Von der Dingdener Heide bis ans Meer – Tag 1

Ein Roadtrip in drei Teilen

Es ist Himmelfahrt und es ist Corona. In der Presse überschlagen sich die Ministerpräsidenten mit Lockerungen, Modellregionen und Öffnungsschritten. Nur wir haben Ausgangssperre. Also müssen wir unseren ersten Trip mit dem neuen ausgebauten Auto wohl nach Indizidenz-Gebieten planen. Den Bericht zur Vorbereitung findet ihr hier.

Planung Tag 1: Fahrradtour „Heidefahrt“

  • Vorbereitung Zuhause: Aufstehen (nicht zu früh bitte), ausgiebiges Frühstück, Picknick zu/vorbereiten, Reste einpacken, Lebensmittel einpacken
  • Abfahrt: spätestens um 13 Uhr
  • Ankunft: gegen 14 Uhr Parkplatz Krechtinger Straße, Hamminkeln-Dingden
  • Aktivität: Fahrradtour „Heidefahrt“
  • Essen: HelloFresh
  • Übernachtung: auf dem Parkplatz bleiben oder weiter nach Münster fahren, dort Wohnmobilstellplätze am Ostbad

Start mit Hindernissen

Der erste Tag führt uns nach einem gemütlichen Frühstück nach Dingden in die Dingdener Heide. Dort habe ich einen Wanderparkplatz im Wald ausgesucht, von dem wir die Fahrradstrecke gut erreichen können. Allerdings starten wir mit einigen Hindernissen. Eigentlich sind wir ausnahmsweise mal früher dran wie geplant. Abfahrt sollte 13 Uhr sein. Allerdings stellen wir fest, dass wir für den Fahrradträger gar kein Kennzeichen haben und müssen spontan die Kennzeichen umbauen. Aber um 12:30 Uhr ist alles verstaut und wir fahren Richtung Autobahn. An der zweiten Ampel stellt Julia, dass sie zwar ihre Kontaktlinsen dabei hat, aber die Sonnenbrille fürs Fahrradfahren liegt noch zuhause auf dem Schrank. Also fahren wir einmal im Kreis und nutzen die Gelegenheit noch zum Tanken. Da können wir auch gleich mit dem Eisessen anfangen. Wir sind zwar gerade erst 500 m gefahren und machen schon die erste Pause, aber wir haben heute keinen Stress. Ein kurzer Stopp in der Garageneinfahrt und nun geht es wirklich ab nach Dingden. Unsere Abfahrt war dann doch um 13 Uhr.

Heidefahrt – Münsterland trifft Niederrhein

Diese Fahrradrundtour habe ich in dem Buch „Radeln für die Seele – Wohlfühltouren Münsterland“ gefunden.

Die offiziellen Angaben:

  • Titel: Heidefahrt – Münsterland trifft Niederrhein
  • Länge: 57 km
  • Dauer: 6 Stunden
  • Schwierigkeit: Auszeittour
  • Höhenmeter: 190 Hm

Unsere Angaben:

  • Gefahren am: 13.05.2021
  • Länge mit allem drum und dran: 56,8 km
  • reine Fahrtzeit: 3:05 h
  • gesamte Dauer: 4:43 h

Unsere Tour

Es dauert ein bisschen, bis wir alles soweit haben und wir vom Waldparkplatz starten können. Aber irgendwann haben wir die Fahrräder parat, das Auto ist abgeschlossen und wir können los. Zu diese Radtour haben wir einen GPS-Track, den man sich kostenlos beim Verlag herunterladen kann. Zunächst müssen wir mal rauf auf den Track. Die Tour start eigentlich am Bahnhof in Dingden, diesen Teil sparen wir uns. Es geht also direkt los in die Heide. Wir sind noch nicht lange unterwegs, da kommt schon der erste Stopp: Die Aussichtskanzel. Von hier aus kann man die Tiere im Feuchtgebiet gut beobachten. Der Sitzplatz ist sogar gepolstert. Jule ärgert sich, dass sie das große Objektiv im Auto gelassen hat. So schauen wir den Wasserbüffeln beim Baden zu und greifen selbst kurz zum Picknick.

Genug geschaut, kurz gestärkt. Jetzt kann es richtig losgehen. Wir fahren durch die Felder der Büngernsche Heide. Die Wege sind gut und eben, keine Huppel oder Schlaglöcher stören. Es handelt sich um ganz normale Straßen mit Straßennamen, so dass wir vereinzelte Häuser passieren, aber Autos begegnen uns nicht. Stattdessen halten wir kurz für zwei Nano-Geocaches an der Wegstrecke bis wir kurz nach Krechtlingen reinfahren. Hier gibt es eine kleine Wasserkraftanlage, aber wir halten nicht an, sondern fahren nur langsam für die Brücke. Dasselbe gilt für die Habers Mühle, wo es zwar einen Rastplatz gibt, aber der ist leider mit einer anderen Fahrradgruppe besetzt. Es tröpfelt ganz leicht, aber richtiger Regen kommt nicht runter. Wir haben Glück, wie eigentlich das ganze lange Wochenende lang. Den nächsten Stopp legen wir erst an der Kirche St. Maria Immaculata ein. Mit uns kommt eine Familie mit dem Auto an. Die Aussteigenden sind klatschnass. Sie haben nur ein paar Kilometer einen Platzregen erlegt.

Wir fahren gemütlich weiter. Gemütlich heißt in unserem Fall mit ca. 20 kmh. Aber es geht geradeaus, das Wetter ist toll, es läuft. Aber wir kriegen Hunger. Wir halten Ausschau nach einer Bank. Und bei der Isselquelle finden wir ein tolles Plätzchen für eine Picknick. Die Quelle steht sehr niedrig.

Als wir fast schon aufbrechen wollen, kommen ein weiteres Pärchen mit Rädern an, die uns von ihren Touren erzählen. Für uns alle geht es weiter nach Raesfeld. Die beiden wollen uns zu einer Eisdiele führen, also fahren wir 3 km hintereinander. Wir entscheiden uns allerdings nicht die Eisdiele anzusteuern (immerhin hatten wir schon ein Eis), sondern fahren direkt zur imposanten Schlossanlage. Dort lassen wir die Räder erstmal stehen und umrunden auf dem inneren Ring das Schloss zu Fuß. Die Hälfte unserer Tour haben wir geschafft.

Drinnen wie draußen ist eine Menge los. Über alle gibt es was zu essen, es sind Stände aufgebaut. Da man sich an den Cafés und Ständen nicht hinsetzen darf, machen viele Leute hier einfach aus der Not eine Tugend und sitzen auf der Wiese oder auf den Mauern. Es herrscht eine sehr entspannt Atmosphäre mit viel Improvisationscharakter.

Das Schloss selbst erinnert mich an das Schloss in Arcen, das wir letztes Jahr in Holland besuchten. Auf den Wiesen am Schlossgraben tummeln sich keine Touristen, sondern Gänse mit ihren Küken.

Hinter dem Schloss ändert sich der Charakter der Tour völlig. Es geht nun zum ersten Mal durch einen Wald, den historischen Tiergarten. Keine endlosen Felder mit geteerten Straßen mehr, stattdessen natürlicher Wald mit Waldwegen und vielen Teichen, die dick grün von Entengrütze bedeckt sind.

Raus aus dem Wald gelangen wir über Felder nach Marienthal. Hier fahren wir kurz am Kloster und Klosterkirche vorbei, aber für uns geht es direkt weiter. Es ist spät und wir haben noch ein bisschen Strecke vor uns.

Es sind zwar nur noch 10 oder 12 km bis zum Auto und wir sind schon wieder an den Rändern der Dingdener Heide, aber wir brauchen nochmal einen Pause. Ich bin zwar mit E-Unterstützung gesegnet, die ich bisher eigentlich nicht gebraucht habe, aber Julia hat schlappe Beine. Und mir tut der Hintern weh. So lange habe ich ncoh nie auf einem Rad gesessen. Aua! So lange ich sitze, kein Problem, aber wehe ich steige ab. Daher setze ich mich auch nicht auf die Bank, sondern laufe ein bisschen umher. Jule sagt auf einmal, dass das ein „Hasengrill“ am Baum ist. Und tatsächlich. Wir haben unsere Pause direkt an einem Geocache gemacht. Davon beflügelt fahren wir weiter.

Der Weg verwöhnt sich mit Einsamkeit, gerader Strecke, die leicht bergab führt und lockerem Wald mit Schatten. Schon bald sehen wir die ersten Häuser von Dingden. Das lassen wir allerdings links liegen, fahren wir kurz an der Akademie Klausenhof vorbei, wo ich Jule ein bisschen anschiebe, denn es geht nochmals bergauf. Noch einmal fahren wir durch die Heide, bis wir unseren Zuweg von heute mittag errreichen. Noch zweimal abbiegen und wir stehen am Auto. Mein Bordcomputer zeigt „Fahrzeit 3:05 h“. Uff, waren wir schnell! Insgesamt waren wir nicht mal 5 h unterwegs. Mit wundem Hintern und Pudding in den Oberschenkeln steigen wir von den Rädern.

Erste Nacht im Auto

Es ist kurz nach 19 Uhr. Nur noch zwei weitere Auto stehen auf dem Parkplatz. Außer Mücken, die uns umschwirren, sind wir alleine. Wir haben Hunger. Jetzt kann unser Autoausbau mal zeigen, ob wir alles richtig gemacht haben. Gestern hatten wir noch eine asiatische Suppe vorgekocht. Es gibt Reis dazu. Wir schmeißen den Brenner an. Ein bisschen sortieren müssen wir uns schon noch. Noch ist nicht alles da, wo es auch praktisch ist. Aber wir finden alles und bald riecht der Wald nicht nach Fichtennadeln, sondern nach Zitronengras.

Hier draußen dauert alles ein bisschen länger, bis wir gegessen und gespült haben, ist es 21 Uhr und es wird dunkel, denn der Himmel zieht sich zu. Die Rädern lassen wir an einem Baum angebunden, denn mit dem Fahrradträger können wir die Heckklappe nicht öffnen. Den stelle ich gerade nach vorne auf den umgeklappten Beifahrersitz, da kommen die ersten Tropfen runter. Schon wieder Glück gehabt. Jule installiert drinnen derweil eine LED-Lichtschnur, die sie selbst gebaut hat. Es wird richtig gemütlich im Auto.

Denn ich bin zwar völlig durchgefroren. Es ist richtig kalt geworden, aber ich habe einen Wärmflasche und einen Fußsack, so dass ich langsam wieder auftaue. Zum krönenden Abschluss spielen wir eine Runde Keltis, dann geht es ab in die Schlafsäcke. Der Umbau des Autos in eine Schlaffläche dauert fast eine halbe Stunde. Es ist schwer die Unterlage auszurollen, während man selbst im Weg sitzt. Aber irgendwann liegen wir in den Schlafsäcken und hören dem Regen aufs Dach trommeln – trotz Oropax.

Ich kann nicht einschlafen. Ich bin müde und aufgekratzt zugleich. Das Getrommel nervt und ich mache mir Sorgen, dass jemand unsere Räder klaut. Gefühlt liege ich zwei Stunden wach. Tatsächlich war ich wohl eingenickt, denn Jule meint, ich hätte geschnarcht. Nach Mitternacht treibt meine Blase mich vor der Autotür. Man sollte zum Abendessen keine Suppe essen. Jule schließt sich mir an. Ihr geht es ähnlich. Auch sie kann nicht schlafen. Aber danach geht es jedenfalls bei mir. Dank der Thermomatten ist es stockdunkel im Auto, jedenfalls bis weit in den Morgen hinein. Zwar wache ich immer noch mehrmals auf, aber am Ende habe ich bis 8 Uhr geschlafen. Jules Nacht war jedoch nicht so dolle, also darf sie noch bis 9 Uhr weiterschlafen.

Heute geht es nach Münster. Wie es mit unserem abenteuerlichen Roadtrip weitergeht, lest ihr bald in diesem Blog!

2 Kommentare zu „Von der Dingdener Heide bis ans Meer – Tag 1

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