Unser Pilgertagebuch 3

Hier lest ihr unser ganz persönliches Pilgertagebuch mit unseren Eindrücken auf unserem ersten Abschnitt auf dem Jakobsweg. Wir sind zwei Wochen von der Haustür bis nach Trier unterwegs. Viele Eindrücke haben wir abends bei Facebook gepostet. Sie sind unverfälscht und daher übernehme ich sie meist so, wie wir sie geschrieben haben. Mit der Zeit werden die Einträge länger.

Tag 3: Von Köln nach Brühl

18.06.2022

Tagebuch

Christin (14:23 Uhr): „Verrückt! Heute sind wir um 9:10 Uhr in Köln gestartet. Dieselbe Zeit wie gestern. Jetzt sind wir 5 h unterwegs und wir haben gerade Mal knapp 15 km geschafft. 3 km müssen wir noch bis zum Ziel in Brühl. Dabei geht es kaum hoch und runter. Nur Teer. Keine schwierige Wegstrecke – aber: 34⁰ C. Schon als wir in Köln los zeigte ein Thermometer 27⁰ C. Wir laufen max. 45 min. Dann brauchen wir eine Pause. Die Rucksäcke quälen uns. Und Schatten ist rar. Überall ist tote Hose. Ich hoffe, ihr seid genauso intelligent wie die Leute hier und bleibt schon alle Zuhause und stellt die Füße ins Planschbecken. Wir sitzen noch ein bisschen im Schatten. Vor 17 Uhr macht die Pilgerherberge eh nicht auf. Bringt uns jemand ein Planschbecken und einen Cocktail vorbei?“

Christin (15:43 Uhr): „Geschafft! Inzwischen 36⁰ (gefühlt 40⁰)“

Jule: „3. Etappe auf dem Jakobsweg. Heute vom Kölner Dom zur St. Margaretha Kirche in Brühl.

Es waren zwar „nur“ 18 km, aber das bei 34°C. Auch heute gab es kaum Schatten auf der ganzen Tour. Entsprechend sind unsere Wasservorräte erschöpft und ich um das Wissen reicher wie sich ein Barbecue anfühlt. Jetzt sitzen wir seit 1 Stunde in der Kirche und genießen die Kühle darin. Grade konnten wir sogar noch einen Stempel in unserem Pilgerheft ganz unverhofft bekommen.

Einem Engel sind wir tatsächlich heute begegnet. Eine junge Frau in einem Blumenladen hütet einen der Stempel. Sie bot uns Wasser an an und füllte unsere Flaschen auf. Ohne sie hätte unser Wasser nicht gereicht.“

Zusammenfassung

Nach 30°C gestern sind heute 34°C angesagt. Es soll der vorerst heißeste Tag in Deutschland werden. Und wir haben Juni! Wir haben Glück. Heute steht eine der kürzesten Etappen auf dem Programm. Es geht von Köln nach Brühl, wo es eine echte Pilgerunterkunft gibt. Ich hatte schon im Vorfeld Kontakt. Zwischen 17 und 20 Uhr werden Pilger dort eingelassen.

Jetzt müssen wir aber erstmal aus Köln wieder heraus. Die Apotheke zeigt 27°C, als wir die ersten Kilometer hinter uns gebracht haben und auf den Stühlen eines geschlossenen Cafés verschnaufen. Es geht genauso raus, wie wir reingekommen sind: Geradeaus durch Häuserschluchten. Doch irgendwann biegt der Weg in einen Stadtpark ab und dann sind wir auch raus aus der Stadt.

Hier begleitet uns der Römer-Kanalwanderweg, der ebenfalls nach Brühl führt. An seinem Weg finden sich immer wieder archäologische Highlights, für die wir in der Hitze aber heute kein Auge haben.

In Efferen suchen wir in einer offenen Kapelle Zuflucht vor der Sonne und machen eine Pause. Hier gibt es mal einen Pilgerstempel und der ist sogar ausgeschildert. Auch wenn er sich gar nicht am angegebenen Platz befindet.

Zum ersten Mal müssen wir ein paar Steigungen bewältigen, die mehr sind als Eisenbahn- oder Autobahnbrücken.

In Hürth gibt es den Stempel nicht in der Kirche, sondern im Blumenladen nebenan. Der Raum ist klimatisiert und hier können wir sogar „nachtanken“. Eine junge Dame füllt uns unsere Trinkblasen auf. Vielen Dank! Am liebsten würden wir gleich hier bleiben, aber das geht leider nicht.

Der Rest der Strecke vergeht in einer Gluthitze von Feldwegen und römischen Wasserleitungsbauwerken, die immer mal wieder am Weg auftauchen. Kurz vor Brühl müssen wir noch einmal rasten. Auf einer Kuppe finden wir eine verfallene Bank, die gerade so im Schatten liegt. Dann erreichen wir die ersten Häuser von Brühl.

Nach einer letzten Anstregung kommt die Kirche in Sicht. Es ist 16 Uhr, noch zu früh, um in der Pilgerherberge anzurufen. Also setzen wir uns in die Kirche und genießen die Kühle. Draußen sind es 36°. Gegen 17 Uhr passiert langsam was. Zunächst geht das Licht an und eine Dame spricht uns an, ob wir einen Pilgerstempel möchte. Auch kommen immer mehr Leute hinein. Auf der Homepage erfahre ich, dass gleich ein Gottesdienst stattfindet. Daher versuche mein Glück etwas früher auf dem Herbergshandy und erreiche auch eine sehr nette Frau. Wir vereinbaren, dass sie uns nach dem Gottesdienst vor der Kirche abholt.

Jule und ich sind beide evangelisch geprägt, daher ist ein katholischer Gottesdienst für uns immer ein bisschen ungewohnt. Aber wenn einfach das macht, was die anderen machen, dann klappt das schon mit dem Stehen, Knien und Sitzen. Der Liturgie können wir allerdings nur bedingt folgen. Die Predigt ist zum Glück kurz, denn sie ist inhaltsleer und zusammenhanglos, so dass ich den Worten kaum folgen kann.

Draußen treffen wir wie vereinbart unsere „Herbergsmutter“. Das Zimmer mit vier Betten ist im Nachbargebäude untergebracht. Es ist alles da, was man braucht. Einfach schön hier. Aber auch immer noch sehr heiß. Den Abend runden wir mit einem Essem beim Spanier ab, wo wir uns gehörig den Bauch vollschlagen. Durch die Hitze können wir wieder nicht so gut schlafen, aber sonst sind die Betten sehr bequem. Morgen wollen wir in einer Bäckerei frühstücken und dann wieder eine lange Etappe nach Euskirchen in Angriff nehmen. Ob der Weg komplett passierbar ist, wissen wir nicht. Wir werden an der Urft entlang gehen und kommen damit endgültig in die Flutgebiete. Aber das sehen wir dann.

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