Beten mit den Füßen – Vom Pilgern I

Und manchmal bin ich nur mir selbst begegnet.

Beitrag: He tangata – It is people

Ich bin schon oft allein gewandert oder verreist, denn ich komme ganz gut mit mir klar und bin sowieso eher ein Einzelgänger. Doch bin ich auch ein spiritueller Mensch. Ich bin gläubiger Christ. „Gott, der Vater, sein eingeborener Sohn und der Heilige Geist“ sind für mich nicht nur Worte aus dem mühevoll zur Konfirmation auswendig gelernten Glaubsbekenntnis, sondern Teil meinen täglichen Lebens. Was liegt für mich als begeisterte Wanderin näher, als den Glauben mit dem Wandern zu verbinden. Dann nennt man es pilgern.

Jule und ich haben uns außerdem vorgenommen, den Jakobsweg bis nach Spanien zu pilgern. Für dieses Jahr haben wir uns die Strecke von der Haustür über Köln und die Eifel bis nach Trier vorgenommen. Als kleine Vorbereitung möchte ich in diesem Beitrag mit euch ein paar Gedanken und Erlebnisse zum Thema Pilgern teilen.

Pilgern ohne „richtigen“ Pilgerweg

Pilgern ist eine Kopfsache, eine Sache der richtigen Einstellung und nicht des „richtigen“ Pilgerwegs. Man kann auf jeder Wanderung pilgern. Pilgern hat damit zu tun, ob ich bereit bin, mit Gott ins Gespräch zu kommen. Dazu brauche ich keinen extra als Pilgerweg ausgewiesenen Weg, der mit Bildtafeln mit anregenden Zitaten gespickt ist. Das kann helfen – muss es aber nicht.

Mein erstes Pilgererlebnis hatte ich in der Lüneburger Heide. Ich hatte mich für ein paar Tage in einem schnuckeligen Heidehotel in der Nähe von Hermannsburg eingemietet. Von dort bin ich zu verschiedenen Wanderungen in der Südheide aufgebrochen. Obwohl ich den ganzen Tag bereits unterwegs gewesen war, hatte ich nach dem Abendessen das Gefühlt, ich müsste nochmals raus. Ich bin einfach losgelaufen. Beim Laufen fing ich an zu beten und dankte Gott für den Tag und für alles. Als ich am Waldrand im Abendlicht eine Sommerwiese sah, da hat Gott mich geküsst. Ich war so unglaublich dankbar für die Schöpfung und fühlte mich in diesem Moment wirklich geliebt. Das Gefühl war so groß, dass mir die Tränen die Wangen hinunterliefen und ich mich auf den sandigen Weg kniete. Ich war so erfüllt, das ich dann einfach weitergelaufen bin. Ich befand mich sowieso bereits auf einem ausgeschilderen Rundweg. Ich muss noch so 2 h unterwegs gewesen sein. Leider habe ich die Wegzeichen übersehen und mich verlaufen, während es immer dunkler wurde. Ich habe mich dann an einem Bach orieniert, von dem ich hoffe, das es der sei, der hinter dem Hotel entlang floss. Leider endete der Trampelpfad in einem dichten Unterholz. Ich betete zu Gott, dass er mich noch einmal führen möge. Ich ging ein Stück zurück und sah plötzlich eine kleine Lücke im Gestrüb. Nachdem ich nur da durchgequetscht hatte, landete ich direkt vor einem Wegzeichen des Rundwegs. Keine Viertelstunde später schloss ich mein Hotelzimmer auf.

Für alle Nicht-Gläubigen klingt diese Erzählung wohl so, als wäre ich eher ein Fall für die Psychiatrie. Das kann man so sehen, aber für mich zeigt dieses Erlebnis, dass man Gott auf jedem Weg begegnen kann, wenn man es zulässt.

Daher muss ich mein Zitat von oben nun abwandeln und damit schließen:

Und manchmal bin ich auch Gott begegnet.

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