Neanderlandsteig-Runde zwischen Erkrath und Gerresheim

05.09.2021

Ich bin wieder allein unterwegs. Julias Knie ist noch nicht so weit, dass sie schon wieder mitwandern kann. Auch dieses Mal suche ich mir eine Strecke bei Outdooractive raus. Meine Wahl fällt auf eine Wanderung mit dem komplizierten Titel „246_Neandertalsteig _Erkrath-Hilden Teiletappe 10 auf Etappe 11„. Die Strecke ist einer meiner Wanderung vom Jahresanfang ähnlich. Dort hatte ich zwei Wanderungen aus dem Wanderführer „25 Wanderungen rund um Düsseldorf“ von Mario Tranti kombiniert. Dieses Mal laufe ich zwischen Erkrath und Gerresheim im Uhrzeigersinn. Meine Tour beginnt um kurz nach 10 Uhr an einem Sonn- und Sonnentag am Wanderparkplatz oberhalb des Ausflugsrestaurants „Kaiserhaus“ an der Erkrather Landstraße.

Zwar stehen auf dem Parkplatz bereits viele Autos, aber ich bin im Moment allein. Ich tauche ab in den Wald auf dem Weg ins Rotthäuser Bachtal und es geht sofort abwärts. Auf schönen, teilweise aber ausgewaschenen Waldwegen geht es Richtung Haus Morp. Als ich aus dem Wald komme, öffnet sich das Tal und ich lasse den Blick in die offene Landschaft schweifen.

Über Schotter und Teer geht es zum Haus Morp und in dessen Park. Hier treffe ich auf den Neanderlandsteig. Obwohl ich hier schon über ein Jahr wohne, habe ich den Park bisher nie besucht. Doch der Besuch lohnt sich. Der Park ist sehr schön angelegt. Es gibt einen hübschen Teich. Überall stehen Erklärtafeln, die dem geneigten Besucher Aufbau und Geschichte des Parks näher bringen.

Ich verlasse den Park und damit auch meinen GPS-Track. Denn hier ist eine offizielle Wanderumleitung ausgeschildert. Dieses Mal sind jedoch nicht die Hochwasserschäden schuld. In Erkrath wird eine Fußgängerbrücke über die Düssel ersetzt. Daher ist der Fußweg an der Düssel entlang im Moment nicht passierbar. Ich muss daher etwas mehr durch die Stadt laufen, als ursprünglich vorgesehen, aber kurz vor dem Sportplatz kann ich die Brückenbaustelle gut sehen. Zwar ist das Fundament schon da, aber sonst noch nichts. Hier wäre ich wirklich nicht rübergekommen.

Hinterm Station geht es kurz durch landwirtschaftliche Felder und weiter über die Eisenbahnbrücke. Hier wundere ich mich, dass die Schilder des Neanderlandsteigs anscheinend fehlen. Ich bin diesen Weg schon oft gegangen und kenne mich aus. Also lasse ich mich nicht irritieren, sondern gehe den bekannten Weg. Der führt parallel zur Bahnlinie und dann rechts in den Wald. Der Waldweg ist jedoch gesperrt. „Lebensgefahr“ steht auf dem Schild. Allerdings sehe ich viele Spuren, die um das Gitter herumführen. Ganz unpassierbar wird der Weg wohl nicht sein. Auch kommt mir nach wenigen Metern eine Spaziergängerin entgegen, die mir versichert, dass man den Weg ohne Probleme gehen kann. Nur Minuten später heizen drei Mountainbiker talabwärts an mir vorbei. Mir ist allerdings schon aufgefallen, dass die kleine Schlucht, an der man hier entlanggeht, anders aussieht als sonst. Ihr Boden ist voll gelbem Schlamm. Und dann sehe ich es:

Hier hat das Unwetter zu einem Hangabrutsch geführt. Der Weg ist zur Hälfte weg. Aber als Wanderer kommt man ohne Problem daran vorbei.

Als ich aus dem Wald herauskomme und mich an der kleinen Hütte orientieren will, schaue ich erneut dumm aus der Wäsche. Der Wegweiser ist weg und auch an den Masten sind die Wanderschilder schwarz übersprüht. Noch gehe ich von Vandalismus aus, aber am Waldrand sehe ich frische Neanderlandsteigschilder. Jetzt ist es offensichtlich: Es handelt sich um eine Umleitung wegen des Hangabrutsches. Leider war das nicht beschildert, aber wäre ich den Schilder gefolgt, wäre ich wohl eine mir unbekannte Strecke gelaufen. Sei’s drum. Jetzt sind wir alle wieder zusammen: der Neanderlandsteig, mein Track und ich. Weiter geht’s in einen Hohlweg, der mich nach Unterbach bringt.

Auf den letzten Metern werde ich allerdings angegriffen: Mücken schwirren nicht nur um sich herum, sie haben mich auch zum Fressen gern. Daher muss ich in einer Bushaltestelle kurz meinen Stichheiler herausholen, um die Stiche zu „toasten“. Leider scheinen die Batterien leer zu sein, denn das Ding funktioniert nicht. Also muss ich wohl mit juckendem Schulterblatt und Ellenbogen weiterlaufen.

Mein Track lässt mich die Rothenbergstraße überqueren, die Vennhausen mit Erkrath verbindet. Vennhausens Name kommt vom „Venn/Fenn“, einer Bezeichnung für eine morastige Niederung oder ein Moor. Der schön zu laufenden „Siebenbrückenweg“ führt durch besagtes Venn zum Unterbacher See. Leider finden nicht nur Wanderer und Spaziergänger diesen Weg toll. Ich bin weiteren Angriffen von Mücken ausgesetzt. Nur schnell weg hier!

Nach 10 Minuten treffe ich auf den Unterbacher See und vorbei ist es mit der Ruhe. Schon auf dem Siebenbrückenweg bin ich einigen Leuten begegnet, aber hier an Düsseldorfs Auflugsziel Nr. 1 ist die Hölle los. Für ein Tretboot muss man etwa eine Stunde anstehen. Das gilt zum Glück nicht für die Toilette, auf die ich eben huschen kann. Das ist der Vorteil solcher Touristen-Spots: eine gute sanitäre Infrastruktur. Ich verlasse den Neanderlandsteig an dieser Stelle und gehe nach links die Teerstraße am See entlang. Ich will diesen Abschnitt schnell hinter mich bringen. Denn mir ist das einfach zu voll, auch wenn der See in der Sonne wirklich sehr schön aussieht. Trotzdem verschiebe ich meine Pause auf später. Es wäre auch keine Bank freigewesen.

Sobald ich mich vom Unterbacher See entferne und wieder im Wald bin, wird es sukkessive ruhiger. Mir knurrt der Magen, da kommt mir der Rastplatz nach etwa 700 m gerade recht. Im Schatten lasse ich mir meinen Quinoa-Salat und zum Nachtisch Aprikosen schmecken.

Nach meiner Pause ausgeruht und angefüllt mit neuer Energie geht es weiter durch den Wald auf Vennhausen zu. Allerdings könnte ich schreien und am liebsten wegrennen. Die Mücken sind wieder da und ich kann gar nicht so schnell um mich schlagen, wie diese Viecher zustechen. Ich hoffe, ich komme hier bald raus. Aber tatsächlich komme ich gar nicht nach Vennhausen rein und aus dem Wald raus, wie ich gedacht habe, sondern bleibe parallel zu den Häusern im Wald und so den Mücken erhalten.

Wieder überquere ich die Rothenbergstraße, dahinter geht es steil den Hang hoch. Während ich mich schwitzend die Steigung hochkämpfe, bin ich Freiwild für meine fliegenden Verfolger. Oben angekommen brülle ich mittlerweile vor Schmerzen. Die Tränen laufen über meine Wangen. Ich will nur noch, dass die Mistviecher mich in Ruhe lasse. Beide Ellenbogen sind dick angeschwollen, meine Arme, mein Nacken, meine Schulterblätter, alles tut einfach nur noch weh. Die Kniekehlen kann ich kaum noch knicken, so dick sind die Stiche angeschwollen. Hier juckt nichts, es gut einfach nur höllisch weg.

Am Ende des Tages wird Jule bei 30 Stichen aufgehört haben zu zählen. Meine Ellenbogen werden so dick sein, wie bei einer Schleimbeutelentzündung. Meine Hausärztin wird mir am Montag eine hohe Dosis Cortison-Tabletten verschreiben und mich vorsorglich gegen Tetanus impfen. Selbst nach einer Woche wird man die schlimmsten Stiche noch sehen können.

Doch davon weiß ich gerade noch nichts. Stattdessen erwartet mich nach der Steigung das nächste Problem. Mein Track will mich einen Weg führen, wo keiner ist. Ich kann zwar durch eine Schneiße nach unten auf Gerresheim gucken, runter komme ich hier aber nicht. Nachdem ich ein bisschen im Kreis gelaufen bin, entscheide ich mich für einen Trampelpfad im Wald, der mich in die richtige Richtung bringt. Als ich am Waldrand wieder auf meinem Track auftauche, will ich einfach nur schnell laufen, um meinen schmerzenden Körper zu vergessen. Auf einer Bank versuche ich es unter Tränen nochmals mit dem Stichheiler. Doch der tut nichts. Immerhin habe ich Schmerztabletten immer an Bord, von denen ich heute gleich zwei einnehme. Ich weiß mir nicht mehr zu helfen.

Allerdings merke ich, dass ich meine Abzweigung nach Gerresheim verpasst habe. Ich muss einen halben Kilometer zurück. Dass ich die Abzweigung übersehen habe, ist kein Wunder. Der Weg über die Wiese ist im Moment nicht erkennbar, denn ein Bauer ist gerade dabei zu mähen und das ganze abgemähte Gras verdeckt den Pfad. So stampfe ich einfach über die Weise und auf die Bahnlinie zu, die ich durch einen kleinen Tunnel unterqueren soll. Aber es scheint seit der Pause nicht mehr meine Wanderung zu sein. Erst die Mückenangriffe, dann der ungenaue Track, die verpasste Abzweigung und jetzt steht die Unterführung knietief unter Wasser! Von weitem hatte ich das für einen kleinen Teich gehalten. Hier komme ich nicht durch, denn meine Schwimmflügel habe ich nicht dabei. Aber weiter vorn hatte ein Türchen im Zaun gesehen. Ich werde die Gleise wohl so überqueren müssen. Und tatsächlich ist auf dieser Seite des Zauns, der die Gleise abtrennt, ein Türchen und eine Treppe. Jetzt also gut gucken. Es kommt kein Zug. Schnell rüber. Und zack, ich lande in den Büschen und Brombeeren auf der anderen Seite und stehe vor dreireihigem Stacheldraht. Kein Türchen. Aber auch zum Glück kein heranrollender Zug. Also Rucksack aus und rüberschmeißen. Stöcke in Position bringen und vorsichtig durch den Stacheldraht klettern. Bloß nicht noch mehr Schaden auf meiner Haut. Die Stiche reichen völlig.

So viel Abenteuer wollte ich heute nicht erleben. Mir reicht’s jetzt! Ich will nur noch zurück zum Auto! Energisch gehe ich über den Feldweg und stehe nach 250 m vor dem nächsten Hindernis. Der Weg, der mich Gerresheim bringen soll, ist Teil einer Pferdeweide, die mit einem Gatter gesichert ist. Super! Sonst noch was?

Also, wieder ein Stück zurück und links rum. Ein paar Minuten später stehe ich auf dem Pferdehof. Privatbesitz! Es wird immer besser. Zum Glück hat eine Reiterin, die gerade ein Pferd putzt, kein Problem mit mir, sondern erklärt mir gelassen, wie ich zur Straße komme. Als ich die erreiche, bin ich auch wieder auf meinem Track. Ich kann durchatmen.

Und jetzt beginnt nochmals ein sehr schöner Teil der Wanderung, den ich genießen möchte. Nachdem ich ein paar Häuser von Gerresheim gestreift habe, geht es nämlich wieder in den Wald und dann die nächste Zeit am Gerresheimer Friedhof entlang. Im Februar bin ich diesen Weg abgestiegen, heute muss ich aufsteigen. Aber der Weg ist ein schöner Waldweg und es ist ruhig hier.

Um dem Wanderpfad zu folgen, muss man hier den Friefhof kurz betreten. Man überquert die Straße, durch den Friedhof führt. An der Hütte hier habe ich im Februar Pause gemacht. Ein kleines Tor entlässt einen aber sofort wieder auf einen schmalen Trampelpfad. Hier verliert man definitiv das Gefühl, man sei mitten in Düsseldorf. Und doch ist es so. Das merke ich aber erst wieder hinter der nächsten Biegung.

Dass es hier doch Spuren menschlicher Besiedlung gibt, sehe ich, als ich durch ein kleines Maisfeld gehe, das sich am Rand des Friedhofs befindet. Das war im Februar natürlich nicht da gewesen. Als ich aus dem Maisfeld komme, kann ich den Funkturm sehen und weiß, dass ich meine Wanderung bald geschafft habe. Allerdings bin ich nun wieder auf Feldwegen unterwegs und die Sonne brennt.

Als mein Weg nach rechts bergab abknickt, kann ich von weitem den Bauernhof mit dem großen Teich sehen, auf den ich heute morgen zugelaufen bin. Jetzt ist nicht mehr weit. Am Fuß des Hügels treffe ich auf eine Flussaue, an der ich durch eine Allee mit Kopfweiden zurück in den Wald schreite. Mit so einem schönen Highlight hatte ich nicht mehr gerechnet. Es versöhnt mich mit der Strecke und den Hindernissen.

Im Wald geht es jetzt bergauf, aber das ist auch kein Wunder, schließlich liegt der Wanderparkplatz oben am Hang. Der Waldweg schlängelt sich aber moderat nach oben, so dass ich nur ein wenig ins Schwitzen komme. Ich muss noch eine kleine Steigung gewältigen, denn der Weg führt mich nicht in gerade Linie zum Wanderparkplatz zurück, sondern macht nochmals einen Bogen durch den Wald. Ein letztes Stück zum Genießen, denn mittlerweile wirken auch die Schmerztabletten. Als ich dann hinter der Infomationstafel zum Rotthäuser Bachtal aus dem Wald komme, ist der Parkplatz voll bis zum Anschlag. Nur gut, dass ich heute recht früh unterwegs war. Mein Auto steht zwar mittlerweile in der prallen Sonne. Aber da ich völlig verschwitzt bin, kommt es darauf nicht an. Ich verschnaufe und rekapituliere: Es war eine sehr schöne Wanderung – wenn man mal von Umleitungen, Hangabrutschen und von 30 Mückenstichen einmal absieht. Ein bisschen Abenteuer gehört halt doch auf jeder Wanderung dazu, oder?

Zusammenfassung

  • Gelaufen am: Sonntag, 05.09.2021
  • Länge laut GPS: 19,7 km
  • Geschätzte Höhenmeter: 782 Hm (Aufstieg 391 Hm, Abstieg 391 Hm)
  • reine Gehzeit: 5:13 h
  • gesamte Dauer: 4:40 h
  • Charakteristik: Eine empfehlenswerte Rundwanderung durch schöne Landschaften. Abwechslungsreich mit Wald, Feld und dem Unterbacher See. Allerdings sollte man sich nicht sklavischen an den Track halten, sondern mit Sinn und Verstand laufen, gerade wegen der Unwetterschäden. Die Überquerung der Bahnlinie auf meine Art und Weise kann ich niemanden empfehlen. Daher sollte man sich – falls möglich – vorab informieren, ob die Unterführung passierbar ist.

Plants of New Zealand – Teil 4

Hier möchte ich euch meine liebsten Aufnahme von Neuseeländischen Pflanzen zeigen. Nicht alle sind einheimische oder gar endemische Pflanzen. Viele habe ich im Botanischen Garten in Christchurch während meines Auslandsaufenthalts 2004/05 dort fotografiert.

Heute zeige ich euch ein paar Vertreter der einheimischen und z.T. endemischen Bäume.

„Plants of New Zealand – Teil 4“ weiterlesen

Einmal rund um Haan

Sonntag, 15.08.2021

Heute muss ich mich leider alleine auf den Weg zu einer Wanderung machen. Jule hat seit unserer Wanderung auf dem Schluchtensteig eine Überreizung der Patellasehne. Das muss vier bis sechs Wochen in Ruhe ausheilen, heißt: für sie keine Belastung, dafür Bein hochlegen und Schiene tragen. Wenn gelaufen werden muss, dann nur geradeaus und bloß nicht hoch und runter.

Also bin ich heute alleine dran. Ich will mich ein bisschen bewegen und nicht zu viel machen. Daher suche ich mir bei outdooractive.com eine Runde raus. Die kleine Wanderung rund um Haan hat etwa 16 Kilometer und 538 Hm und sollte in vier Stunden plus Pause gut zu bewältigen sein. Perfekt für einen Sonntagnachmittag mit 25°C und Sonnenschein.

Ich packe also einige Sachen ein und fahre zur Mahnertmühle, wo ich starte. Der offizielle Start liegt laut Route am Parkplatz bei Kellerthor. Aber die Mahnertmühle ist von uns aus sehr gut zu erreichen. Als ich dort ankomme, stehen dort viele Fahrzeuge und einige Leute steigen gerade aus. Diese sind aber so schick angezogen, dass es sich sicher nicht um Wanderer handelt. Das sieht mir eher nach Familienfeier aus.

Der Einstieg führt direkt über die Terrase des Restaurants. Hier werde ich am Ende meiner Wanderung für ein Stück Kuchen und ein kühles Getränk einkehren, auch wenn hier die Flutschäden immer noch sichtbar sind. Direkt hinter der Terrasse geht es ein kleines Stück bergauf. Ich hätte nicht gedacht, dass hier hinten noch weitere Häuser stehen. Aber tatsächlich liegen diese nicht nur versteckt hinter hohen Hecken, sondern sind auch wunderbar angelegt und im Bergischen Stil erbaut.

Eine Teerstraße führt mich raus in die Felder. Der Weg führt hinter der Autobahn A46 entlang, wobei es leicht bergauf geht. Erstaunlicherweise hört man hinter dem Maisfeld nur wenig vom Autobahnverkehr.

Nachdem ich die Autobahn gequert habe, treffe ich auf die Entdeckerschleife „Haan-Gruiten-Süd“. Außerdem bin ich immer wieder erstaunt, wie viele Wanderzeichen es hier in der Region gibt. Denn am Pfosten befindet sich auch noch ein offenes Dreieck. Ein Trampelpfad führt hinunter zur Ellscheiderstraße, die es zu überqueren gilt.

Auch in Kamphausen stehen versteckt im Wald schöne Häuschen, so dass man nicht meint, dass es sich um einen Teil von Haan handelt.

Hinter Kamphausen führt mein Weg hinunter in den Wald und zu einem kleinen Bach hin. Auch dieser muss beim Unwetter bewiesen haben, dass er gern ein großer Fluss wäre. Überall ist die Zerstörung noch zu sehen.

Nach dem Aufstieg beginnt eine waldreiche Strecke, die hinter Häusern entlangführt. Wer diese Wanderung unternehmen möchte, dem empfehle ich, nicht hinter den Häusern entlang zugehen, sondern sich an der Gabelung links zu halten und auf dem Waldweg zu bleiben. Die beiden Wege laufen parallel und treffen später wieder aufeinander. Kurz nach dem Zusammentreffen kommt man plötzlich auf einer Art Hauseinfahrt aus dem Wald heraus und steht mitten in Haan an einer Fußgängerampel. Ab jetzt beginnt ein zäher Abschnitt, der an einer Hauptverkehrstraße durch Hochhaussiedlungen auf der einen Seite und einem Gewerbegebiet auf der anderen Seite führt. Zum Glück ist Sonntag und damit sehr wenig Verkehr. Erst nach 20-30 min knickt der Weg rechts in eine Schrebergartensiedlung ab und folgt hier dem Kreissymbol, das mich in einen Stadtteil mit kleineren Häusern führt. Hier geht’s auch endlich wieder raus aufs Feld, wo Landwirte gerade Heurollen machen. Nachdem ich dem eine Weile zugeschaut habe, folge ich dem A1.

Langsam meldet sich der Hunger, da kommt mir eine schier endlose Brombeerhecke, die ein großes Grundstück einfasst, gerade recht. Ich pflücke, esse und laufe, bis eine Bank finde, wo ich eine Pause einlege. Von hier kann ich zurück auf die Hochhaussiedlung gucken, aber auch den Blick über die offenen Felder schweifen lassen.

Nach meiner Pause führt mich der Weg über einen geterrten Feldweg in eine Art „Schlucht“. Ich folge einem kleinen, namenlosen Bach, der sich hier teilweise sehr tief ein Bachbett gegraben hat. An manchen Stellen hat er ein Stück des Weges weggerissen. Als ich eine Weggabelung erreiche, treffe ich nicht nur andere Wanderer, sondern auch den Neanderlandsteig, der mich hinuter zur Heidberger Mühle bringt. Das Ausflugslokal ist voll besetzt. Zwar hätte ich Lust auf eine Erfrischung, entscheide mich aber angesichts der vollbesetzten Tische dafür, weiterzulaufen.

Mein Weg geht weiter und folgt dem kleinen Fluss. Ich hatte erwartet, dass ich dem Fluss die nächste Zeit weiter folge, doch vor der Bruchermühle ist der Weg versperrt. Dafür geht es nun über eine Wanderstiege und Treppen im Zickzack steil den Hang hoch. Zu meiner Enttäuschung geht es wieder durch ein Wohngebiet, das an diesem Sonntagnachmittag geradezu ausgestorben ist. Meine Stöcke klackern unangenehm laut auf dem Asphalt. Zu allem Überfluss ist der Track auch noch ungenau. Er führt mich in eine Sackgasse und möchte, dass ich quer durch ein Haus laufe. Zum Glück gibt es hier ein Wanderzeichen, das mich in einer Schleife aus der Sackgasse hinausführt.

Nachdem ich die Bahnlinie unterquert habe, geht es hinunter zu Feldern und einer Bachaue. Da ist mein Flusslein also wieder. Auch der Neanderlandsteig ist wieder da, dem folge ich nun ganz brav. So brav, dass ich meinen eigenen Track verlasse und in die falsche Richtung gehe. Der Neanderlandsteig scheint besiedeltes Gebiet weitestgehend zu vermeiden, mein Track führt mich aber direkt ins nächste Wohngebiet von Haan.

Nachdem ich die letzten Häuser von Haan endlich hinter mir gelassen habe, sind keine großen Steigungen mehr zu erwarten. Ab jetzt geht’s geradeaus und dann bin ich schon fast fertig mit meiner Runde. Sagt jedenfalls mein Track. Leider habe ich nicht berücksichtigt, dass mein Startpunkt ca. 2 km hinter dem eigentlich Startpunkt liegt. Die „Distanz zum Ziel“ ist zwar rein rechnerisch richtig, nur ist das Ziel nicht mein Ziel. Ich laufe weiter sehr entspannt über geschotterte Feldwege, mal ganz im Wald, mal an dessen Rand. Dies ist nochmals ein richtig schöner Abschnitt dieser Wanderung. Sogar ein Dixi-Klo hat der Weg zu bieten, das ich gern in Anspruch nehme.

Irgendwann treffe ich am offiziellen Ziel, dem Parkplatz Kellerthor, ein und bemerke meinen Fehler. Eine knappe halbe Stunde muss ich also noch dranhängen. Aber dann winkt in der Mahnertmühle ja ein Stück Kuchen und ein Kaltgetränk! Vorher muss ich allerdings nochmals die Zähne zusammenbeißen. Denn jetzt geht es an der Landstraße zwischen Hochdahl und Haan entlang und die ist selbst an einem Sonntag stark befahren.

Um 15:40 Uhr habe ich mein Ziel erreicht: die Terrasse der Mahnertmühle. Ich will mich gerade auf einem der Stühle niederlasse, da sehe ich eine Tafel mit der Aufschrift „Pause – Ab 18 Uhr wieder da“. Der Gastwirt fordert gerade eine Gruppe auf, die Terrasse nun zu verlassen. Dabei stand nur ein paar Meter weiter, dass das Lokal durchgehend geöffnet sei. Ich spreche den Wirt ein. Ja, er müsse von 15:30 bis 18:00 Uhr zu mache. Grund: Personalmangel!

Etwas enttäuscht mache ich mich auf dem Weg zum Auto. Die Runde war trotzdem gut. Auch ohne Kaltgetränk und Kuchen zum Abschluss. Hier noch wie üblich die kleine Zusammenfassung:

  • Gelaufen am: Sonntag, 15.08.2021
  • Länge laut GPS: 15,2 km
  • Geschätzte Höhenmeter: 668 Hm (Aufstieg 334 Hm, Abstieg 334Hm)
  • reine Gehzeit: 3:35 h
  • gesamte Dauer: 4:00 h
  • Charakteristik: Eine schnelle Runde mit erstaunlich vielen und knackigen Anstiegen. Leider ein hoher Teer- und Siedlungsanteil. Für die lange Strecke durchs Gewerbegebiet in Haan ist Ausdauer angesagt. Insgesamt keine schwere Rundwanderung. Außerdem gab’s leckere Brombeeren.

Fotos – Der Karton

Hat jemand schon mal „Katze“ und „Karton“ bei der Google-Bildersuche eingegeben? Ihr werdet hunderte, ja tausende Treffer finden. Es gibt viele Erklärungen, warum Katzen leere Kartons so toll finden.

Warum allerdings die Zwergmangusten im Aquazoo ihren Karton so toll finden, kann wohl doch am Inhalt liegen. In diesem waren nämlich Mehlwürmer versteckt.

Wir hatten viel Spaß, sie beim Auspacken zu beobachten und zu fotografieren.

Fotos – Landschaften, Tiere, Porträts…

Seit ein paar Jahren begeistert sich Julia für Fotografie. Eine digitale Spiegelreflexkamera und ein gutes Auge, manchmal aber auch schieres Glück, im richtigen Moment auf den Auslöser zu drücken, das ist ihre Ausrüstung. Dabei fotografiert sie am liebsten Porträts, aber auch Landschaften und Tiere kommen vor ihre Linse.

Daher gibt es ab sofort in loser Folge ein Best-of von Julias Bildern. Morgen geht es los. Schaut also rein!

Island 2018 – Tag 3

12.07.2018

Hraunfossar, weiter nach Snæfellsnes, Wanderung zur Eldborg, noch ein Wasserfall und ein Klippenspaziergang in Arnastapi

Oder: Wie viel Programm passt in einen Tag?

Unsere erste Nacht im Zelt lag hinter uns. Ich kann nicht mehr sagen, ob ich gut geschlafen habe. Ich weiß es nicht mehr. Aber Schlaf ist wie Zeit in Island relativ. Jedenfalls sah so unser „Zimmer“ für diesen Urlaub ziemlich gemütlich aus, dazu unser zuverlässiger Mietwagen.

Spaziergang in Húsafell

Am nächsten Morgen krabbelten wir etwas ungläubig aus dem Zelt: Es war sonnig und trocken. Wir konnten sogar draußen frühstücken und mussten nicht eingepfercht wie am Abend in der Hütte hocken. Danach entschieden wir uns für einen kurzen Spaziergang. Von dem Campingplatz aus führten zig Wege in die nähere und weitere Umgebung. Wir entschieden uns für einen flachen Rundweg, den Farmtrail, wobei man die Überreste einer alten Farm sehen konnte. Die Schlucht hätten wir zwar auch umrunden können, aber das wäre uns diesen Morgen zu viel gewesen. Uns, aber vor allem Jules Oberschenkel, steckte noch der Glymur in den Knochen.

Tatsächlich schafften wir es, uns auf dem Rundweg zu verlaufen. Jedenfalls sind wir nicht dem vorgeschriebenen Pfad gefolgt. Die Ruinen selbst waren hervorragend beschildert.

Mit viel Freude machten wir die ersten Bekanntschaften mit Schafen und Pferden.

Was von weitem aussah wie eine Hobbit-Tür, entpuppte sich von Nahem als das Refugium eines Bildhauers und Künstlers, der in der Umgebung auch Findlinge zu Kunstwerken umgestaltet hatte.

Am Flusslauf fanden wir vielfarbige Steine. Jule machte daraus ein ganz eines Kunstwerk. Am Ende des Spaziergangs zog es sich prompt wieder zu. Das Zelt hatten wir aber schon trocken einpackt.

Nebenbemerkung: Isländer mögen keine Steinmännchen. An vielen Stellen gibt es sogar Schilder, die es verbieten, welche zu errichten. Hier gab es kein solches Schild.

Hraunfossar und Barnafoss

Hatten wir noch nicht genug Wasserfälle? Nein, heute war ein neuer Tag, da braucht man mehr Wasserfälle! Kurz hinter Húsafell liegen die Hraunfossar und der Barnafoss. Was das genau ist, lest einfach das Schild:

Dieser Spot ist übrigens touristisch sehr gut ausgebaut. Hier gibt es einen Parkplatz, geschotterte, mit Leinen abgetrennte Wege, Aussichtsplattformen. Einige kritisieren das. Denn hier ist die Natur und das Erlebnis nicht mehr „unberührt“. Die Tendenz in Island ist, immer mehr seiner Spots auf diese Weise zu zähmen. Nachdem, was ich in den 18 Tagen gesehen habe, wird das einzige sein, was die „unberührte“ Natur zu retten vermag, damit sie halbwegs unberührt bleiben kann. Hinter der Absperrung. Bevor ich hier allerdings in eine politische Diskussion über nachhaltigen Tourismus abdrifte, hier die Bilder der Hraunfossar:

Über eine kleine Brücke ging es weiter zum Barnafoss. Lest hier seine Geschichte:

Dem brodelnden Wasser des Barnafoss konnten wir uns nicht entziehen.

Für einen Vormittag war das genug Wasserfall. Unsere Tour führte auf die Halbinsel Snæfellsnes, das Tagesziel war Arnastapi, allerdings gab es auf dem Weg dahin noch viel zu sehen.

Wanderung zur Eldborg

Auf der Fahrt nach Snæfellsnes schlug unser Reiseführer gleich zwei kurze Wanderungen vor. Jule entschied sich für die Wanderung zum Vulkankrater Eldborg. Im Gegensatz zu den Hraunfossar war hier nur sehr wenig los. Nachdem wir uns mit Müsli im Auto gestärkt hatten, ging es durch Büsche und auf einem ausgetretenen, matschigen Pfad langsam, aber stetig aufsteigend zum Vulkanrand.

Einn letzter mühevoller Anstieg noch… dann standen wir am Kraterrand. Trotz tiefhängender Wolkendecke, bekamen wir einen guten Eindruck von der Wildheit von Islands Landschaft.

Mit Blick zum Nebenkrater ging es wieder steil bergab und durch die Büsche zurück zum Auto.

Auf Snæfellsnes am Bjarnarfoss

Wir fuhren weiter an der Südküste Snæfellsnes Richtung Arnastapi, unserem heutigem Übernachtungsziel. Hier wollten wir die schönste Wanderung Islands beschreiten, dem Klippenpfad nach Hellnar und ma nächsten Tag den Snæfelljökull bestiegen. Doch zunächst kam uns noch ein Wasserfall in die Quere: der Bjarnarfoss.

Auf der anderen Seite der Straße befand sich in ca. 2 km Entfernung der Schlackekrater Budáklettur.

Die Ankunft in Arnastapi war etwas schwierig. Denn wir konnten zunächst nicht herausfinden, wo der Campingplatz war. In meinem Reiseführer stimmte nichts mehr. Es war erstaunlich, wie schnell die Tourismus-Industrie Island verändert. Als wir endlich alles geklärt hatten (wir zahlten nur für eine Nacht, obwohl zwei Übernachtungen hier fest eingeplant war), mussten wir feststellen, dass der Boden überall sehr durchweicht war. Aber schließlich fanden wir ein Plätzchen. Die Autos durften die Wiesen jedoch nicht befahren. Zu groß war die Gefahr, dass man stecken blieb. Der Dauerregen hatte Spuren hinterlassen. Zum Zeltaufbau war es wenigsten gerade nicht am Schütten, nur Nieseln. Da hatten wir mal Glück.

An dieser Stelle stellen wir fest, dass wir das Feuerzeug für unseren Brenner vergessen hatten. Arnastapi war zwar mit Bustouristen überlaufen, doch eine Einkaufsmöglichkeit gab es nicht, nicht mal ein Kiosk. In einem nahegelegenen Restaurant half uns ein Kellner aus, mit dem Versprechen das Feuerzeug nach Anzünden unseres Brenner das Feuerzeug unverzüglich zurückzubringen. Wie wir am nächsten Tag an Kaffee kommen sollten, war uns ein Rätsel. Auch in einem anderen Restaurant konnte man uns nicht helfen. Nur die Auskunft, dass die nächste Einkaufsmöglichkeit 50 km weit weg war (und in Island ist das sehr weit), bekamen wir gratis. Das Problem mussten wir also auf morgen vertagen. Am Abend verließen die Touristenbusse langsam den Ort und wir hatten an den Klippen unsere Ruhe, die wir uns tatsächlich an diesem Abend noch anschauten. Es war gerade trocken (von oben). Die Prognose für die nächsten Tag hier auf Snæfellsnes sah aber düster aus. Vor allem hier im Süden der Halbinsel.

Vielleicht hätten wir von der Küste nichts gesehen, wenn wir uns am Abend nicht doch zu einem Spaziergang aufgerafft hätten. Eigentlich wollten wir bloß zum Meer bis zur Statue gehen, sind dann aber immer weiter Richtung Hafen gelaufen. So entstanden die folgenden Bilder zwischen 21:00 und 0:00 Uhr.

Die Basaltformationen im Meer vor Arnastapi werden von hunderten von Möwen belagert. Sie brüten hier und ziehen in den Felsen ihre Jungen groß.

Jede Felsformation, jedes Loch hat hier seinen eigenen Namen und für die Möwen scheint das ein netter Brutplatz zu sein.

Man möchte meinen, die Möwenküken wären hier sicher. Ein Wiesel, das unseren Weg kreuzte, strafte diese Annahmen Lügen. Nachdem es in uns keinen Feind erkannt hatte, lief es schnell außer Sicht. Kurze Zeit später erschien es wieder: ein flauschiges, weißes Abendessen im Maul.

Wir krochen nach dem Spaziergang gegen 0:00 Uhr in unser klammes Zelt und hofften auf besser Wetter.

Für den nächsten Tag hatten wir die angeblich beste Wanderung auf ganz Island geplant: die Küste entlang bis Hellnar. Einen kleinen Eindruck von dieser spektulären Küste hatten wir ja gerade gewonnen. Außerdem wollten wir zu dem berühmten Vulkankrater Snæfellsjökull. Den konnten wir zwar noch nicht sehen, wohl aber zeigte sich an diesem Abend noch der Hausberg Stapafell. Vielleicht würde das Wetter endlich mitspielen. Ob daraus was wurde? Das könnt ihr in unserem Bericht über unseren 4. Island-Tag lesen.