Praxistest Trailrunning Schuhe

Sind Trailrunning Schuhe wirklich nur zum Trailrunning? Jule würde diese Frage ganz klar mit „Nein“ beantworten. Jule hat sich bereits vor ein paar Jahren Trailrunning Schuhe gekauft. Im letzten Winter sind wir regelmäßig im Hildener Forst joggen gewesen. Jule mit ihren Trailrunnigschuhen, ich dagegen mit Barfußschuhen. Erst kürzlich habe ich mir ebenfalls ein paar Trailrunner zugelegt. Daher ist es Zeit für einen Praxistest. Bei diesem Test geht es nicht um die Vorzüge verschiedener Modell und Marken, ich habe bisher nur ein Paar, mit dem ich laufe. Viel mehr möchte ich die verschiedenen Anwendungsfälle aufzeigen und wie ich persönlich damit klarkomme. Für alle, die es aber genau wissen wollen: Jule trägt ein Clouventure von On, jetzt hat sie einen Cloudultra ebenfalls von On, ich habe einen Torrent von Hoka One One.

Was sind Trailrunners?

Trailrunning Schuhe sind eigentlich Joggingschuhe für Gelände. Sie haben daher typische Eigentlichschaften von Laufschuhen (gute Belüftung, geringes Gewicht, gute Dämpfung etc.) Und sie haben eine griffige Sohle, die auf unwegsamen Untergründen gut klarkommt. Sollen sie wasserdicht sein, haben die Schuhe zusätzlich eine entsprechende Membran. Manche Leute benutzen aber auch wasserdichte Socken, um z.B. beim Durchqueren feuchten Wiesen oder kleinere Bäche, trockene Füße zu behalten.

Trailrunners als Wanderschuhe

Laufschuhe als Wanderschuhe einzusetzen, klingt erstmal komisch. Allerdings schwören gerade die Ultraleicht-Hiker und Fernwanderer seit viele Jahren auf diese Art der Schuhe, weil sie nicht nur deutlich leichter sind als Wanderstiefel, sondern auch viel Grip haben. Auf viele europäischen (Fern-)Wanderwegen sind Wanderstiefel eher „over the top“, wenn man nicht gerade im weglosen Hochgebirge unterwegs ist. Es macht schon einen Unterschied, ob man mit jedem Schritt 670 g pro Fuß hebt (Jules Paar Lowa Mauria wiegt 1.340 g) oder 245 g (Jules Paar On Cloudultra wiegt 490 g). Bei unserer letzten Wanderung von ca. 15 km kamen etwa 20.000 Schritte zusammen. Die Wanderung am Rhein entlang hatte quasi keine Steigung. Mit einem Wanderstiefel hebt man mit den Füßen etwa 13 t (Tonnen!). Mit einem Paar Trailrunners sind es „nur“ 2,5 t. Es ist offensichtlich, dass man sich mit Wanderstiefeln die Wanderung also ziemlich schwer macht.

Meine erste Wanderung mit Trailrunnigschuhen war ein abgewandelter Bergischer Streifzug: Der Wald-Wasser-Wolle-Weg. Obwohl ich die Schuhe bereits für den Soonwaldsteig gekauft hatte, habe ich mich nicht getraut diese Schuhe ohne vorherigen Test auf einer Streckenwanderung von 95 km einzulaufen. Außerdem liebe ich meine leichten Wanderstiefel. Und für den Soonwaldsteig war das auch keine schlechte Wahl.

Mittlerweile habe ich einige Wanderungen mit meinen neuen Schuhen zurückgelegt.

Für normales Gelände, also Feld-, Wald-, Forstweg, Teer und Schotter, sowie schmale, oft matschige Trampelpfade durch Feld, Wald und Wiese sind die Dinger super geeignet. Durch die griffige Sohle hat man auf jedem Untergrund guten Halt. Da das die Hauptuntergründe bei Wanderungen in unseren Breiten sind, laufe ich nur noch in Ausnahmefällen mit Wanderschuhen/-stiefeln. Mein Eindruck ist, dass gerade auf Teer die Trailrunning-Schuhe den Wanderstiefeln sogar deutlich überlegen sind, da man besser abrollen kann. Selbst auf einer Geröllhalde auf dem Soonwaldsteig ist Jule gut klargekommen.

Auch brauche ich nicht vor der Wanderung die Schuhe wechseln. Ich kann in Wanderstiefeln kaum richtig Autofahren. Auch langes Sitzen in öffentlichen Verkehrmittel in Wanderschuhen finden meine Füße nicht so gut. Die Dinger sind halt zum Laufen gemacht. Mit Trailrunnern habe ich das Problem nicht. Also brauche ich keine Zusatzschuhe mitnehmen.

Natürlich hat man keinen hohen Stiefelschaft, der das Fußgelenk stützt. Die Gefahr des Umknickens mag erhöht sein, aber meiner Ansicht nach ist das Trainingsfrage. Mit einem gut trainierten Fußgelenk und einem ausgeprägten Gleichgewichtssinn, bringt einen auch eine schwierige Wegstrecke nicht so leicht zu Fall. Wichtig ist allerdings, dass auch das Gewicht des Rucksacks zu den Schuhen passt. Bei einem schweren Trekkingrucksack von über 20 kg würde ich immer einen Schuhe mit mehr Stabilität wählen. Auf dem Schluchtensteig hatten wir unter 10 kg auf dem Rücken. Das geht mit Trailrunners problemlos.

Der Stiefelschaft eines Wanderschuhs schützt nicht nur vor dem Umknicken, sondern möglicherweise auch vor dem Eindringen kleiner Steinchen. Das kann ich nicht bestätigen. Auf dem Schulchtensteig hatte ich ständig feine Schottersteine in meinen Wanderstiefeln. Zu meinen Trailrunners habe ich mir jetzt ein paar Gamaschen besorgt. Ein erster Test zeigte, dass ich nicht ein Steinchen im Schuhe gefunden habe.

Zugegeben: Nach der ersten Wanderung von 20 km hat mein Fußgewölbe geschmerzt. Doch wer kennt das nicht? Dass einem die Füße in neuen Schuhen schon mal weg tun?! Bei den Trailrunners werden meine Fußmuskeln in anderer Art gefordert als das bei Wanderstiefeln der Fall ist. Das gibt sich aber schnell, wenn man die Schuhe öfters trägt. Dafür habe ich überhaupt keine Druckstellen, wie es in Wanderschuhen oft vorkommt. Außerdem ist der Fuß sehr gut belüftet. Bei mir ist das ein wichtiger Faktor, da ich zu Schweißfüßen neige. Meine Socken sind sonst in der Regel von innen feucht. Das war bei dieser Wanderung nicht der Fall.

Trailrunners als Fahrradschuhe

Trailrunners beim Fahrradfahren? Das klingt jetzt ebenfalls vielleicht ein bisschen merkwürdig. Aber ich fahre regelmäßig mit dem Rad zur Arbeit und ich habe meine Schuhe dabei sogleich ausprobiert. Ich war sofort begeistert. Durch die Stollenform kann man sich richtig in die Pedale einklinken, so dass meinen sicheren Halt auf dem Pedal bekommt. Man kann richtig fest treten, ohne die Gefahr abzurutschen. Durch das Mesh-Gewebe kommt unglaublich viel Fahrtwind an den Fuß, so dass man keine Käsefüße bekommt. Bei längeren Fahrradtouren sind die Trailrunners meine neuen Fahrradschuhe geworden. Ich habe sie den kompletten Fahrradurlaub im Münsterland getragen und bin damit wirklich gut gefahren.

Natürlich gibt es auch hier einen Nachteil: Durch das Mesh-Gewebe werden die Füße bei Regen schnell nass. Das werden sie bei meinen anderen Schuhen aber auch. Entweder man verwendet Trailrunners mit einer wasserdichten Membran oder zieht sich Fahrradgamaschen über, was ich bevorzuge. Ich habe welche für solche Gelegenheiten immer im Rucksack.

Also: Fahrradtouren nur noch mit Trailrunnig-Schuhen.

Trailrunners als Alltagsschuhe

Nicht wenige Menschen tragen im Alltag einen Turnschuhe. Es gibt sie in vielen schicken Modellen. Also warum nicht Trailrunnigschuhe im Alltag tragen?

Ich bin bei der Arbeit tatsächlich viel auf den Beinen. Ich arbeite in einer Bücherei mit Teppichboden und laufe beim Arbeiten durchaus mal 6000 bis 8000 Schritte. Da sind bequeme Schuhe ein Muss. Leider verträgt sich der Teppich nicht mit dem griffigen Profil meiner Trailrunningschuhe. Während sich der Schuh so richtig schön im matschigen Waldbogen oder auf Steinen festkrallen kann, hat er mich auf dem Teppich genau deshalb schon ins Stolpern gebracht. Und: Wie viele andere Turnschuhe mit Gummisohlen quietschen meine Schuhe auf PVC und Linoleum. Das ist auch nicht so schön.

Bin ich allerdings im Dorf oder in der Stadt ist das dagegen kein Problem. Jule zieht ihre Schuhe regelmäßig als normale Straßenschuhe zum Einkaufen an. Da sind es wirklich gute „Lauf“-Schuhe. Bequem, schön weit und gut belüftet.

Trailrunners als Joggingschuhe

Trailrunners sind zum „Running“ also zum Laufen gemacht. Hier sollten sie ihre Stärken ausspielen. Das mag zu 100% für Jule gelten. Wir sind viel im Wald auf Schotter und unbefestigten Wegen Joggen gewesen und Jule liebt ihre Schuhe dabei. Dafür sind diese Schuhe gemacht! Der Grip, die Dämpfung, das Abrollverhalten. Alles perfekt. Einen besseren Joggingschuhe gibt es für sie nicht.

Leider trifft das nicht auf mich zu. Ich habe schon zig Laufschuhe zum Joggen probiert. Und am Ende bin ich bei Barfußschuhen gelandet. In denen kann ich sogar nach 18 km auf dem Wildnistrail abends noch joggen gehen. Daher habe ich mir die Schuhe auch nicht zum Laufen gekauft, sondern zum Wandern. Zum Wandern habe ich tatsächlich zu den Trailrunners gewechselt. Beim Laufen bleibe ich bei meinen Barfußschuhen.

Mein Fazit

Trailrunners sind die idealen Wanderschuhe für alle Wege in den gemäßigten Breiten. Das Fußklima ist genial. Druckstellen habe ich keine. Und bereits der Gedanken, dass man keinen Klotz von 800 g an jedem Fuß hat, lässt einen federleicht laufen. Auch auf einer Fahrradtour möchte keine anderen Schuhe mehr anziehen. Nur im Büro bleibe ich doch gern bei meinen „normalen“ Schuhen.

Ich kann euch also nur raten, Trailrunningschuhe einmal auszuprobieren. Je nach Marke und Modell ist ein Paar gar nicht so teuer. Ich habe allerdings beim Anprobieren viele Anläufe gebraucht, bis „mein“ Paar dabei war. Eine gute Beratung ist hier genauso wichtig wie bei jedem anderen Schuhkauf. Jeder muss sich in seinen Schuhen wohlfühlen. Ob Wanderstiefel, Wanderschuhe oder Trailrunners.

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