Island 2018 – Tag 14

23.07.2018

Landmannalaugar I

Oder: Eine Wanderung und ein Bad für die Ewigkeit

Zeltstadt oder Parkplatz?

Spät sind wir gestern in Landmannalauga angekommen. Statt einem SUV-Abenteuer auf Hochlandpisten ging’s über 5 h außenrum über die Ringstraße. In der Dämmerung haben wir das Zelt aufgebaut und uns in der Nacht den A… abgefroren. Entsprechend spät kriechen wir heute morgen aus den Schlafsäcken. Viele Zelte sind bereits abgebaut und so können wir noch ein paar Steine einsammeln, um unsere Heringe im Boden zu halten.

Jetzt im Hellen können wir das „Lager“ der Hochlandoase, die übersetzt „die warmen Quellen der Leute von Land(sveit)“ heißt, erkunden. Im Schatten des Bláhnúkur, gibt es einen breiten Streifen am Rand des Zeltplatzes, der als Parkplatz dient. Und einen riesigen Zeltplatz! Was hier Zelte und Autos stehen. Eine Doku bezeichnete Landmannalaugar mal als eine bizarre Mischung aus Zeltstadt und Parkplatz. Stimmt. Genau das ist es! Ein paar sehr interessante Fahrzeuge sind auch dabei! Wer ein authentischers Transportmittel sucht, kann auch auf ein Pferd umsteigen, die am Rand es Lagers in einem Pferch grasen.

In der Mitte steht das große Waschhaus, wo es allerdings verdammt kalt und zugig ist. Es gibt mehrere große Zelte, die als Unterstand dienen. Hier kann man trocken und windgeschützt sitzen, kochen und essen. Auch eine Sammelstelle für Gaskartuschen gibt es hier. Das, was hier so lagert, würde uns für ein ganzes Trekkingleben reichen. An der Seite des Kiosk, wo wir unsere Campinggebühr bezahlt haben, hängt sogar ein Busplan. Ja, hier fährt regelmäßig ein Bus. Die Preis kann man allerdings kaum bezahlen. Irgendwo soll es sogar eine Art Supermarkt geben. Aber wir brauchen im Moment zum Glück nichts. Es gibt auch eine feste Unterkunft. Wir können durch die Fenster 3 Stockbetten übereinander sehen. Es passen wohl 60 Leute in das Haus. Eine Nacht hier auf einer Pritsche kostet rund 80,-. Da ist uns unser Zelt schon lieber.

Wir spazieren zurück zur Fuhrt. Die sieht im Hellen gar nicht mehr so bedrohlich aus. Doch nicht jeder traut sich rüber. Am anderen Ufer parken viele Fahrzeuge.

Etwas vom Lager entfernt befindet sich etwas, was wie ein Holzpfahl mit einem Kleiderhaufen aussieht. Das ist „Umkleidekabine“ der Badestelle. Es handelt sich um einen Fluss, in dem heißes und warmes Wasser zusammenlaufen.

Hier werden schon mal definitiv den Abend verbringen. Vorher müssen wir aber noch was tun. Wir brechen zu unserer ersten Wanderung auf.

Wanderung zum Ljótipollur

Auf dieser eigentlich leichten Wanderung zum Mar Ljótipollur bekommen wir eine Lektion in Sachen Wetter im Hochland. Wir laufen im Trüben los. Als wir zur ersten fiesen Steigung kommen, beginnt es waagrecht zu regnen. Wir kauern uns in einen Graben hinter Steinen und ziehen die Regenklamotten über. So ausgerüstet gehen wir weiter. Als wir den Frostastaðavatn (=der See des kalten Ortes) und der Schlackenkegel Stútur erreichen hat es schon wieder aufgehört zu regnen.

Auch müssen wir feststellen, dass es eigentlich keine geschützten Stellen für eine Rast gibt. Als wir den Schlackenkegel Stútur passieren (ihn zu betreten ist streng verboten), verspüren wir trotzdem großen Hunger und Müdigkeit. Kurzerhand hängen wir die Wanderstöcke an den Nagel – an den Wegweiser zum Maar Ljótipollur. Irgendwann werden wir schon noch an seinem Rand ankommen. Es hat längst aufgehört zu regnen, aber der Wind pfeift uns um die Ohren.

Aber hier wird der Weg leichter. Endlich erreichen wir den Maar Ljótipollur. Ein Kratersee von blauer Schönheit.

Ich befürchte schon, dass wir den Bergrücken an seinem Rand aufsteigen musst, aber unserer Rückweg ist deutlich leichter. Über ein großes Lavafeld geht es zurück nach Landmannalauga. Rund um die Hochlandoase ist alles mit Wanderwegen durchzogen. Man könnte wohl eine Woche hier bringen, ohne einen Weg zweimal zu gehen.

Nach dem Essen in einem der großen windgeschützten Zelte, wo wir eine uns mit anderen Gäste über die Qualität von Fertigtüten unterhalten, gehen wir zur Badestelle. Ein heißes Bad haben wir uns richtig verdient. Daher steigen erst 3 h später wieder hinaus. Wir haben so gut einer eine Polin unterhalten, dass wir nicht gemerkt haben, wie die Zeit verflog. Außerdem: raus möchte aus dem heißen Fluss keiner. Außerhalb des warmen Wasser ist es eiskalt (5°C Lufttemperatur). Allein das Abtrocknen wird da zur Herausforderung. Letztlich hilft aber alles nichts. Wir müssen raus. Drei Stunden aufweichem im heißen Fluss findet mein Kreislauf nicht so toll. Nach dem Waten im kalten Fluss gehe ich erstmal auf die Bretter. Ich liege mit sich drehendem Kopf auf der Umkleideplattform und muss warten, bis mein Blut von den Füßen wieder in den Kopf geflossen ist. Erst als ich anfange zu zittern, bin ich bereit einen zweiten Versuch zu wagen. Ich ziehe mich daher nur halbherzig an und gehe schnellen Schrittes zum Waschhaus. In der Dusche trinke ich mehr als dass ich wirklich dusche. Mein Kreislauf ist wieder voll da, der Durst gestillt. So schön warm kriechen wir in die Schlafsäcke. Das wird trotzdem wieder kalt heute nach. Morgen werden wir die Oase bereits wieder verlassen. Nicht ohne eine weitere Wanderung – versteht sich von selbst! Doch so langsam neigen sich unsere Tage in Island dem Ende zu und wir werden dieser schönen Insel im Nordatlantik bald den Rücken kehren müssen.

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