbecken und einen Cocktail vorbei?“

Christin (15:43 Uhr): „Geschafft! Inzwischen 36⁰ (gefühlt 40⁰)“

Jule: „3. Etappe auf dem Jakobsweg. Heute vom Kölner Dom zur St. Margaretha Kirche in Brühl.

Es waren zwar „nur“ 18 km, aber das bei 34°C. Auch heute gab es kaum Schatten auf der ganzen Tour. Entsprechend sind unsere Wasservorräte erschöpft und ich um das Wissen reicher wie sich ein Barbecue anfühlt. Jetzt sitzen wir seit 1 Stunde in der Kirche und genießen die Kühle darin. Grade konnten wir sogar noch einen Stempel in unserem Pilgerheft ganz unverhofft bekommen.

Einem Engel sind wir tatsächlich heute begegnet. Eine junge Frau in einem Blumenladen hütet einen der Stempel. Sie bot uns Wasser an an und füllte unsere Flaschen auf. Ohne sie hätte unser Wasser nicht gereicht.“

Zusammenfassung

Nach 30°C gestern sind heute 34°C angesagt. Es soll der vorerst heißeste Tag in Deutschland werden. Und wir haben Juni! Wir haben Glück. Heute steht eine der kürzesten Etappen auf dem Programm. Es geht von Köln nach Brühl, wo es eine echte Pilgerunterkunft gibt. Ich hatte schon im Vorfeld Kontakt. Zwischen 17 und 20 Uhr werden Pilger dort eingelassen.

Jetzt müssen wir aber erstmal aus Köln wieder heraus. Die Apotheke zeigt 27°C, als wir die ersten Kilometer hinter uns gebracht haben und auf den Stühlen eines geschlossenen Cafés verschnaufen. Es geht genauso raus, wie wir reingekommen sind: Geradeaus durch Häuserschluchten. Doch irgendwann biegt der Weg in einen Stadtpark ab und dann sind wir auch raus aus der Stadt.

Hier begleitet uns der Römer-Kanalwanderweg, der ebenfalls nach Brühl führt. An seinem Weg finden sich immer wieder archäologische Highlights, für die wir in der Hitze aber heute kein Auge haben.

In Efferen suchen wir in einer offenen Kapelle Zuflucht vor der Sonne und machen eine Pause. Hier gibt es mal einen Pilgerstempel und der ist sogar ausgeschildert. Auch wenn er sich gar nicht am angegebenen Platz befindet.

Zum ersten Mal müssen wir ein paar Steigungen bewältigen, die mehr sind als Eisenbahn- oder Autobahnbrücken.

In Hürth gibt es den Stempel nicht in der Kirche, sondern im Blumenladen nebenan. Der Raum ist klimatisiert und hier können wir sogar „nachtanken“. Eine junge Dame füllt uns unsere Trinkblasen auf. Vielen Dank! Am liebsten würden wir gleich hier bleiben, aber das geht leider nicht.

Der Rest der Strecke vergeht in einer Gluthitze von Feldwegen und römischen Wasserleitungsbauwerken, die immer mal wieder am Weg auftauchen. Kurz vor Brühl müssen wir noch einmal rasten. Auf einer Kuppe finden wir eine verfallene Bank, die gerade so im Schatten liegt. Dann erreichen wir die ersten Häuser von Brühl.

Nach einer letzten Anstregung kommt die Kirche in Sicht. Es ist 16 Uhr, noch zu früh, um in der Pilgerherberge anzurufen. Also setzen wir uns in die Kirche und genießen die Kühle. Draußen sind es 36°. Gegen 17 Uhr passiert langsam was. Zunächst geht das Licht an und eine Dame spricht uns an, ob wir einen Pilgerstempel möchte. Auch kommen immer mehr Leute hinein. Auf der Homepage erfahre ich, dass gleich ein Gottesdienst stattfindet. Daher versuche mein Glück etwas früher auf dem Herbergshandy und erreiche auch eine sehr nette Frau. Wir vereinbaren, dass sie uns nach dem Gottesdienst vor der Kirche abholt.

Jule und ich sind beide evangelisch geprägt, daher ist ein katholischer Gottesdienst für uns immer ein bisschen ungewohnt. Aber wenn einfach das macht, was die anderen machen, dann klappt das schon mit dem Stehen, Knien und Sitzen. Der Liturgie können wir allerdings nur bedingt folgen. Die Predigt ist zum Glück kurz, denn sie ist inhaltsleer und zusammenhanglos, so dass ich den Worten kaum folgen kann.

Draußen treffen wir wie vereinbart unsere „Herbergsmutter“. Das Zimmer mit vier Betten ist im Nachbargebäude untergebracht. Es ist alles da, was man braucht. Einfach schön hier. Aber auch immer noch sehr heiß. Den Abend runden wir mit einem Essem beim Spanier ab, wo wir uns gehörig den Bauch vollschlagen. Durch die Hitze können wir wieder nicht so gut schlafen, aber sonst sind die Betten sehr bequem. Morgen wollen wir in einer Bäckerei frühstücken und dann wieder eine lange Etappe nach Euskirchen in Angriff nehmen. Ob der Weg komplett passierbar ist, wissen wir nicht. Wir werden an der Urft entlang gehen und kommen damit endgültig in die Flutgebiete. Aber das sehen wir dann.

Fotos – Morgentau

Sind diese Bilder nicht fast schon zu kitschig? Sie gelangen Jule nach einer regnerischen Nacht im frühen Morgen. Frühes Aufstehen lohnt sich für Fotografen immer. Diese Bilder vom Steg von Haithabu sind der Beweis.

Island 2018 – Tag 13

22.07.2018

Svartifoss, Skaftafellsjökull und eine lange Fahrt nach Landmannslauga

Oder: Ein Wasserfall, ein Gletscher und 335 km

Guten Morgen! Ein neuer Tag auf Island und er beginnt mit einem Wunder: Die Sonne treibt uns aus dem Zelt. Sehr ungewohnt. Es ist ein schöner Morgen. Heute’s zum Svartifoss und anschließend ins Hochland nach Landmannalauga.

Aber fangen wir vorne an: Nach einem Frühstück starten wir zum Besucherzentrum am Vatnajökull. Alle Gletscher, die sich hier über die Berge schieben, sind letzendlich Ausläufer von dem gewaltigen Eisschild des Vatnajökulls.

Bereits gestern hatten wir uns die Wanderung S6 ausgeguckt. Beim Besucherzentrum ist bereits die Hölle los. Wir bekommen keinen Parkplatz und müssen auf einen Ausweichparkplatz. Hier macht sich auch gerade unsere Franzosengruppe warm.

Bis zum Svartifoss ist die Wanderung überlaufen. Der Weg ist einfach, daher sind hier viele Bustouristen unterwegs. Die Aussicht auf den Wasserfall ist fantastisch. Sehr wundern müssen wir allerdings über die Leute, die Absperrung überklettern, um Fotos von sich direkt vor dem Wasserfall im Fluss zu machen. Dabei wird überall auf die empfindliche Natur und die Steinschlaggefahr hingewiesen. Wir schütteln darüber nur den Kopf und steigen höher. Hier wird es auch endlich leerer auf den Wanderwegen.

Wir erreichen ein Felsplateau über dem Skaftafellsjökull und haben gute Sicht auf die gigantische Gletscherzunge und den sich über uns erhebenden Kristínartindar. Dessen Gipfel werden wir heute nicht stürmen.

Gerade als wir unsere Pause beenden, tauchen die französischen Jugendlichen auf. Es wird voll hier oben. Schnell machen wir uns an den Abstieg. Beim Abstieg sehen wir die riesigen Sanderflächen, die die Gletscher bei Gletscherläufen erzeugt haben.

Vor ein paar Tagen hat mich ein Freud per WhatsApp angefragt, ob wir in Island schon irgendwelche Menschen haben. Als wir um eine Ecke biegen haben wir einen guten Blick auf den völlig überfüllten Parkplatz. Damit ist die Frage wohl beantwortet. Tatsächlich war mir diese Ecke hier zu voll. Ich bin daher froh, dass wir diesen Touristenhotspot verlassen.

Wozu ein SUV, wenn die Hochlandpisten unpassierbar sind?

Wir verlassen die Gletscher und die Südküste und fahren zurück ins Hochland. Das war zumindest der Plan…

Allerdings hatten wir schon auf der Hinfahrt gehört, dass auf der Straße F208, die wir für den Weg nach Landmannalauga geplant hatten, eine Brücke vom Hochwasser beschädigt und viele Furten durch den langen Regen sehr hoch wären. Also machen wir in Klaustur eine Pause, sehen uns zunächst den „Kirchboden“ (eine Ansammlung ziemlich cooler Balastsäulen) an und fragen in der Touristen-Info, wie die Strecke aussieht.

Die Empfehlung ist klar: „Fahren Sie weiter auf der 1 und näheren Sie sich Landmannalauga von Nordosten aus. Dieser Teil der ist auch für „normale“ Auto befahrbar.“ Da fragen wir uns, wozu wir einen SUV gemietet haben (Antwort: Damit wir ihn als rollenden Kleiderschrank und Zeltplatz missbrauchen können.)

Die Fahrt dauert nun 5 h und es sind 334 km statt 167 km! Allerdings hätten wir durch die schlechte Wegbeschaffenheit wohl auch eher 4-5 h über die F208 benötigt. Nach einem Einkaufs- und kurzem Fotostopp auf den Klippen von Vík übernehme ich das Steuer und wir fahren, fahren, fahren… und Jule verschläft diesen fast sonnigen Tag auf dem Beifahrersitz.

Erst im Hochland für die letzten 30 km übernimmt Jule wieder das Steuer. Die Strecke ist deutlich schwieriger als die F35, aber lösbar. Kurz vor Landmannslaugar passieren wir zwei Fuhrten. Es ist dämmrig, also sehr spät. Es muss um Mitternacht sein. Trotzdem können wir unseren Zeltplatz noch bezahlen. Die Dame will den Laden gerade schließen. Der Aufbau wird nochmals spannend, denn alle guten Plätze, und vor allem die Steine zur Befestigung der Heringe, sind schon weg. Wir schaffen es trotzdem. Es ist kalt hier. 5°C und sehr feucht. Zum Glück haben wir in Vík eine dicke Wolldecke gekauft, die wir uns teilen. Außerdem stelle ich fest, dass man zwei lange Unterhosen übereinander ziehen kann. Denn mir ist so kalt, dass ich nach einer Stunde frieren nochmals aus dem Schlafsack krabbel, mir eine zweite lange Unterhose aus dem Auto hole und meine Wärmflasche nochmals aufbrühe. Dann kann ich im fast Dunkeln endlich einschlafen.

Erst am nächsten Morgen werden wir einen Blick haben, für ein Stätte, die in einem Reisevideo als eine „sonderbare Mischung zwischen Zelt- und Parkplatz“ bezeichnet wurde. Das ist also Landmannalauga.

Unser Pilgertagebuch 2

Hier lest ihr unser ganz persönliches Pilgertagebuch mit unseren Eindrücken auf unserem ersten Abschnitt auf dem Jakobsweg. Wir sind zwei Wochen von der Haustür bis nach Trier unterwegs. Viele Eindrücke haben wir abends bei Facebook gepostet. Sie sind unverfälscht und daher übernehme ich sie meist so, wie wir sie geschrieben haben.

Tag 2: Von Zons nach Köln

17.06.2022

Christins Tagebucheintrag

„Geschafft! Nach 7:30 h insgesamt, 30 km geradeaus, fast nur Teer, sind wir in Köln am Dom angekommen. Der Hüfte geht es besser. Dafür tun die Schultern weh. Aber wir haben sogar den Stempel noch eingesammelt. Jetzt sitzen wir beim verdienten Essen. Bilder gibt es kaum. Dafür war die Etappe zu hässlich. Morgen geht’s nach Brühl. „Nur“ 18 km.“

Jules Tagebucheintrag

„Heute die zweite Etappe auf dem Jakobsweg geschafft nach 32 km. Nachdem Christin gestern kaum noch laufen konnte und wir auf einen Muskelfaserriss getippt haben, sind wir heute sogar pünktlich um unseren Stempel zu holen.

Morgen geht es dann nach Brühl. Nur 18 km aber die Temperaturen steigen.“

Zusammenfassung

Es stehen 30 km geradeaus auf dem Programm. Heute können wir bereits der Jakobsmuschel folgen. Ab Zons ist der Weg gut markiert. Aus Zons heraus geht es hoch auf den Deich. Diesem folgen wir in der prallen Sonne bis nach Worringen und erreichen damit die ersten Stadtteile von Köln. Dank stetem Wind ist der Teil der Etappe aber gut zu ertragen. In Worringen erleben wir das erste Mal unfreundliches Bodenpersonal. An der Kirche können wir zwar einen Geocache finden, in der Kirche aber nicht den Stempel. Zum Glück ist die Tür des Gemeindebüros geöffnet und ich klopfe an ein Büro, aus dem ich Stimmen höre. Höflich fragte ich nach dem Stempel. Nachdem ich eine patzige Antwort erhalten habe, höre ich beim Herausgehen, wie die eine Dame die andere anfaucht, ob sie die Tür nicht abgeschlossen hätte. In der Kirche finden wir zwar die Stelle, wo der Stempel sein sollte, wohl aber nicht den Stempel. Eine weitere Nachfrage im Büro erübrigt sich. Die Tür ist verschlossen, auf Klingeln wird nicht reagiert. Durch das geöffnete Fenster kann ich die Damen jedoch beim Schnacken hören.

Nach dieser Erfahrung setzen wir unseren Weg am Rhein entlang fort und treffen bald auf eine schnuckelige Kapelle, wo wir erneut Abkühlung finden – und den Stempel.

Bald treffen wir auf eine Strecke, vor der wir uns schon auf der virtuellen Karte gefürchtet haben. Ca. 5 km geht es geradeaus durch die Fordwerke in der prallen Sonne, Straßenbahnlinie inklusive. Hässlicher geht es kaum. Wir stellen das Gespräch ein und jeder läuft für sich. Es sind inzwischen 30°C (oder mehr?). Irgendwann flüchten wir auf die andere Straßenseite und versuchen ganz dicht an den Mauern entlang zu gehen, um ein wenig Schatten zu erwischen. Als wir auf die große Kreuzung treffen, sind wir zwar noch nicht erlöst, dürfen aber immerhin mal abbiegen und kommen so direkt zum Rhein. Hier waren wir schon mal. Ich erkenne das wieder. Nur ein paar Hundert Meter weiter haben wir vor 1,5 Jahren mal angehalten, weil ich noch nie den Rhein bei Hochwasser gesehen hatte. An diesem Tag waren wir in Köln, um Holz für den Ausbau unseres Autos zu kaufen. Nach einer ausgiebigen Pause laufen wir am Abzweig zur Holzfirma vorbei. Seltsam sind die Wege Gottes…

Geradeaus. Das ist der Titel der heutigen Etappe. Denn es geht weiter geradeaus, nur dass wir nun nicht mehr ein Industriegebiet durchqueren, sondern an einer Ausfallsstraße von Köln entlang marschieren.

Schließlich treffen wir auf den Bahnhof und sind damit kurz vor dem Dom in der Innenstadt. Den Stempel gibt es hier im Dombüro, welches bald schließt. Wir wollen eigentlich direkt dorthin laufen, aber unser Hostel liegt auf dem Weg. Wir stellen das Gepäck ab und erreichen mit leichten Schritten die Domplatte. Im Dombüro gibt es nicht nur den Stempel, ein Glas Wasser, sondern auch das neue, wirklich beeindruckende Holzmodells des Dom, dass ein Syrer gebaut hat. Den Dom selbst lassen wir aber aus.

Fertig sind wir heute noch nicht. Wir müssen noch zu Globetrotter, Essen und Gas für den Kocher holen. Mit diesem kleinen Spaziergang sind es am Ende des Tages 36 km, die wir gelaufen sind. Für die zweite Etappe eine ganze Menge.

Die Nacht wird leider zum Horror. Aufgrund der Hitze können wir kaum schlafen. Wir lassen trotz des Lärms die Fenster offen, was allerdings nicht viel Abkühlung bringt. Aber auch nächtliche Hitze wird ab sofort ein Thema sein, das uns begleitet. Immerhin sind meine Hüftschmerzen fast weg. Morgen laufen wir weiter.

Foto – Letzte Gedanken II

Dieses Bild entstand 2020 auf Elfia in Arcen.

Wohin richtet sich der Blick? Ist es Traurigkeit, die diese Miene widerspigelt? Oder schlicht nur der Blick auf die Taschenuhr? Ich weiß es nicht… Was siehst du in ihr?

Unser Pilgertagebuch 1

Hier lest ihr unser ganz persönliches Pilgertagebuch mit unseren Eindrücken auf unserem ersten Abschnitt auf dem Jakobsweg. Wir sind zwei Wochen von der Haustür bis nach Trier unterwegs. Viele Eindrücke haben wir abends bei Facebook gepostet. Sie sind unverfälscht und daher übernehme ich sie meist so, wie wir sie geschrieben haben. Von Jule gibt es am ersten Tag keinen Tagebucheintrag

Tag 1: Von Zuhause nach Zons

16.06.2022 (Fronleichnam)

Tagebuch von Christin

„Der erste Tag auf dem Zuweg zum Jakobsweg. Es war warm und auf der Strecke viel Teer. Aber leider weiß ich nicht, ob ich morgen weiter laufen kann. Meine Hüfte schmerzt so sehr, dass ich zum Restaurant humpeln müsste. Selbst jetzt im Sitzen tut es noch weh. Das fühlt sich nicht nach Muskelkater an. 1. Tag und schon abbrechen? Ich könnte heulen. Hier trotzdem ein paar Bilder. Es ging von Zuhause nach Zons. Drückt mir bitte die Daumen, dass morgen früh wieder alles gut ist.“

Zusammenfassung

Wir sind morgens gemütlich direkt von zuhause aus gestartet. Es geht von Hochdahl nach Zons. Geplant sind rund 18 km.

Zunächst sind wir nach Hilden, wo wir uns in einem Hofladen gestärkt haben, gelaufen, dann ging es weiter nach Benrath. Bei der Streckenplanung hatte ich mich an Wanderwegen orientiert. Ich hatte den Park von Schloss Benrath noch nie gesehen, ich fand ihn sehr beeindruckend. Mit der Fähre ging’s rüber nach Zons. Wir haben uns einfach unter die Radfahrer gemischt. Direkt am Anleger trafen wir auf den Jakobsweg. Wir hatten ein schnuckeliges Hotel in der Zollfeste gebucht. Unser Altstadt-Rundgang, der Museumsbesuch und der anschließende Restaurant-Besuch endete mit Humpelei, denn mir tat meine linke Hüfte so weh, dass ich kaum bis ins Hotel laufen konnte. Das war der erste Pilgertag in aller Kürze.

Nein, das wichtigeste habe ich vergessen. Tatsächlich konnten wir die Küsterin der Kirche noch abfangen. Ich hatte mir im Vorfeld ihre Telefonnummer geben lassen. So konnten wir uns vor Ort verabreden. Um 16 Uhr schließt sie für gewöhnlich die Kirche ab und wir waren um 15:30 Uhr in Zons eingetroffen. Das passte also gut. Der Pilgerstempel ist nicht frei zugänglich, daher mussten wir uns mit der Dame treffen. Das hat gut geklappt. Vielen Dank nochmals!

Island 2018 – Tag 12

21.07.2018

Die Gletscherlagunen vom Vatnajökull

Oder: Eisberge bis zum Umfallen

Eine halbgute Entscheidung

Unsere Ankunft unterhalb des Vatnajökull stand nicht gerade unter einem guten Stern. Als wir abends in der Gletscherregion, am Südrand des Vatnajökulls, ankommen, stehen uns zwei Campingplätze stehen zur Auswahl. Wir nehmen den kleineren mit dem großen Gemeinschaftshaus bei Svínafell. Eine teilweise richtige Entscheidung. Hier gibt es Kochplatten im Warmen. Allerdings auch sehr viele Franzosen, die diese vollständig belegen. Der Tonfall ist alles andere als nett. Aber immerhin kann man sich hier aufwärmen.

Einbahnwanderung zwischen den Gletscherseen

Zum Glück ist es heute von oben trocken, auch wenn die Wolken wie immer tief hängen. Also können wir heute auf eine eher ruhige Wanderung gehen, die mehrere Gletscherseen miteinander verbindet. Da es sich um eine Einbahnstrecke handelt, entscheiden wir uns nur die Hälfte zu gehen und danach umzudrehen. Wir wollen unser Glück beim Trampen nicht nochmals riskieren. Wir starten am Fjallsárlón, dem See, in den der Fjallsjökull kalbt.

Der Weg fürht uns durch ein flaches, aber steiniges Gelände. Die riesigen Findlinge haben die Gletscher vor langer Zeit hier liegenlassen.

Wir gehen nur bis zum Breiðárlón. Die Gletscherzunge ist weit weg am Horizont zu erkennen, daher sieht man auf diesem See auch keine Eisberge. Am Ufer sammeln wir Federn der Skuas. Von den angekündigten Attacken der brütenden Vögel bleiben wir verschont. Wir begegnen nur einer kleinen geführten Wandergruppe, sonst sind wir ganz allein.

Zurück am Auto merken wir, dass es deutlich voller geworden ist. Waren wir am Morgen fast das einzige Auto, stehen hier nun Busse und der Parkplatz ist fast voll.

Eiskalte Touri-Hölle

Wir fahren eine Gletscherlagune weiter zum Jökullsárlón. Hier steppt der Bär erst richtig. Wir bekommen kaum einen Parkplatz. Wir machen Mittagspause im Auto und beobachten das Treiben. Direkt vor uns fährt alle 5 Minuten ein vollbesetzes Amphibienfahrzeug los. Maßenabfertigung auf isländisch. Wir machen stattdessen nur einen kurzen Fotospaziergang.

Frei übersetzt heißt der See eigentlich nur „Gletscherflusslagune“, trotzdem ist er einer der bekanntesten Spots in Island. Mit rund 25 km² ist diese die größte der drei Lagunen. Gespeist wird diese bizarre Eiswelt vom Breiðarmerkurjökull, der sich noch bis 1933 direkt ins Meer ergoss. Inzwischen sind es 5 km bis zum Meer.

Die schrägste Begegnung am See ist ein asiatisches Brautpaar, dass dort ein Fotoshooting veranstaltet. Die Braut trägt ein ärmelloses Kleid, aber immerhin dicke Wanderstiefel. Ich dagegen bin passender gekleidet.

Mehr Eis – mehr Gletscher

Wir haben noch nicht genug vom Eis. Nachdem wir abends auf dem Campingplatz gegessen haben, fahren wir noch zum Besucherzentrum am Skaftafell. Einerseits wollen wir die Lage für unsere morgige Wanderung auskundschaften, anderesseits wollen wir zu der Gletscherzunge des Skaftafellsjökull laufen. Hier kommt man der Gletscherzunge ganz nah, dafür gibt es deutlich weniger spektakuläre Eisberge auf dem See. Wir sind fast allein hier. Seltsam nach dem Andrang am Jökulsárlón.

Morgen wollen wir hoch zum zum Svartifoss laufen. Wir haben uns für die Tour „S6“ entschieden. Danach geht es wieder ab ins Hochland. Landmannalauga wartet schon auf uns!