Fahrradurlaub in Lüdinghausen – Tag 1

11.07.2021

Stadtrundgang

Oder: Fahrradurlaub ohne Fahrrad

Wir sind wieder im Münsterland!

Nach unserer Fahrrad-Erfahrung in der Dingdener Heide an Himmelfahrt haben wir uns für einen Kurzurlaub in Lüdinghausen entschieden. Auf Lüdinghausen bin ich aus zweierlei Gründen gekommen: Zum einen waren wir bereits dank des erwähnten Trips vom Münsterland als Fahrradland begeistert. Der zweite ausschlaggebende Punkt war ein wunderbarer Reiseführer über das Münsterland. In 52 kleine & große Eskapaden im Münsterland aus dem DuMont-Verlag werden die Kleeblatt-Touren rund um Lüdinghausen sehr empfohlen. Was es genau mit den Kleeblatt-Touren auf sich hat, dazu komme ich im nächsten Blog-Beitrag. Lüdinghausen kannte Jule bereits, da hier außerhalb von Corona-Zeiten ein sehr schöner Mittelaltermarkt auf der Burg Vischering stattfindet. Um die Sache rund zu machen, haben wir meine fahrradbegeisterten Eltern mit dabei. Unser letzter gemeinsamer Urlaub liegt 15-20 Jahre zurück. Da war es an der Zeit, mal etwas gemeinsam zu unternehmen. Seit einigen Jahren sind meine Eltern auf E-Bikes umgestiegen und unternehmen regelmäßig kleine und große Fahrradtouren. Ein gemeinsamer Fahrradurlaub lag daher nahe. Die Bilder für diesen Blogbeitrag stammen daher von Anni (meiner Mutter), Martin (meinem Vater), Jule und mir.

Da wir diesen Urlaub meinen Eltern quasi geschenkt haben, übernehme ich Planung und Organisation. Aber dieser Beitrag soll kein Beitrag zur Vorbereitung des Urlaubs werden. Wer hier schon den ein oder anderen Beitrag gelesen habe, weiß, dass ich eine Urlaubsplanung generalstabsmäßig durchziehe. Ich habe also einen ganzen Haufen Prospekte bestellt und eine Tabelle mit Routenvorschlägen erstellt. Noch eine Woche zuvor sieht auch das Wetter trocken und sonnig aus. Dass es mal wieder ganz anders kommen würde, konnte ich zwar nicht wissen, aber ahnen. Daher habe ich einen Plan R (R=Regen) in der Hinterhand.

Bei der Vorbereitung merke ich allerdings, dass fünf Tage in der Region zu wenig sind. Es gibt so viel zu sehen! Ich muss auswählen. Für den Anreisetag, ein Sonntag, habe ich einen Stadtrundgang zu Fuß ausgesucht. Daher startet unser Fahrradurlaub erstmal ohne Rad. Bei den bestellten Prospekte war auch der Flyer „750 Jahre Burgen in Lüdinghausen – 3-Burgen-Rätselroute“ mit dabei. Mit insgesamt 14 Rätselfragen kann man also einen wunderbaren etwa 4 km langen Stadtrundgang unternehmen. Da wir uns schon um 12 Uhr im Hotel treffen, ist das eine gute Beschäftigung für den Nachmittag.

Auf der 3-Burgen-Rätselroute

Doch nach dem Einchecken haben natürlich alle Hunger, weshalb wir ein Café am Marktplatz in der Altstadt von Lüdinghausen überfallen. Hier legen wir die erste Pause bei einem Kaffee und einem Stück Kuchen noch vor dem eigentlichen Start ein.

Doch das Café liegt neben dem Marktbrunnen, welcher die 4. Station des Rundgangs ist. Daher starten wir nicht an Station Nr. 1 „Burg Lüdinghausen“, sondern direkt hier. Ein Rundgang hat den Vorteil, dass man überall an jeder Station einsteigen kann.

Die Stadtrallye geht folgendermaßen: Jede der ingesamt 14 Sehenwürdigkeiten wird in einem kleinen Text kurz erklärt. Dann gibt es eine Rätselaufgabe, die man nur vor Ort lösen kann. Diese Aufgaben sind aber allesamt sehr leicht zu lösen. Zum Abschluss gibt es eine sehr präzise Anweisung, welcher Weg zu nehmen ist, um die nächste Station zu erreichen. Die Beschreibungen sind einfach nachzuvollziehen und entweder zu Fuß oder zu Fahrrad gut zu absolvieren.

Wir gelangen vom Brunnen aus zur Gerichtsstätte. Zuvor überqueren wir eine Brücke mit Wasserspielen, die wir natürlich erstmal ausprobieren müssen. Im Hintergrund ist schon der Gerichtsbaum zu sehen. Allerdings handelt es sich heute um eine Eiche. Früher stand hier eine Linde.

Ein großer Stein und eine Erklärtafel erinnern den Femegerichtsstuhl, den es hier im bis zum 16. Jh. gab.

Weiter geht es zur Kirche St. Felizitas, die wir kurz besichtigen. Es ist Sonntag und die Kirche ist offen. Die wahnsinnig tollen Glasfenster faszinieren uns. Ich kann jedem den Besuch dieser Kirche ans Herz legen. Direkt hinter der Kirche liegt der Christopherus-Brunnen.

Die nächste Station ist die Freiheit Wolfsberg. Das ist eine winzig kleine Straße mit niedlichen alten Fachwerkhäusern, die zur Siedlung der Burg Wolfsberg gehörten. Die Burg passieren wir natürlich im Anschluss. Auch hier gibt jeweils es eine Aufgabe zu lösen. Die Burg Wolfsberg ist mittlerweile voll ins Stadtbild integriert und 1830 wurde auf den Grundmauern ein neues Haus errichtet.

Auch am ehemaligen Armenhaus, dem Hakehus, muss eine Aufgabe gelöst werden. Entlang der Stever, über das Hakehuspättken, geht es zunächst zur die Nepomukstatue, dann weiter zu den jahrhundertealten Bürgergärten. Hier müssen wir eine Hochwassermarke ablesen. Im Nachhinein eine Ironie des Schicksals. Nur drei Tage später sieht sich Deutschland von der schlimmsten Hochwasserkatastrophe, die sich jemals ereignet hat, getroffen.

Wasser ist aber in Lüdinghausen immer gegenwärtig, wir überqueren zum zigsten Mal die Stever bzw. ihre verschiedenen Arme. Durch die vielen Wasserflächen gestaltet sich Lüdinghausen sehr lauschig.

Durch die hohen Hecken der alten Bürgergärten führt uns der Weg raus in den Weidegrund in der Aap. Es geht zum Höhepunkt der kleinen Wanderung. Schon bald sehen wir die Vorburg der Burg Vischering.

Die Burg Vischering ist eine der drei 1271 urkundlich erwähnten Burgen in Lüdinghausen. Sie ist eine Wasserburg mit deutlichem Festungscharakter, der auch heute noch erhalten ist. Auf dem Vorplatz herrscht an einem schönen Sonntag wie diesem buntes Treiben. Heute ist die Backstube geöffnet. Unser persönliches Highlight besteht jedoch nicht nur aus der tollen Burganlage und dem Museum, das wir tatsächlich gar nicht besuchen, sondern aus den riesigen Karpfen, die sich im Wassergraben rund um die Burg tummeln. Mein Vater, ein begeisterter Angler, lässt es sich nicht nehmen, diese gewaltigen Fische mit einem Brötchen vom Bäcker zu füttern. Doch euch will ich die Bilder der Burg Vischering nicht vorenthalten.

Der Rückweg führt uns durch den Weidegrund zum eigentlichen Startpunkt der kleinen Stadtwanderung zur Burg Lüdinghausen. Hier haben wir richtiges Glück. Es ist schon spät, kurz vor 17 Uhr und die Burg schließt gleich. Aber die freundlichen Mitarbeiter des Burgvereins lassen uns noch für 10 Minuten in die Räumlichkeiten, so dass wir die Burg noch schnell besichtigen können.

Zum Abschluss schließt sich der Kreis. Die dritte, für uns die letzte Station, ist die Wassermühle, die wir bereits von der anderen Seite auf dem Weg zum Café passiert haben. Die Wassermühle ist zwar nicht die original Wassermühle, die den Herren von Lüdinghausen 1271 gehörte. Diese hier wurde erst 1406 angesiedelt. Aber es ist ein wunderschönes altes Gebäude, das den Reiz dieses zauberhaften kleines Städtchen ausmacht. Außerdem liegt sie nur einen Steinwurf von unserem Hotel entfernt. In Lüdinghausen ist alles ganz nahe. Im Nachbarhaus findet sich ein neues Restaurant, da werden wir in den kommenden Tagen Essen gehen.

Die 14 Fragen des Rätsels konnten wir alle problemlos beantworten. Die kleinen Aufgaben machen den Reiz dieses Stadtspaziergang aus. Die Wegbeschreibung funktioniert super, wenn man auf den Weg achtet. Da wir das an einer Stelle nicht getan haben, haben wir uns prompt verlaufen. Für die offiziell etwa 4 Kilometer haben wir etwas mehr als 2 Stunden benötigt. Ich denke allerdings, wenn man deutlich zügiger geht, (wir waren im Spazieremodus unterwegs) schafft man die Route in ein bis anderthalb Stunden. Ich kann jedoch nur empfehlen, sich Zeit zu lassen. Lüdinghausen ist wirklich pittoresk und es lohnt sich den Blick schweifen zu lassen.

Morgen werden wir zum ersten Mal auf die Drahtesel steigen. Als erste Tour haben wir uns die Kleeblatt-Tour 2 vorgenommen, auch weil das Wetter morgen halten soll. Die Tour „Zu den Wäldern bei Nordkirchen“ ist etwa 57 km lang und wird uns zum Schloss Nordkirchen sowie zu weiteren Sehenswürdigkeiten des Münsterlandes führen. Wir werden uns in den kommenden Tagen weiter von der Schönheit des Münsterlandes weiter verzaubern lassen.

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