Auf dem Schluchtensteig – Vorher und hin

Noch auf dem Soonwaldsteig spukte Jule als nächste Herausforderung der Schluchtensteig im Südschwarzwald im Kopf herum. Also setzte ich mich nach unserer Rückkehr daran, diese Streckenwanderung für uns zu organisieren. Es war klar, dass wir gern wieder Trekken gehen würden. Ebenso klar wurde aber auch, dass dies nicht uneingeschränkt gehen und wir auch auf feste Unterkünfte zurückgreifen würden müssen.

Der Schluchtensteig ist wie der Soonwaldsteig ein Premium-Fernwanderweg, der von Stühlingen nach Wehr führt. Er ist mit 119 km etwas länger und wird daher normalerweise in 6 Etappen gelaufen. Auch das Höhenprofil ist ähnlich, wenn auch ein wenig anspruchsvoller. Insgesamt sind 3.180 hm Aufsteig und 3.290 hm Abstieg zu bewältigen. Die ersten drei Wandertage geht es durch die Wutachschlucht, am Ende geht es durch die Wehra-Schlucht nach Wehr. Dazwischen sind immer wieder kleinere Schluchten zu durchqueren.

Der Plan

Die erste Augustwoche stand bereits lange als Urlaubswoche fest. Es ging nur noch darum, ob wir am Samstag oder Freitag anreisen wollten/konnten. Die Fahrt bis Stühlingen dauert unter normalen Umständen 5-6 h. Aber an einem Freitag oder Samstag muss man mit erheblich längerer Fahrtzeit rechnen. Am Ende waren wir 9 h (inkl. kurzer Pause) unterwegs! Daher war es gut, dass wir uns auf den Freitag eingeschossen hatten und dass wir bereits gegen 11:45 Uhr losfahren konnten.

Nachdem also das Datum mit Freitag als Anreisetag feststand, schrieb ich verschiedene Übernachtungsanbieter an und bekam am Ende der ersten Etappe sofort eine positive Rückmeldung. In Achdorf gibt es „Schlafen im Stroh„. Nikolaus, der Wirt, kam bereits bei den E-Mails sehr sympatisch rüber und bot uns an, zwei Nächte im Zelt in seinem Garten zu verbringen. So bräuchten wir nur von Achdorf zum Startpunkt nach Stühlingen mit dem Auto morgens fahren und könnten die erste Etappe quasi ohne Gepäck laufen. Das Angebot nahmen wir gern an.

Die zweite Etappe endet an der Schattenmühle. Dort gibt es außer dieser Unterkunft keine andere Möglichkeit für eine Nacht unterzukommen, also buchten wir uns dort ein – direkt mit Halbpension, denn es gab auch kein zweites Restaurant am Platz.

Die dritte Etappe endet eigentlich oberhalb vom Schluchsee in Fischbach, wo es einen Gasthof gibt. Wir wollten aber lieber zelten. Leider erfuhr ich sehr schnell, dass das Naturcamp direkt am Schluchsee komplett ausgebucht war. Ein weiteres Hotel kam nicht in Frage. Wenn also gar nichts anders gehen würde, würden wir notfalls wild campen oder zum Campingplatz nach Schluchsee laufen. Der lag allerdings 4 km in der falschen Richtung. Was wir an diesem Abend tun würden, würden wir vor Ort entscheiden.

Die vierte Etappe endet in St. Blasien. Hier gab es jede Menge Unterkünfte. Dort wollten wir uns spontan etwas suchen. Eigentlich hätten wir gern im offiziellen Schwarzwald-Trekking-Camp „Windberg“ eine Nacht verbracht. Zunächst ließ sich das Camp aus „organisatorischen Gründen“ nicht buchen, wie mir mitgeteilt wurde. Als es kurz vor unserem Urlaub buchbar war, war es leider auch sofort ausgebucht.

Am Ende der fünfte Etappe gibt es allerdings seit einiger Zeit „Trekking an der Wehra“, einen Wohnmobilstellplatz mit Zeltwiese. Diesen reservierte ich problemlos.

In Wehr, am Ende des Schluchtensteigs und nach 6 Wandertagen, wollten wir uns dann ein Hotel gönnen und am Freitag mit dem Bus und Zug zurück nach Stühlingen fahren. Der Freitag würde also ein kompletter Reisetag werden, erst 2 h zurück zum Auto, dann min. 6 h auf der Autobahn. Der Plan sah also ziemlich gut aus. Aber wer bereits Blogbeiträge von mir gelesen hat, wird wissen, dass ich stets super Pläne schmiede. Wer mehr gelesen hat, weiß auch, dass wir diese oft über den Haufen schmeißen.

Die Vorbereitungen

Dann jetzt ging es mal wieder ans Packen. Zum Glück hatten wir durch den Soonwaldsteig schon viel Erfahrung gesammelt und unsere Listen gepflegt. Als wir vom Fahrradurlaub aus Lüdinghausen zurückkamen und die Fahrradsachen gewaschen hatten, gingen wir also direkt dazu über, wieder neu zu packen. Ich hatte mich nach dem Soonwaldsteig weiter mit dem Thema „Ultraleicht“ beschäftigt. Eine sehr leichte Windbreaker-Jacke hatte ich mir bereits für den Fahrradurlaub gekauft. Zwei weitere Baustellen, wo ich schnell viel Gewicht sparen konnte, hatte ich bei mir ausgemacht: meine Regenjacke und mein Rucksack. Das Thema Regenjack ging ich zuerst an, vertagte es aber wieder.

Daher klapperten wir zwei Outdoorläden ab, um uns einen Überblick über leichtere bzw. ultraleichte Rucksäcke zu verschaffen. Tatsächlich gefiel uns ein Modell von Osprey sehr gut. Allerdings war dies im Laden nur als Herrenversion und mit 45 L verfügbar. Der Verkäufer meinte aber, dass es noch ein Damenmodell und eine Variante mit 60 L Volumen gäbe. Wir waren uns nicht sicher, ob 45 L nicht zu klein war. Zwar war mein Rucksack (55 + 10 L) auf dem Soonwaldsteig nicht voll, aber 45 L ist schon deutlich kleiner.

So gern ich im Laden bei guter Beratung kaufe, mir blieb nichts anderes übrig, als das Internet nach diesem Damen-Modell abzugrasen. Tatsächlich ist der Osprey Lumina 60 L beim Hersteller offiziell ausverkauft. Am Ende wurde ich aber noch einen Online-Shop, wo beide Varianten mit meiner Rückenlänge lieferbar waren. Bei dieser Art der Rucksäcken kann man die Rückenlänge nicht verstellen, es gibt daher verschiedene Versionen. Dank guter E-Mail-Beratung wusste ich, dass ich ein „S“ brauchen würde. Ich bestellte beide Größen. Allerdings stellte sich heraus, dass nur der 60 L vorrätig war und der mit 45 L erst beim Hersteller nachgeordert werden musste. Die Lieferzeit betrug 14 Tage. Der 60 L sollte jedoch in 3-5 Tagen da sein. Allerdings kam der direkt aus Spanien. Da dauerte es dann doch länger und machte die Sache richtig spannend. Doch das 60 L-Modell kam rechtzeitig. Ich packe und lief Probe, denn meine Sachen lagen ja bereits im Wohnzimmer verstreut. Mit einer Tour einmal ums Wildgehege stellte ich fest, dass der Rucksack ein Tragegenuss war. Das Volumen passte. Es war also egal, ob der kleinere Rucksack rechtzeitig eintreffen würde, den hier würde ich behalten. Statt 1,8 kg würde ich nur noch 838 g mit mir rumschleppen. Jule musste leider bei ihrem schweren 2,3 kg Rucksack bleiben. Aber die Investion ebenfalls in einen leichten Rucksack steht demnächst an.

Also packten wir die Rucksäcke, wogen unser Müsli ab, wägten die Wahl der Klamotten ab und besorgten uns Fertig-Trekking-Essen. Allerdings dieses Mal nur 3 Packungen, da wir im Gegensatz zum Soonwaldsteig immer wieder touristisch ausgebaute Ort besuchen würden. Also planten wir auf das Prinzip „See-Food“ zurückzugreifen. See-Food = Kurzform für „if you see food, eat it“ (deutsch: Wenn du Essen siehst, iss es“). Wir würden in den Ortschaften also in Imbissen und Restaurants einkehren und außerdem Einkaufsmöglichkeiten nutzen, um unsere Vorräte im Laufe der Zeit aufzufüllen. Das sparte uns erheblich Gewicht. Auch die Wasserversorgung sollte nicht so schwierig werden. Neben Brunnen entlang des Weges könnten wir in den Ortsschaften sicher „nachtanken“. Außerdem investierte Jule noch ein besseres und leichteres Filtersystem, was wir im Notfall in Kombination mit den Reinigungstabletten nutzen konnten.

Ich nähte in einer Nacht-und-Nebel-Aktion noch eben zwei Regenröcke. Über die Regenröcken werden ich später separat berichten. Denn dass wir nicht trocken durch die Wanderwoche kommen würden und Regenzeug Pflicht war, war mit einem Blick auf die Vorhersage klar. Wie dringend wir dieses brauchen würde, würden wir aber erst hinterher wissen. Das Endergebnis meiner Nähaktion war ungefähr so kleidsam wie eine Mülltüte, funktionierte aber ganz hervorragend.

Die lange Anreise

Am Freitag, 30.08.2021, ging es dann endlich noch vor Mittag los. Morgens hatte ich Pizzaschiffchen gebacken und Salat mit Dressing vorbereitet. Die Sachen kamen in die Rucksäcke und Brötchen wurden geschmiert. Wie bereits erwähnt, entwickelte sich die Tour gen Schwarzwald, zu einer Tor“tour“. Wir hatten mehr Stau als freie Fahrt. Am Ende kamen wir gegen 19:30 Uhr genervt bei Nikolaus an. Aber seine sympatische Art und der wahnsinnig tolle Garten mit zig verschiedenen Gemüse machten alle Anreisestrapazen wett. Wären wir, wie ursprünglich geplant, erst gegen 22 Uhr angekommen, hätten wir unseren Gastwirt verpasst. Der musste in der Nacht noch arbeiten.

Wir dagegen bauten unser Zelt in seinem zauberhaften Garten auf, aßen noch den vom Lunchpaket übrig gebliebenen Salat und bekamen im Haus des Gastes sogar noch ein richtiges Abendessen oben drauf. Leider regnete es auf dem Rückweg zum Zelt. Aber an dieses Wetter konnten wir uns schon mal gewöhnen. Die Woche sollte insgesamt ziemlich schlecht werden.

Zwar konnten Jule und ich wie immer in der ersten Nacht im Zelt schlecht einschlafen und die Mücken ärgerten uns die ganze Nacht, aber trotzdem starteten wir merkwürdig ausgeruht in den ersten Wandertag. Aber das erfahrt ihr alles später hier an dieser Stelle.

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